Nach dem Kiel-Spiel : Der lange Weg der Füchse nach Hause

Um Heimatmosphäre aufbauen zu können, spielen die Füchse jetzt nur noch in der Schmeling-Halle Handball

Christian Hönicke
Handball Bundesliga 08 09 - Berlin vs. THW Kiel
Keine Heimat. Die Füchse in der O2-World.Foto: Fishing4

Berlin - Irgendwann gab der Hallensprecher auf. Weder die Programmhefte noch die Einblendungen auf der riesigen Videowand vermochten das Publikum dazu zu bewegen, den Nachnamen des erfolgreichsten Berliner Schützen zu brüllen. Nach dem sechsten seiner sieben Treffer nannte ihn der Hallensprecher lieber selbst mit: „Tor durch Michaaaal … Kubisztal!“ Das 25:34 (9:17) gegen den THW Kiel zeigte deutlich, warum die Füchse Berlin nicht mehr in der O2-World, sondern die nächsten drei Jahre ausschließlich in der Schmeling- Halle spielen werden. „Das ist die einzig gangbare Entscheidung, sonst sind wir nirgendwo richtig zu Hause“, sagte Manager Bob Hanning. „So kann man keine Heimatmosphäre aufbauen, das hat man gegen Kiel schön gesehen.“

In der Tat. 14 526 Zuschauer waren am Freitagabend zugegen, „aber deswegen wird ja die Mannschaft nicht besser“, wie Füchse-Trainer Jörn-Uwe Lommel bemerkte. Zumindest nicht, wenn der Großteil des Publikums aus reserviert-interessierten Osterausflüglern besteht und die Leistung des mäßig motivierten Tabellenzehnten gegen den dominanten Meister ohnehin nur selten zu Euphorie verleitet. Auf den ausgelegten Klatschpappen stand zwar „Heimvorteil“, doch den kreierten vor allem die Kieler Fans für ihr Team. Während sie mit Plastikzebras auf Hüten aufwarteten, zauberte nur der kleine Fanklub der Berliner mit seinen Trikots einen kleinen gelben Punkt ins riesige Rund der bunten Überparteilichkeit. Der Rest mühte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten nach Kräften, scheiterte aber meist schon an den Basisaufgaben. Auch das Soufflieren durch den Hallensprecher – ob Kubisztals Nachnamen oder „Wir woll’n euch kämpfen sehen“ – half nichts. Fast schon trotzig kreischte er Mitte der zweiten Hälfte ins Mikrofon: „Wir haben Heimspiel und wollen euch hören!“ Immerhin das klappte, als die ganze Halle irgendwann freudig im Takt klatschte, wenn auch zu den „THW!“-Sprechchören aus dem Kieler Fanblock.

Das blieb auch Bob Hanning nicht verborgen. Der Manager ließ jedoch Nachsicht walten: „Noch vor drei Jahren hatten wir 200 Zuschauer. Da ist natürlich noch keine Fankultur gewachsen, aber die ist im Aufbau.“ Hanning hat aber auch erkannt, dass dies in der O2-World kaum zu schaffen ist. „Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt, aber das ist eine Eventhalle“ sagt er. „In der Schmeling-Halle herrscht eine andere Atmosphäre, viel mehr Druck. Das brauchst du, wenn du Sensationen schaffen willst.“

Aber auch dort steckt die im Handball so wichtige Heimatmosphäre noch in der Konstruktionsphase. Diesem Prozess will Hanning nun ein wenig unter die Arme greifen, etwa mit dem Aufbau eines zweiten Fanklubs, der vor allem Jüngere ansprechen soll. Auch von Spielerpersönlichkeiten zur neuen Saison verspricht er sich eine stimmungssteigernde Wirkung: „Wir brauchen Gesichter wie Silvio Heinevetter.“ Beim nächsten Spiel am Sonntag müssen sich aber weder Hanning noch der Hallensprecher Gedanken um die Stimmung machen. Denn das findet in Lemgo statt.

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