Nach Bamberg-Niederlage : Albas Empfindungsglück

Trotz der verpassten Revanche gegen Bamberg blicken die Berliner optimistisch Richtung Play-offs. Denn Alba weiß nun, dass sie die Baskets schlagen kann - aber will erst im Finale auf den Titelverteidiger treffen

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Du kommst hier nicht rein. Bambergs Kyle Hines (r.) verweigert dem Wurf des Berliner Bryce Taylor den Einlass zum Korb.
Du kommst hier nicht rein. Bambergs Kyle Hines (r.) verweigert dem Wurf des Berliner Bryce Taylor den Einlass zum Korb.Foto: dpa

Als alles vorbei war, blickte Yassin Idbihi in die Zukunft. „In ein paar Wochen werden wir uns an dieses Spiel erinnern“, sagte der Basketball-Nationalspieler aus Berlin nach Albas dramatischer 93:97-Niederlage gegen die Baskets Bamberg. „Wir werden uns daran erinnern, dass dieses Spiel Spaß gemacht hat, dass wir viele Punkte erzielt haben, aber auch, dass wir in der Verteidigung am Ende zu unkonzentriert waren.“

Lange hatte sich Alba in einem diesem rasant geschnittenen Werbespot für Bundesliga-Basketball beim Meister und Tabellenführer Bamberg für das entwürdigende 52:103 im Hinspiel revanchiert. Die Berliner führten im zweiten Viertel bereits mit 16 Punkten, lagen dann im dritten mit zehn zurück und führten dennoch drei Minuten vor dem Ende 85:82. Doch dann zeigte Bamberg, warum der nun offizielle Hauptrundenerste diese Saison noch jede Bundesliga-Mannschaft mindestens einmal geschlagen hat. Drei Dreipunktewürfe und vier Freiwürfe in Folge netzten die Baskets ein. „Wir haben zu viele einfache Körbe zugelassen, das darf man gegen gute Mannschaften wie Bamberg nicht tun“, sagte Idbihi. „Im ersten Viertel haben wir voll auf Angriff gespielt, aber danach haben uns zu schnell zufrieden gegeben, sind nach 10 Punkten Führung relaxter gewesen, dabei hätten wir auf 20 Punkte drängen müssen.“

Doch obwohl am Ende wieder die Bamberger feierten, diesmal sogar in Berlin, wollte die ganz große Trauer nicht aufkommen. „Wir haben heute mit Herz gespielt und gezeigt, dass die Schlappe in Bamberg einmalig war“, sagte Sven Schultze. „Das war ein hartes Spiel für uns, auch wegen der öffentlichen Erwartungshaltung“, sagte Miroslav Raduljica, der sein erstes Spiel gegen Bamberg mit Duellen gegen Partizan Belgrad in seiner serbischen Heimat verglich. „Wir haben gekämpft wie verrückt, aber was hängenbleibt, ist unser Teamgeist und dass wir einfach konzentrierter sein müssen.“

Auch Marco Baldi wollte nach der ersten Niederlage nach zuvor sechs Siegen in Serie wenn schon kein Erfüllungsglück, dann doch zumindest Empfindungsglück verspüren. „Ich bin nicht traurig, dass wir verloren haben, denn wir haben das Niveau bestätigt, dass wir in den Spielen zuvor gezeigt haben“, sagte der Geschäftsführer. „Wenn wir das in den nächsten Spielen bestätigen, dann können die Play-offs langsam kommen.“ In den verbleibenden fünf regulären Saisonspielen wird es nun nicht mehr darum gehen, den um vier Punkte enteilten Tabellenzweiten Frankfurt noch einzuholen, sondern die Artland Dragons, die Alba von Platz drei verdrängt haben. Am Donnerstag nächster Woche kommt es zum Duell mit dem einzigen Ligateam neben Bamberg, das Alba bisher zweimal schlagen konnte. „Unsere Leistung heute stimmt mich positiv für das Spiel“, sagte Schultze.

Gelingt die Rückkehr auf Platz drei nicht, würde Alba als Vierter schon im Halbfinale auf Bamberg treffen, vorausgesetzt beide gewinnen ihre Viertelfinal-Duelle. „Wir wollen jetzt unbedingt nochmal gegen Bamberg in den Play-offs spielen“, sagte Idbihi, „aber natürlich lieber erst im Finale als im Halbfinale.“ Die Gewissheit, dass die Berliner in der Lage sind, Bamberg zu schlagen, interessierte Idbihi nicht, „das wussten wir schon vorher“. Stattdessen kam der Center wieder auf die Zukunft zu sprechen. „Jürgen Klopp sagt in Dortmund immer, er will 90 Minuten Vollgasfußball sehen“, sagte er, „nun wissen wir: Wir brauchen in den Play-offs 40 Minuten Vollgasbasketball.“

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