Sport : Nach dem Absturz der zweite Anlauf

Martina Müller kommt langsam wieder nach vorn – heute spielt sie gegen Martina Hingis

Stefan Hermanns

Berlin - Ein Ball wie dieser hätte Martina Müller vor kurzem vermutlich noch jegliche Lust am Tennis ausgetrieben. Einen Punkt benötigt sie gegen Jill Craybas noch zum Satzausgleich, der Ball prallt kurz vor der Grundlinie in den Sand und springt so flach ab, dass Müller ihn nicht mehr richtig erwischt. Platzfehler, Satzball vergeben und auf jeden Fall ein guter Grund, die Nerven zu verlieren. An diesem Tag aber nutzt die 23-Jährige die zweite Möglichkeit zum Satzausgleich und gewinnt am Ende gegen die 50 Weltranglistenplätze bessere US-Amerikanerin 1:6, 6:2, 6:2. Zum ersten Mal seit 2002 steht Müller in der zweiten Runde der German Open.

Martina Müller war einmal das Gesicht zur Krise des deutschen Damentennis: ein bisschen selbstgefällig, genügsam und nervenschwach. Mit 19 stand sie an der Schwelle zu den Top 50 der Welt, dann stürzte sie ab, weil sie nicht zu begreifen schien, dass es schwieriger ist, oben zu bleiben, als nach oben zu kommen. Inzwischen hat sich Müller von jenseits der Weltranglistenposition 300 auf Rang 93 vorgearbeitet. „Ich habe mich entschieden, es noch mal zu versuchen“, sagt sie über die Zeit der Enttäuschungen. Ihr Trainer und Vater Reinhard Müller sieht bei seiner Tochter die Qualitäten, „stabil zwischen Position 30 und 50 zu spielen. Und das ist gar kein so langer Weg.“

Das deutsche Tennis schreibt bei den German Open wieder positive Nachrichten. Alle drei Top-100-Spielerinnen des Deutschen Tennis-Bundes stehen bei den German Open in der zweiten Runde, neben Müller auch Anna-Lena Grönefeld (Nummer 14, dank Freilos) und Julia Schruff (60) durch einen 6:1, 6:4-Sieg gegen die Finnin Emma Laine. Nur Sandra Klösel (115) scheiterte in Runde eins. 6:2, 1:6, 1:6 unterlag sie der Kolumbianerin Catalina Castano, die heute auf Grönefeld trifft. Schruff spielt gegen Martina Hingis und ist in ihrem Match ebenso Außenseiterin wie Müller gegen die frühere US- Open-Siegerin Swetlana Kusnetsowa. Müller sagt: „Mal gucken, ob ich sie ärgern kann.“

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