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Nach dem Finke-Rauswurf : Und mer losse den FC en Kölle

Der 1.FC Köln wollte sich nicht von Sportdirektor Volker Finke verbiegen lassen - und warf ihn deswegen nach nur 13 Monaten wieder raus. Nun begibt sich der Verein auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger - mal wieder.

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Abgang. Volker Finke verlässt die Kölner Fußballbühne.
Abgang. Volker Finke verlässt die Kölner Fußballbühne.Foto: dpa

Volker Finke hatte sich leicht vorgebeugt und schien konzentriert den Worten seines Nebenmannes zuzuhören. Es war auch für den 63-Jährigen keine alltägliche Situation, denn immerhin erklärte sein Nebenmann am Sonntagmorgen die Gründe für die vermeintlich einvernehmliche Freistellung des Sportdirektors des 1. FC Köln. Als ausschlaggebend für die Trennung nach nur rund 13 Monaten nannte FC-Verwaltungsratschef Werner Wolf „die unterschiedlichen Auffassungen über die zukünftige Weichenstellung“ des Klubs. „Vieles hat in der Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert.“ Weshalb die Gremien Finke noch im November 2011 befördert und in die Geschäftsführung beordert hatten, wurde allerdings nicht erörtert.

Das Protokoll hatte für diesen Tag keine Fragen vorgesehen. Die Gesellschafterversammlung hatte am Vorabend, nach dem 1:0-Erfolg über Hertha BSC, diese Entscheidung getroffen, nachdem es zuvor bereits mehrere Gespräche zwischen den Gremien und Finke gegeben habe, sagte Wolf. Damit ist die Idee der nachhaltigen Konzeptarbeit beim rheinischen Traditionsklub wieder einmal grandios gescheitert. Seit Oktober 2010 hat der Klub damit nahezu sämtliche führende Mitarbeiter ausgewechselt. Erst Trainer Zvonimir Soldo, danach Manager Michael Meier, im Anschluss Trainer Frank Schäfer, und auch Präsident Wolfgang Overath ist nicht mehr im Amt.

Nun also Volker Finke, der dem Klub ein Konzept überstülpen wollte, das unter anderem eine Entkölnifizierung beinhaltete, bei der ehemalige FC-Spieler wie Thomas Häßler ihrer Tätigkeiten entbunden wurden – was klubintern auf Kritik gestoßen war. Doch vor allem der jüngste Machtkampf mit Stale Solbakken, dem Trainer, den Finke als seinen Wunschkandidaten im vergangenen Sommer nach Köln geholt hatte, dürfte der wesentliche Grund für die Trennung gewesen sein. Zum einen formulierte Finke öffentliche Kritik an dessen Mannschaftstaktik, zum anderen zeigte er Unverständnis über die Personalpolitik des Norwegers.

„Ich will nicht lügen und sagen, unser Verhältnis war das beste der Welt“, sagte Solbakken am Sonntagmittag. Zudem galt auch das Verhältnis vom im Klub einflussreichen Lukas Podolski zu Volker Finke als gestört. „Ich bin nicht überrascht“, sagte Podolski in einer ersten Reaktion. „Der Verein wird seine Gründe haben.“ Die Kölner geben damit wieder einmal ein trostloses Bild ab.

Zunächst einmal dürfte Solbakken die Aufgaben Finkes übernehmen. Als mögliche Nachfolger des Sportdirektors werden Andreas Rettig aber auch Dietmar Beiersdorfer gehandelt. Rettig ist derzeit in Augsburg unter Vertrag, hat seinen Ausstieg dort aber zum Saisonende aus „privaten Gründen“ schon bekannt gegeben. „Es war ein interessantes Jahr, nie langweilig. Auch wenn ich ab und zu der Bad Guy war, konnte ich damit leben“, sagte Finke zum Abschluss. „Ich bitte Sie, mich zu respektieren, wenn ich wie die drei Affen nichts höre, nichts sehe und nichts sagen werde.“ Dieses japanische Gleichnis hatte Finke bereits bei seiner Vorstellung vorgetragen.

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