• Nach dem Einzug ins Achtelfinale von Melbourne will sich Jana Kandarr selbst beschenken

Sport : Nach dem Einzug ins Achtelfinale von Melbourne will sich Jana Kandarr selbst beschenken

Jörg Allmeroth

Am Ende dieser ersten, für sie verrückten Woche von Melbourne fühlte sich Jana Kandarr plötzlich "wie im Tennis-Wunderland". Kaum glaublich, aber wahr: Nach insgesamt sechs außergewöhnlichen Spielen, zuletzt einem kuriosen 6:1, 0:6, 6:2-Erfolg im Qualifikantinnenduell mit der Kanadierin Sonya Jeyaseelan, war die Karlsruher Teilzeitspielerin schon im Achtelfinale der Australian Open angekommen. Die 24-Jährige, im Moment mehr mit ihrem Fernabitur als mit ihrem Aufschlag beschäftigt, verdiente sich bei ihrem starken sportlichen Ausflug nach Melbourne nicht nur bereits einen nie erhofften Platz in der Runde der letzten 16, sondern auch noch ein höchst ansehnliches "Schulgeld" von 63 000 Mark.

"Ich bin völlig baff", sagte Kandarr, die sich frei von allem Erwartungsdruck zum bisher "größten Erfolg" ihrer Laufbahn durchschlug. Im frostig kalten Melbourne, in dem dauernde Regenpausen eher an einen grauen Wimbledontag erinnerten, sorgte die Außenseiterin als aktuelle Spitzenreiterin unter den deutschen Spielerinnen in Australien wenigstens für einige Glücksgefühle bei den deutschen Tennisfans. "Sie zeigt wieder sehr gute Ansätze", lobte Damen-Bundestrainer Markus Schur die gebürtige Hallenserin, die womöglich auch beim einwöchigen Erstrunden-Qualifikationsturnier des Fed Cups Mitte April in Bari ins DTB-Team rücken wird.

Als letzte Mohikanerin des schwächelnden Deutschen Tennis Bundes traf Jana Kandarr, die in zwei ihrer bisher sechs Spielen in der Qualifikation und im Hauptfeld insgesamt neun Matchbälle abwehrte, nun auf die Französin Julie Halard-Decugis. "Da gehe ich ganz locker rein", sagte Kandarr, die sich eigentlich nicht viel ausgerechnet hatte bei ihrem Trip ans andere Ende der Welt. Und die die gut 20 000 Kilometer auch deshalb abgeflogen war, "weil es mir in diesem Land einfach so gut gefällt".

Doch mit den "minimalsten Erwartungen" angereist, ist sich Kandarr schon jetzt sicher, den fünften Kontinent so strahlend wie noch nie zuvor in ihrer Karriere zu verlassen: "Ich kann es gar keinem erzählen, wie ich mich freue." Von dem gewonnenen Geld will sie sich selbst belohnen. "Vielleicht schenke ich mir eine Reise oder etwas Schmuck." Ein wenig sollte nach Kandarrs Willen aber durchaus aufs Sparbuch kommen, auch, so die ungewöhnliche Begründung der Profispielerin, "damit ich später nicht mehr so viel arbeiten muss".

Neben Kandarr könnte heute auch noch der einzige in der Herren-Konkurrenz verbliebene Deutsche, Nicolas Kiefer, durch einen Erfolg über den Marokkaner Karim Alami ins Achtelfinale des Turniers einziehen. Pete Sampras musste am Freitag ein hartes Fünf-Satz-Spiel gegen Wayne Black aus Simbabwe überstehen, um seine Hoffnungen auf den 13. großen Titel aufrechtzuerhalten: Nach einem 0:2-Satzrückstand gewann Sampras unterm geschlossenen Centre-Court-Dach noch mit 6:7 (9:11), 3:6, 6:3, 7:5 und 6:3. Sampras behielt damit auch seine makellose Bilanz in Melbourne, wo er in neun Fünf-Satz-Partien ausnahmslos siegreich blieb.

Buchstäblich unter Dach und Fach gebracht wurde am fünften Turniertag auch auf dem Indoor-Hauptplatz das Aufeinandertreffen im Achtelfinale zwischen dem Weltranglisten-Ersten der Vorsaison, Andre Agassi, und dem australischen Davis-Cup-Helden Mark Philippoussis: Während Philippoussis seinen Landsmann Andrew Ilie mit 6:4, 7:6 und 6:1 erstaunlich glatt schlug, fertigte der eilige Steffi-Graf-Freund aus Las Vegas Mariano Zabaleta (Argentinien) 6:4, 6:4 und 6:2 ab.

Philippoussis hat Agassi sogar aus den Schlagzeilen fürs Vermischte verdrängt: Dem Jungen aus Melbourne mit den ewigen Playboy-Allüren wird nämlich eine Affäre mit Tennis-Sternchen Anna Kurnikowa angedichtet. Tatsächlich wurde Kurnikowa bei den beiden letzten Spielen von Philippoussis jedes Mal im Clan des Australiers auf der Tribüne gesichtet. Ihr Kommentar: "Ich rede generell nicht öffentlich über mein Privatleben."

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