Nach dem Absturz : Chinesische Aktien: Experten raten zum Einstieg

Aktien aus China haben zuletzt dramatisch an Wert verloren. Gerade deshalb raten einige Experten jetzt zum Einstieg an den Börsen.

Veronika Csizi
Börse in Shanghai
Enttäuschte Gesichter. Viele Chinesen hatten große Summen investiert.Foto: dpa

Warren Buffet hat wieder einmal alles richtig gemacht. Der milliardenschwere amerikanische Investor trennte sich im vergangenen Spätsommer fast vollständig von seiner Beteiligung am größten chinesischen Ölunternehmen Petrochina – mit rund 500 Prozent Gewinn. Kurze Zeit später begann die Talfahrt an Chinas Börsen, die auch vor dem Beginn der Olympischen Spiele am Freitag noch anhält.

Geplatzte Anlegerträume

Noch im Sommer 2007 waren vor allem chinesische Privatanleger im Börsenrausch. Sie spielen eine Hauptrolle an den chinesischen Börsen – vor allem, weil es an Anlage-Alternativen mangelt. In der Spitze wurden täglich bis zu einer Million neue Aktiendepots eröffnet . Die Indizes der chinesischen Börsen schossen binnen kürzester Zeit um mehr als hundert Prozent in die Höhe.

Doch vor rund neun Monaten platzte die Blase. Wer in China investiert hat, liegt, gemessen am Index der Börse Schanghai, seit Jahresbeginn rund 50 Prozent im Minus . Im Index CSI 300, der die Entwicklung der 300 größten Werte in Schanghai und Schenzhen widerspiegelt, löste sich fast eine Billion Dollar in Luft auf. Die Aktie von Petrochina etwa fiel unter ihren Emissionspreis.

Begrenzter Zugang

Nun raten manche Analysten und Fondsmanager, wieder einen Blick auf Chinas Börsen zu riskieren. Andere glauben hingegen, dass der Boden noch nicht ganz erreicht sei. Wer sich direkt am chinesischen Aktienmarkt engagieren will, steht zunächst vor einem begrifflichen Wirrwarr. Denn der Pekinger Staatsapparat reglementiert Käufe ausländischer Investoren. Die an den Börsen in Schanghai und Schenzhen in der einheimischen Währung Renminbi-Yuan gehandelten A-Aktien sind chinesischen Investoren und so genannten „Qualified Foreign Institutional Investors“, das sind vor allem Fonds und Banken, vorbehalten. Normale Privatanleger können nur B-Aktien kaufen, und zwar in Schanghai in US-Dollar und in Schenzhen in Hongkong-Dollar. Alternativ bieten sich H-Aktien an, das sind die Papiere chinesischer Unternehmen, die an der Börse der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong gelistet sind. Allerdings folgt Hongkong mit dem dortigen Hang-Seng-Index als international etablierte Börse häufig anderen Gesetzen als die Indizes auf dem Festland. So hat der Hang-Seng-Index, in dem neben chinesischen auch britisch-asiatische Firmen wie die Bank HSBC vertreten sind, seit Jahresbeginn nur um rund 21 Prozent nachgegeben.

Die besten Fonds

Wer sich die Qual der Wahl unter hunderten Werten ersparen will, kann mittlerweile auch in weit über 50 verschiedene China-Fonds investieren, die meist Anteile an den wichtigsten chinesischen Aktiengesellschaften wie den Öl- und Gasfirmen Petrochina oder CNOOC, den Telekommunikations-Unternehmen China Mobile oder China Unicom oder den Banken Industrial and Commercial Bank beziehungsweise China Construction Bank halten. Mit unter den Besten auf Sicht von einem und drei Jahren listet das Fondsrating-Unternehmen Morningstar etwa den Allianz RCM China (WKN 989859) mit einem Fondsvermögen von 125 Millionen Euro. Zwar verfügt ein Anleger, der im Januar 10 000 Euro in den Fonds investiert hätte, aktuell nur noch über knapp 7000 Euro. Damit hat Fondsmanagerin Christina Chung jedoch ein glückliches Händchen bewiesen, denn Fonds wie Baring Hongkong China (ISIN IE0000829238), der bereits 26 Jahre am Markt ist und ein Volumen von 5,6 Milliarden Dollar verwaltet, verloren mit 38 bis 45 Prozent seit Jahresbeginn deutlich mehr.

Experten sehen Schnäppchen

Generell gilt trotz des Crashs: Wer bereits längerfristig investiert ist, liegt weiter satt im Plus. So kann sich ein Anleger, der sein Geld schon vor fünf Jahren in den Allianz RCM China gesteckt hatte, über ein Plus von 175 Prozent freuen. „Wir haben schon Anfang des Jahres unsere Bestände in aggressiveren Titeln im Telekom- und Bankensektor drastisch reduziert und uns defensiver orientiert“, sagt Weijun Yin, China-Experte aus dem Allianz-Global-Investors-Fondsteam. Relativ gut gehalten haben sich in der Baisse auch Fonds wie der Metzler Chinese Equity (WKN 989437), der Schroders ISF China Opportunities (WKN A0JDNN) oder der Templeton China Funds (WKN 973909). Der Grund: Ein Gutteil des Kapitals ist an den etwas stabileren Märkten Taiwans und Hongkongs („Greater China“) investiert, zudem sind Ölunternehmen übergewichtet. Nach den herben Verlusten glaubt Allianz-Experte Yin inzwischen, dass der Markt „stark überverkauft“ sei. Bei vielen Aktien seien wieder Kaufkurse erreicht. Allerdings warte eine Mehrheit der Investoren noch auf einen finalen Ausverkauf. Emerging-Markets-Guru Mark Mobius von Templeton wittert derzeit „ansehnliche Schnäppchen“ an Chinas Börsen. Er selbst habe den China-Anteil in den eigenen Portfolios bereits wieder erhöht, ließ der Manager von 47 Milliarden Dollar Anlagegeldern Ende Juli verlauten. Auch das Fondsmanagement von Metzler hält das Risiko weiterer Kursrückgänge für begrenzt. Positiv könne sich auswirken, dass Peking Gerüchten zufolge einen Stabilisierungsfonds zur Stützung der Börsen ins Leben rufen wolle.

Der britische Fondsspezialist Schroders warnt jedoch davor, die Risiken eines China-Engagements auszublenden. Die allgemein hohen Rohstoffkosten belasteten auch die Gewinnentwicklung chinesischer Firmen erheblich. Da der Staat an allen größeren Firmen Beteiligungen von teilweise bis zu 80 Prozent halte, könne den veröffentlichten Daten zudem nicht hundertprozentig vertraut werden, warnen Kritiker. „China ist weit entfernt davon, eine freie Marktwirtschaft zu sein“, bestätigt Allianz-Fachmann Yin.

Indexfonds schneiden gut ab

Wie schwierig die richtige Aktienauswahl in China ist, zeigt die Tatsache, dass auch in der Baisse kein einziger Fonds die Wertentwicklung von reinen Index-Papieren toppen konnte. Morningstar rät daher, sich auch sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) zu chinesischen Indizes anzusehen, von denen hierzulande mittlerweile sechs verschiedene auf dem Markt sind. Dazu gehören beispielsweise der iShares ETF Dow Jones China Offshore (Isin DE000A0F5UE8), der im März 2006 aufgelegt wurde. Im Index Dow Jones Offshore sind 50 chinesische Aktien vertreten, die entweder in Hongkong oder an einer US-Börse gelistet sind, darunter China Mobile, die China Construction Bank oder Petrochina. Daneben gibt es einen ETF von Lyxor, also aus dem Société-Générale-Konzern, der den Hang Seng China Enterprises nachstellt (Isin FR0010204081). Der Index umfasst festland-chinesische Unternehmen, die als H-Aktien in Hongkong gelistet sind. Der Vorteil im Vergleich zu normalen Aktienfonds: Es entfällt der Ausgabeaufschlag, der bei China-Fonds meist fünf Prozent beträgt, zudem sind die laufenden Gebühren mit 0,6 bis 0,7 Prozent pro Jahr deutlich niedriger. Stattdessen fällt beim Kauf von ETFs an der Börse eine normale Ordergebühr wie bei einer Aktie an. Alle ETFs liegen seit Jahresbeginn zwischen 26 und gut 27 Prozent im Minus und damit ähnlich tief in der Verlustzone wie die besten normalen China-Aktienfonds.

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