Nach dem Auftakt : Herthas neue Harmonie

Zum Bundesligaauftakt brillieren in der Berliner Offensive neben Marko Pantelic auch Patrick Ebert und der Brasilianer Raffael.

Claus Vetter
Eintracht Frankfurt - Hertha BSC Berlin
Und Küsschen. Torschütze Raffael (M.) umringt von Pantelic (l.) und Kacar (r).Foto: dpa

Es ist schon mehr als eine Dekade her, als beim VfB Stuttgart drei Spieler verschiedener Nationalitäten gegnerische Defensivabteilungen in der Bundesliga überraschten. Das Zusammenspiel von Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic hauchte dem Spiel der Schwaben derart viel Kultur ein, dass der Begriff vom „magischen Dreieck“ seinen Einzug in die Fußballersprache fand. Seitdem ist der Begriff oft überstrapaziert worden, und sicher mag manchem, wenn er das Wort „magisch“ in Zusammenhang mit Hertha BSC hört, schwindelig werden. Aber was die Berliner mit neuformiertem Dreiersturm zum Bundesligaauftakt beim 2:0 am Sonntag leisteten, das konnte sich sehen lassen. Patrick Ebert, Raffael und Marko Pantelic – da haben sich drei gefunden bei Hertha.

Verantwortlich für die Zusammensetzung des neuen Offensivtrios ist natürlich Lucien Favre. Herthas Trainer ließ in Frankfurt mit einer 3-4-3-Formation spielen. Und die offensive Ausrichtung lohnte sich. „Raffael und Ebert haben sehr viele Bälle erobert und ein großes Laufpotenzial, das hat sich für unser Spiel ausgezahlt“, sagt Favre. Besonders zufrieden aber habe ihn gestimmt, dass Marko Pantelic nicht nur ans Toreschießen gedacht habe. „Er hat zwei Torvorlagen gemacht. Das war sehr wichtig für mich.“ Weil sich der Assistent der Treffer von Raffael und Ebert variabler als sonst präsentierte, bekam Hertha mehr Überraschungsmomente in das offensive Spiel. Es sei ein Schlüssel zum Erfolg, sagt Favre, dass das Toreschießen auf mehr Schultern verteilt werde als in der Vergangenheit, sagt Favre. Somit sind die Berliner schließlich für die Gegnerschaft schwerer auszurechnen.

Pantelic als Gönner

Der Torjäger als Vorlagengeber – das ist eine Rolle, an der Pantelic laut eigenem Bekunden nichts auszusetzen hat. Schließlich verstehe er sich besonders mit Patrick Ebert prächtig. „Patrick hat sehr große Kapazitäten“, sagt Pantelic über seinen Mitspieler und meint wohl Eberts enormen Arbeitseifer. Auch der Brasilianer Raffael findet, dass die Zusammenarbeit mit den Sturmpartnern prächtig funktioniere. Herthas neue Harmonie ist sicher ein großer Faktor beim guten Saisonstart. Mannschaften funktionieren immer besser, wenn ein Spieler seinem Mitspieler auch etwas gönnt.

Mit dem in Frankfurt nicht einmal eingesetzten Armine Chermiti kämpft sogar noch ein Stürmer um seinen Platz im Team – eine Drucksituation, die sicher Raffael und Kollegen zusätzlich motiviert. Der Fall Chermiti war eine Überraschung im Spiel von Frankfurt. Die andere war, dass Favre in der zweiten Halbzeit mit Lennart Hartmann einen 17-Jährigen einwechselte, als Herthas jüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten.

Hertha hat in Frankfurt nicht nur den schließlich hilflosen Gegner überrascht, sondern auch viel Selbstbewusstsein gewonnen. „Wenn wir so spielen wie in Frankfurt, können wir in der Bundesliga jeden schlagen“, sagt Mittelfeldspieler Gojko Kacar. Genauso spielen wie gegen Frankfurt? Das werden die Berliner schon im nächsten Spiel am Samstag gegen Arminia Bielefeld nicht, sagt Favre. Gegen die biederen Bielefelder wird der Trainer versuchen müssen, mit anderen Mitteln zu gewinnen als gegen Frankfurt.
Zauber darf von Hertha ja auch nicht immer verlangt werden, aber ein wenig mehr Effektivität als in der jüngeren Vergangenheit. Wenn beides zusammen kommt wie am Sonntag bei Herthas Sieg in Frankfurt, dann ist das natürlich besonders schön anzuschauen. Schließlich bilden Pantelic, Raffael und Ebert ein Trio, das Favre sicher immer wieder gegen ihrem Spiel entgegenkommende Gegner spielen lassen wird.

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