Nach dem Auftakt : Aufatmen und Zuversicht

Aufatmen und eine Spur Zuversicht im WM-Titelkampf hat der 4:2-Auftaktsieg der Fußball-Nationalmannschaft gegen Costa Rica bei der Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Sport ausgelöst.

Berlin - «Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist», sagte Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, der die allgemeine Gefühlslage am Freitag am Rande des Formel-1-Rennens im englischen Silverstone auf den Punkt brachte. «Ein bisschen Arbeit gibt es aber noch.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel war als Zuschauerin in der Arena schlichtweg begeistert: «Wir haben zwei sehr kämpferische Mannschaften gesehen. Besonders hat mich das Publikum beeindruckt, das großartig mitgegangen ist und Fairness gezeigt hat.» Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hoffte, «dass die WM die Stimmung in Deutschland positiv beeinflussen kann. Das geht in seiner Bedeutung über den Sport Fußball weit hinaus.»

Kicker-Legende Pelé war überwältigt vom torreichsten Eröffnungsspiel der WM-Geschichte. «Sechs Tore - das ist Wahnsinn», sagte der Brasilianer. An der Abwehrschwäche müsse Jürgen Klinsmann freilich arbeiten. «Doch wenn man so viele Tore schießt, kann man sich solche Schwächen erlauben.» Sein Freund Franz Beckenbauer äußerte sich verhaltener: «Es war nicht das attraktivste Spiel. Die zwei Gegentore waren die Schönheitsfehler.»

Hart ins Gericht mit seinen Nachfolgern ging der 74er Weltmeister Gerd Müller: «Es war ein erschreckendes Spiel. Wenn ich das heute gesehen habe, schaut es nicht gut für uns aus», sagte der damalige WM-Rekordtorschütze. Auch Boris Becker stimmte nicht ein in den Chor der Zufriedenen: «Hauptsache gewonnen», sagte der Wimbledonsieger und mahnte: «In der Abwehr müssen wir uns deutlich steigern.» Das erwartet auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus: «Gegen einen stärkeren Gegner werden wir dafür bestraft.»

Kapitän Bernd Schneider, der den verletzten Michael Ballack («Ich hätte gerne mitgespielt») in dieser Funktion vertrat, wehrte sich nicht gegen die kritischen Stimmen: «Wir wissen, dass wir noch arbeiten müssen.» Kollege Philipp Lahm, der mit seinem Führungstreffer die Verkrampfung im Team früh löste, gab dem Routinier recht: «Das war nicht zu 100 Prozent perfekt. Aber ich glaube, damit kann man im Eröffnungsspiel leben.»

Ein perfekter Tag war es für Miroslav Klose. «So ungefähr habe ich mir den Tag vorgestellt», erzählte der Bremer, der sich zum 28. Geburtstag zwei Tore schenkte. Stefan Effenberg sah die Partie dagegen weitgehend emotionslos: «Drei Punkte, vier Tore: Das ist okay - nicht mehr, nicht weniger.» Und Europameister Otto Rehhagel erklärte «Man hat es im Prinzip locker nach Hause gebracht.»

Für Michael Stich und den Schweizer Wetterfrosch Jörg Kachelmann war das Auftaktspiel sogar schon Anlass, vom Endspiel zu träumen. «Ich bin dankbar, dass das Finale Deutschland gegen Schweiz kommen wird», sagte der Eidgenosse. Und der 91er Wimbledonsieger aus Hamburg betonte: «Ich bin überzeugt: Deutschland wird Weltmeister.» (tso/dpa)

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