Nach dem German Masters in Berlin : Erfahrung zahlt sich wieder aus im Snooker

Die letzten sechs Turniersieger der Snooker-Tour waren alle älter als 30, vier sogar älter als 40. Der Titelgewinn von Anthony Hamilton beim German Masters passt da bestens.

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Die Haare sind grau und vorn etwas lichter, aber sonst ist alles frisch bei Berlin-Sieger Anthony Hamilton.
Die Haare sind grau und vorn etwas lichter, aber sonst ist alles frisch bei Berlin-Sieger Anthony Hamilton.Foto: Imago

Im Snooker findet in dieser Saison ein Generationswechsel statt. Allerdings vollzieht er sich in eine unerwartete Richtung. Am Sonntag gewann Anthony Hamilton das German Masters im Tempodrom durch einen 9:6-Finalsieg gegen Allister Carter. Hamilton ist 45 Jahre alt, für den Engländer war es der erste Sieg bei einem Weltranglistenturnier überhaupt. „So etwas passiert, wenn du gar nicht mehr daran glaubst“, sagte der Überraschungssieger nach seinem Triumph.

Hamilton ist in dieser Saison kein Einzelfall. Die letzte sechs Turniere wurden durchweg von Spielern jenseits der 30 gewonnen. Weltmeister Mark Selby war bei der UK Championship mit 33 Jahren noch der jüngste. Mit John Higgins (41), Mark King (42) und Ronnie O’Sullivan (41) gab es sogar drei Gewinner, die die 40 schon überschritten haben. Dazu erlebt sogar der 54-jährige Jimmy White seit einigen Monaten eine kleine Wiederauferstehung am Tisch, auch wenn es für ihn noch nicht wieder zu einem Turniersieg gereicht hat.

Noch vor ein paar Jahren hieß es, dass Snookerspieler ab einem bestimmten Alter keine Chance mehr gegen die Jüngeren hätten. Rekordweltmeister Stephen Hendry beendete seine Karriere im Alter von 43, nachdem er zuvor sieben Jahre lang kein Turnier mehr hatte gewinnen können. Angeblich soll Hendry vor einigen Monaten über ein Comeback zumindest bei der WM nachgedacht haben. Vielleicht tut er das 2017 ja wieder.

Dass Erfahrung sich inzwischen immer häufiger auszahlt, hängt allerdings auch damit zusammen, dass es heutzutage viel mehr Turniere gibt als noch vor einem Jahrzehnt. Sich jede Woche aufs Neue zu konzentrieren, fällt auch jüngeren Spieler schwer. Das öffnet Türen für andere, die dann die Gunst der Stunde nutzen und sich im reifen Alter sogar noch selbst überraschen.

„Hätte ich nur ein Match in dieser Woche gewonnen, wäre ich schon zufrieden gewesen“, sagte Anthony Hamilton nach seinem Erfolg am Sonntag. Am Ende sind es fünf Siege für ihn geworden – Pokal aus Glas inklusive.

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