Nach Champions-League-Aus : Entäuschung bei Arsenal

Warum kann Arsenal die entscheidenden Spiele nicht gewinnen? Arsenal-Trainer Arsène Wenger ist ratlos.

Raphael Honigstein[London]

Arsène Wenger ging auf Distanz. „Ich möchte Abstand von dieser Saison gewinnen“, sagte der französische Trainer des FC Arsenal nach dem Aus im Halbfinale der Champions League. „Wir haben in der Liga 21 Spiele hintereinander ohne Niederlage absolviert, wir standen im Halbfinale des FA-Pokals und der Champions League, aber die wichtigen Spiele konnten wir nicht gewinnen.“

Nach dem 1:3 gegen Manchester United, dessen Ende viele tausende Zuschauer gar nicht mehr mitbekamen – sie hatten nach Cristiano Ronaldos phänomenal herausgekontertem 3:0 eine halbe Stunde vor Schluss das Weite gesucht – schien Arsène Wenger ratlos wie nie zuvor. Vor drei Jahren hat er unglücklich ein Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona verloren, aber dies sei nun „der enttäuschendste Abend meiner Trainerkarriere“, sagte er leise. Wenger hatte mitansehen müssen, wie Manchester United sein Team zur Jugendmannschaft degradierte – in einer Auseinandersetzung zwischen „elf Männern und elf Babys“, wie Uniteds Linksverteidiger Patrice Evra spottete.

„Es ist frustrierend, wenn ein Spiel vorbei ist, bevor es angefangen hat“, sagte Wenger. Er meinte die Gegentreffer nach acht (Ji-Sung Park) und elf (Cristiano Ronaldo) Minuten, vielleicht aber auch die ganze Saison. Arsenal ist in Europa weiter konkurrenzfähig, aber nicht mehr in der heimischen Liga, wo man als Vierter in der Tabelle in die Qualifikation für die Champions League gehen muss. United, der Erzrivale, hat sich längst zum besseren Arsenal entwickelt. Schnelle Konter, gepflegter One-Touch-Fußball und jugendlicher Schwung, dies alles vereint United mit Angst einflößender Ruhe in der Verteidigung. Und auf der Bank sitzen Trainer Sir Alex Fergusons Goldreserven namens Scholes, Giggs oder Berbatow. Alex Ferguson kann Geschichte schreiben – kein Verein konnte bisher den Titel der Champions League verteidigen –, Wenger dagegen muss auf Distanz gehen. Nach vier Jahren ohne Titel fängt bei Arsenals Fans das Murren an. Raphael Honigstein

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