Nach dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim : Kollektives Versagen beim Hamburger SV

Beim Hamburger SV liegen nach dem 1:5 gegen Hoffenheim bereits wieder die Nerven blank. Dabei herrschte nach dem Unentschieden zum Auftakt bei Schalke so viel Euphorie.

Bloß weg damit. Dennis Diekmeier (r.) spürt Roberto Firmino im Nacken. Foto: dpa
Bloß weg damit. Dennis Diekmeier (r.) spürt Roberto Firmino im Nacken.Foto: dpa

Rafael van der Vaart war stinksauer. Bei seiner Auswechslung warf der Holländer seine Kapitänsbinde wütend auf den Rasen. Es war die schwungvollste Aktion des HSV während der gesamten 90 Minuten. Nach dem 1:5 (1:1)-Heimdebakel gegen die TSG Hoffenheim ist die Stimmung in Hamburg schon wieder angespannt. Thorsten Fink rastete nach unbequemen Reporterfragen komplett aus. Die Leistung gegen den Fastabsteiger der vergangenen und insgesamt acht Gegentore in zwei Spielen zum Saisonstart trieben dem Trainer des Hamburger SV die Zornesröte ins Gesicht: „Das war Scheiße, aber ich kann nicht aufgeben.“

Fink fühlt sich von seinen Profis im Stich gelassen. „Nein, es lag nicht an der taktischen Ausrichtung, der Gegner war technisch besser und schneller“, stellte Fink fest und brüllte los: „Ich bin nicht genervt, ich bin kampfeslustig“. Auch Kapitän van der Vaart bekam sein Fett weg: „Ich habe gehofft, dass Rafael das noch mit Erfolg rumreißen kann.“ Konnte er nicht. Das Elfmetertor (44.) des Regisseurs zum zwischenzeitlichen Ausgleich war zu wenig.

Vielleicht hatte Fink vor der Partie den Mund zu vollgenommen, als er davon sprach, in der Mannschaft einen neuen Geist ausgemacht zu haben. Denn von dem war am Sonnabendnachmittag nichts mehr zu spüren. „Das ist eine Demontage“, befand Torhüter René Adler, der von seinen Vorderleuten in der zweiten Halbzeit wiederholt im Stich gelassen worden war. „Das ist absolut katastrophal, da kann man die schlimmsten Adjektive nehmen für das, was wir gezeigt haben“, sagte Adler: „Wir haben im Kollektiv versagt.“ Mit solch einer Abwehrleistung könne man kein Bundesliga-Spiel gewinnen.

Die Innenverteidigung mit Heiko Westermann und Lasse Sobiech war schlichtweg überfordert – auch weil das defensive Mittelfeld beim HSV praktisch nicht existent war. Derart eingeladen zog das Team von Markus Gisdol an dessen 44. Geburtstag ein flottes Konterspiel auf, bei dem der Brasilianer Roberto Firmino mit zwei Toren und drei Vorlagen Mann des Tages wurde. Ebenfalls doppelt traf der französische Neuzugang Anthony Modeste, der damit schon insgesamt fünf Pflichtspieltore auf dem Konto hat.

Trotz des Debakels wollte der neue HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer nicht zu hart mit den Verlierern ins Gericht gehen. „Auf Schalke hat man gesehen, was die Mannschaft leisten kann. Da müssen wir den Hebel ansetzen.“ Anscheinend ist seine Kabinenpredigt nach der 0:4-Blamage im Testspiel vor zweieinhalb Wochen bei Dynamo Dresden schnell verpufft. „Wir hatten Vorgaben, aber dann machte jeder, was er wollte“, sagte Westermann.

Viel zu wenig gewonnene Zweikämpfe, eklatante Abwehrfehler und Angst in der Vorwärtsbewegung waren die Gründe für die von immer lauter werdenden Pfiffen begleitete Niederlage gegen spielfreudige Hoffenheimer. „Jetzt fahren wir nach Berlin, wo uns eine Mannschaft erwartet, die auch gewillt ist, uns aus dem Stadion zu schießen“, sagte Nationaltorwart Adler mit Blick auf den kommenden Gegner.

Müssten Fink und Kreuzer jetzt nicht dringend Spieler nachverpflichten? „Verstärkung kann man nur holen, wenn man Geld hat“, lautete die nüchterne Antwort des desillusionierten Trainers. Wie in der Vorsaison kommt nach einem passablen Auftritt stets die Ernüchterung. Die Mannschaft lasse ihn seit fast zwei Jahren „nicht einmal zwei bis drei Spieltage durchatmen“. (dpa)

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