• Nach dem Aus gegen den FC Sevilla: Borussia Mönchengladbach: Nie mehr Europa League?

Nach dem Aus gegen den FC Sevilla : Borussia Mönchengladbach: Nie mehr Europa League?

Borussia Mönchengladbach scheidet nach einer vogelwilden Begegnung gegen den FC Sevilla aus der Europa League aus - und würde gern im kommenden Jahr nicht mehr an dem Wettbewerb teilnehmen.

Der Moment, an dem sich die Hoffnung auf ein Wunder endgültig verflüchtigte: Granit Xhaka verlässt nach dem Platzverweis das Spielfeld.
Der Moment, an dem sich die Hoffnung auf ein Wunder endgültig verflüchtigte: Granit Xhaka verlässt nach dem Platzverweis das...Foto: dpa

Da stand er nun, ganz allein im Strafraum, die mächtige und immer noch prall gefüllte Nordkurve vor sich, wie ein Büßer vor seinem Tribunal. Zwanzig Minuten vor dem Ende hatte Granit Xhaka, früh verwarnt und bereits zusätzlich ermahnt, für ein ebenso blödes wie unnötiges Foul an der Seitenlinie Gelb-Rot gesehen. Es war der Moment, an dem sich die Hoffnung auf ein Wunder endgültig verflüchtigte. Xhaka war noch ein bisschen mehr Verlierer als seine Kollegen, aber mit solchen Feinheiten wollten sich die Fans von Borussia Mönchengladbach nach einem solchen Abend ganz sicher nicht abgeben. Aus der Nordkurve erklang Xhakas Name, die Anhänger hoben ihre Hände über den Kopf und fingen an zu klatschen. 

Eine magische Europapokalnacht hatte es werden sollen, die wurde es – wenn auch nicht ganz so, wie sie sich das in Mönchengladbach vorgestellt hatten. Schon nach acht Minuten geriet der Fußball-Bundesligist gegen den FC Sevilla in Rückstand, nach 25 führte der Titelverteidiger der Europa League 2:1. Zum Erreichen des Achtelfinales hätten die Borussen nach dem 0:1 aus dem Hinspiel nun in anderthalb Halbzeiten so viele Tore schießen müssen, wie ihnen in allen sechs Spielen des Jahrs 2015 gelungen waren: vier. Sie schafften erneut den Ausgleich, erspielten sich, angetrieben von ihrem Publikum, Chancen en masse, trafen Latte, trafen Pfosten und kassierten zehn Minuten vor Schluss ein weiteres Kontertor zum 2:3 (2:2)-Endstand.

Normalerweise setzt in solchen Momenten eine Massenflucht auf den Rängen ein – doch die Leute blieben. Nach dem Schlusspfiff begab sich die Mannschaft auf eine Ehrenrunde, und als die Spieler die Südkurve erreichten, erklang von dort ein Gesang, so laut, wie er sonst nur vom anderen Ende des Stadions zu hören ist. „Das ist einem natürlich unangenehm, nach einem solchen Spiel“, sagte Borussias Kapitän Martin Stranzl.

Spiel verloren, Herz des Trainers gewonnen

Musste es nicht sein. Dem Ergebnis nach hatten die Gladbacher zwar verloren – aber sie hatten nicht nur die 45.000 Zuschauer begeistert, sie hatten auch ein wenig das Herz ihres Trainers gewonnen. „Insgesamt bin ich sehr, sehr positiv. Es war ein gutes Spiel von uns“, sagte Lucien Favre. „Es war schön zu sehen, dass wir mit viel Risiko und immer mit Initiative nach vorne gespielt haben.“ Sein Überschwang kam angesichts des Spielverlaufs und des Endergebnisses einem Weltwunder gleich. Derart vogelwilde Begegnungen mag der Trainer aus der Schweiz eigentlich nicht. Er will das Spiel beherrschen, aber nach dem frühen Gegentor war es nicht mehr beherrschbar. Das Herz siegte über das Hirn.

 „Es ist eigentlich nicht unsere Art, dass wir so überpacen“, sagte Borussias Verteidiger Tony Jantschke. „Wir waren ein bisschen zu mutig.“ Aber was blieb ihnen anderes übrig? Sevillas Tore veränderten alles, zudem machten es die Spanier taktisch mehr als geschickt: Sie standen sehr tief, nahmen Borussias aufbauende Mittelfeldspieler Granit Xhaka und Christoph Kramer in eine Art Manndeckung und zwangen die Viererkette dadurch dazu, so weit aufzurücken, dass sich hinter der letzten Linie ein Raum von der Weite der sibirischen Steppe auftat. Fünfmal schafften die Gäste es im Überfall in diesen Raum, zweimal rettete Yann Sommer, dreimal war Borussias Torhüter machtlos.

 So endete die Europa League für Borussia wie vor zwei Jahren schon nach der Zwischenrunde. Damals mussten sich die Gladbacher Lazio Rom nach zwei Spielen mit 3:5 geschlagen geben, diesmal hieß es 2:4. „Vom Ergebnis her haben wir uns nicht verbessert“, sagte Kapitän Stranzl. Aber der Auftritt gegen Sevilla war nicht zu vergleichen mit den hilflosen Bemühungen vor zwei Jahren, als Gladbach im Rückspiel in Rom ohne jede Chance war. Sevillas Mittelfeldspieler Aleix Vidal sagte mit Blick auf die nächste Runde: „Dort kann uns eigentlich kein Gegner erwarten, der noch mehr Qualität mitbringt als Mönchengladbach heute.“

 

Trotzdem hätten die Gladbacher nichts dagegen, wenn sie am Donnerstag ihr letztes Europa-League-Spiel für längere Zeit erlebt hätten. „Ich bin überzeugt, dass wir nach 34 Spieltagen da stehen, wo wir stehen wollen“, sagte Granit Xhaka. Auf einem Champions-League-Platz?, wurde er gefragt. „Genau.“

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