Nach dem CL-Erfolg : FC Bayern: Vier Tore und eine Kränkung

Das Gepolter von Uli Hoeneß ist nicht vergessen. Auch nach dem Champions-League-Sieg in Cluj herrscht beim FC Bayern noch nicht wieder Einigkeit.

Carsten Eberts[München]
Torschütze mit Anhang. Die Münchner suchen die Nähe von Mario Gomez. Er trifft eben wieder, gleich dreimal sogar. Foto: AFP
Torschütze mit Anhang. Die Münchner suchen die Nähe von Mario Gomez. Er trifft eben wieder, gleich dreimal sogar. Foto: AFPFoto: AFP

Das Wort des Abends war eindeutig „Autoritätsverlust“. Louis van Gaal hatte es in die Welt gesetzt, als er laut darüber nachdachte, wie wohl die Mannschaft das Poltern zwischen ihm und Präsident Uli Hoeneß verkraftet hätte. „Meine Spieler haben es auch gesehen und gehört und gelesen“, sagte van Gaal also, „das beeinflusst vielleicht auch meine Autorität.“ Das war vor dem Champions-League-Spiel in Rumänien beim CFR Cluj, das der FC Bayern anschließend 4:0 gewann. Ob van Gaal tatsächlich an Ansehen innerhalb der Mannschaft verloren habe, wurde Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge anschließend gefragt. Der antwortete: „Da braucht er sich gar keine Gedanken zu machen. Wir haben 4:0 gewonnen.“

Als klar war, dass der FC Bayern dieses Spiel gewinnen und sicher ins Achtelfinale der Champions League einziehen würde, war die Partie auch schon wieder Nebensache. Zu kraftvoll wurde der Zwist zwischen Hoeneß und van Gaal in den Tagen und Stunden zuvor ausgetragen, als dass ein einziger Sieg die Gemüter beruhigen könnte. Die banale Frage lautet: Wie geht es weiter? In Cluj bekannte van Gaal vielsagend, der Streit ändere nichts an seiner täglichen Arbeit mit der Mannschaft: „Aber an meiner Person, das ist etwas anderes.“ Der Niederländer ist gekränkt – und der Frieden, den die Bayern per Pressemitteilung verkünden ließen, alles andere als real.

Es ist eine schwierige Gemengelage, die den FC Bayern gerade umgibt. Sicher, der Sieg in Cluj war ein Triumph für van Gaal, der als Trainer nun den besten Bayern-Saisonstart in der Champions League sein Werk nennen kann. Aber auch Hoeneß sieht sich bestätigt: Wieder waren es die sogenannten Spieler aus der zweiten Reihe – Dreifachtorschütze Mario Gomez, Anatolij Timoschtschuk oder Andreas Ottl –, die zu den besten Akteuren zählten. Von denen glaubt Hoeneß, van Gaal habe sie nicht gefördert. Etwa Gomez, den van Gaal im Sommer an den FC Liverpool veräußert hätte. Davon will der Trainer nun nichts mehr wissen: Ziemlich direkt reklamiert van Gaal den deutlichen Formanstieg von Gomez für sich: „Ich habe die Spielweise für ihn besser gemacht. Und er macht die Tore.“

Mario Gomez hingegen ist klug genug, sich einen Kommentar zu verkneifen. Der Stürmer weiß, dass er in zwei Spielen gegen Cluj kaum vier Tore geschossen hätte, wären Miroslav Klose und Ivica Olic nicht langfristig verletzt. Gomez hat aber auch registriert, dass van Gaals Lob („Es ist fantastisch, dass wir so einen Stürmer haben“) ehrlicher klingt. Im Moment sei er einfach „sehr glücklich“, sagte der Stürmer.

Am Donnerstag nach der Rückkehr war die Stimmung eine versöhnlichere. Rummenigge konnte die bevorstehende Vertragsverlängerung mit Philipp Lahm bis 2016 verkünden, van Gaal betonte, er habe sich mit Hoeneß noch am Abend ausgesprochen. Und zum drohenden Autoritätsverlust bemerkte er spitzfindig: „Zufällig bin ich bei meinen Spielern beliebt. Das ist auch gut für einen Trainer.“ Van Gaal lachte, wusste aber, dass die Sache noch lange nicht ausgestanden ist.

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