• Nach dem 1:1 gegen Feyenoord hofft Borussia Dortmund auf den Sportsgeist von Rosenborg Trondheim

Sport : Nach dem 1:1 gegen Feyenoord hofft Borussia Dortmund auf den Sportsgeist von Rosenborg Trondheim

Martin Hägele

Ein Teil des Publikums steckte die Finger in den Mund und pfiff; als die eingefleischten Borussen-Fans dies hörten, hielten sie Beifall dagegen, andere hatten sich schon Minuten, bevor das 1:1 zwischen dem BVB und Feyenoord Rotterdam in Gruppe C der Champions League endgültig feststand, auf den Heimweg gemacht.

"Der Fußballgott hatte heute kein gelbes Hemd an. Unglaublich, wie gut Borussia gespielt hat. Und dann machen die Holländer mit einem einzigen Torschuß gleich einen Treffer." So hat der ehemalige Trainer Horst Köppel gesprochen und versucht zu trösten. Und auch Michael Skibbe, der jüngste in der Reihe seiner Nachfolger, hat in der Pressekonferenz kaum anders geklungen. Er sei sehr zufrieden mit den Leistungen seiner Mannschaft, deswegen sei ihm vor der Reise zu Boavista Porto überhaupt nicht bange. "Aber erst einmal müssen wir uns auf das Spitzenspiel in Hamburg konzentrieren. Und auswärts sind wir derzeit stärker."

Ist der Tabellenführer der Bundesliga auf einmal so bescheiden geworden? Blufft der jüngste Chefcoach der Liga oder will er einfach jedes Störfeuer austreten? Und liegt es ganz allein an der mangelnden Cleverness im gegnerischen Strafraum? Die Hierarchie der neuen Borussia wirkt verordnet, die Harmonie auf dem Weg zurück zur alten Klasse könnte auch vorgespielt sein. Noch kann sich Borussia aus eigener Kraft in die nächste Runde der europäischen Königsklasse spielen und kämpfen. Im Gegensatz der Konkurrenz von Bayer Leverkusen etwa, die in Gruppe A die Hilfe der bereits qualifizierten Stars von Lazio Rom in der kalten Hölle von Kiew braucht. Die Dortmunder haben am letzten Spieltag am kommenden Dienstag auch bessere Verbündete als das launische Multimillionärs-Ensemble aus Italien, nämlich Rosenborg Trondhein. Die Norweger werden in Rotterdam nicht nur wegen der Prämie der Uefa rennen, sondern auch, weil sie viel Stolz besitzen.

Garantien sind dies freilich keine. Und der "Schritt in die richtige Richtung", wie Andreas Möller seine Kameraden generell gefeiert hat, muss sich wohl erst im Volksparkstadion und dann in Portugal bewähren. Möller, der in altvertrauter Rolle im Mittelfeld spielen durfte, bestätigte sich selbst ein gutes Spiel, "nur in der Rückwärtsbewegung bin ich eben nicht der Beste". Weil er nicht richtig nachgesetzt hatte beim eingewechselten van Vossen, hatte dieser in der 72. Minute unbedrängt aus 20 Metern zum Ausgleich getroffen.

Der ist nach dem Erfolg durchgespurtet zur Trainer-Bank, um dort die Gratulation seines Chefs abzuholen und dessen glückliches Händchen zu loben. Dass er das auch selbst tun müsse, hat Weltenbummler Leo Beenhakker, der sich wie kaum ein anderer selbst darstellen kann, natürlich nicht vergessen. "Es ist immer das große Dilemma der Trainer, zur rechten Zeit, den rechten Mann zu wechseln", sagte Beenhakker.

Ein bisschen was war dran an dieser Trainer-Weisheit. Auch etwas für Skibbe zum Nachdenken. Denn traurig waren die Feyenoord-Abwehrspieler gewiss nicht, dass in der letzten Viertelstunde statt Fredi Bobic Sergej Barbarez in ihrem Strafraum auftauchte. Bobic hatten sie in Rotterdam aus dem Hinspiel noch in schlechtester Erinnerung, und im Jahr zuvor war er in "de Kuip", wie das Rotterdamer Stadion genannt wird, als Gespenst erschienen. Damals noch mit dem VfB Stuttgart und in einem der wildesten Finishs, die Torjäger Bobic jemals aufgeführt hat, hatte er für ein schwäbisches Fußball-Wunder gesorgt. Aber Skibbe glaubt eben manchmal, er müsse etwas Besonderes machen oder etwas ganz Neues.

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