Nach dem Istaf : Arena sucht Athleten

Das Istaf verabschiedet sich aus dem Berliner Olympiastadion – kann es durch eine Staffel-WM ersetzt werden?

Friedhard Teuffel
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Abschied vom Rund. Das Istaf fand am Sonntag zum vorerst letzten Mal im Berliner Olympiastadion statt. Foto: dpa

Berlin - Es kann auch im nächsten Jahr internationale Leichtathletikrekorde im Berliner Olympiastadion geben: beim 25-Kilometer-Lauf im Frühjahr. Die letzten Meter legen die Läufer schließlich im Olympiastadion zurück. Es wird jedoch wohl 2010 die einzige Höchstleistung auf der blauen Bahn sein, das Istaf hat am Sonntag jedenfalls seine Abschiedsvorstellung im Olympiastadion gegeben und wird in den Jahnsportpark umziehen. „Ich hätte fast heulen können, weil es so eine fröhliche, herzliche Stimmung im Stadion war. Schon bei den Schülerstaffeln haben sich die Leute gefreut“, sagt Werner Gegenbauer, der Gesellschafter des Istaf.

Berlin muss nach den Weltmeisterschaften im August die Schwächung eines Alleinstellungsmerkmals in der internationalen Leichtathletik hinnehmen: ein riesiges, geschichtsträchtiges Stadion mit einer blauen Bahn. „Das Stadion macht bei den Athleten großen Eindruck, gerade im Ausland“, sagt Thomas Kremer, der die Athletenfelder für das Istaf zusammenstellt. Für die deutschen Athleten sei das Stadion eine hervorragende Gelegenheit, um sich auf Wettkampfhöhepunkte einzustellen. „So groß sind sonst nur Stadien bei Olympischen Spielen“, sagt Kremer.

Aber offenbar zu groß für eine eintägige Veranstaltung der Leichtathletik. Dennoch hatte Gegenbauer dem Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) sein Wort gegeben, das Istaf gemeinsam mit Gerhard Janetzky bis 2009 in großem Stil durchzuführen, mit einem gefüllten Olympiastadion. „Von nun an werde ich das Istaf unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen“, sagt Gegenbauer.

Gemeinsam mit ihrem Titelsponsor hatten die Istaf-Veranstalter das Stadion mit Bussen aus dem ganzen Bundesgebiet bevölkert. „Wenn man fürs Istaf ganz normal Karten verkaufen würde, hätte man 10 000 Leute im Stadion“, sagt Helmut Digel, Councilmitglied der IAAF.

In diesen Tagen werden Janetzky und Gegenbauer auch verkünden, dass sie nicht der Diamond League angehören möchten, der höchsten Kategorie der Leichtathletik-Meetings. Bei der IAAF vergeben sie sich dadurch nichts. „Das Istaf kann jederzeit in die Diamond League kommen, auch wenn es im Jahnsportpark bleiben sollte“, sagt ein Mitarbeiter der IAAF. Gegenbauer genießt nach wie vor hohes Ansehen in der IAAF, zumal er auch noch der Marketingkommission des Verbandes angehört.

Um den Erhalt der blauen Bahn müsse man sich keine Sorgen machen, sagt Gegenbauer, der im Sport vor allem Präsident des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC ist. „Wir haben bei Hertha doch nie gesagt, dass wir die blaue Bahn einreißen wollen. Es ging höchstens darum, ob wir im Olympiastadion bleiben oder nicht.“

Im Jahnsportpark soll nun ein kleineres Meeting mit mehr Schwerpunkten stattfinden, vielleicht auch wieder mit einem der besten 100-Meter-Sprinter. Die Verpflichtung des Weltrekordhalters Usain Bolt aus Jamaika kostet derzeit zwischen 150 000 und 250 000 Euro.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) ist dagegen mit seinem Last-Minute-Plan gescheitert, ein eigenes Meeting der Diamond League im Olympiastadion auszutragen. Er konnte der Diamond League, die als schweizerische AG geführt wird, keine Übertragungszeiten im Fernsehen garantieren. Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen erst nach der WM entscheiden, wie viel sie von der Leichtathletik künftig übertragen.

Anfang der vergangenen Woche war DLV-Präsident Clemens Prokop in der Öffentlichkeit damit vorgeprescht, die Lücke im Olympiastadion füllen zu wollen, die das Istaf hinterlässt. Sofort tauchten Namen von Großsponsoren auf, und der WM-Vermarkter Michael Mronz wurde als Meeting-Direktor gehandelt. „Wir haben über das Thema gesprochen, aber ohne es zu vertiefen“, sagt Mronz.

Warum Prokop sich nicht schon früher um ein Meeting im Olympiastadion bemüht hat, erklärt er so: „Wir wollten warten, bis eine Entscheidung von Janetzky und Gegenbauer auf dem Tisch liegt.“ Eine Kooperation mit Gegenbauer und Janetzky hätte das Istaf möglicherweise im Olympiastadion gehalten. „Wenn das wirklich so gewesen wäre, war das eine Fehleinschätzung von mir“, sagt Prokop.

Und was kann sonst im Stadion stattfinden, um eine Fußball-Monokultur zu verhindern? Helmut Digel hat schon eine Idee bei der IAAF eingebracht: Das Olympiastadion könnte alle zwei Jahre Austragungsort einer Staffel-Weltmeisterschaft werden. „Ich wollte ein Ereignis auf Dauer an Berlin binden“, sagt Digel. Bei einer solchen Weltmeisterschaft könnten die traditionellen 4 x 100 und 4 x 400 Meter ebenso gelaufen werden wie neue Distanzen und gemischte Staffeln. Berlin wäre auf einmal ein innovativer Standort der Leichtathletik.

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