Nach dem Nein in Hamburg zu Olympia : Der Sport bewegt sich Richtung Monokultur

Die Absage in Hamburg an eine Olympiabewerbung schwächt gesellschaftlich wichtige Sportarten. Ein Kommentar.

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Beim Fußball haben sie gut reden. Im Stadion des FC St. Pauli war die Antistimmung sichtbar. Der Fußball muss sich aber um seine Zukunft keine Sorgen machen - im Gegensatz zu mancher olympischer Disziplin.
Beim Fußball haben sie gut reden. Im Stadion des FC St. Pauli war die Antistimmung sichtbar. Der Fußball muss sich aber um seine...Foto: imago/Oliver Ruhnke

Der Sonntag war auf jeden Fall ein schlechter Tag für viele kleinere Sportarten in Deutschland. Alle vier Jahre werden Disziplinen wie Bogenschießen, Bahnradfahren oder Gewichtheben bei den Olympischen Spielen auf die ganz große Bühne gehoben. Das wird auch weiter passieren, aber die Abstimmungsniederlage über die Hamburger Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele könnte für sie böse Folgen haben.

Es ging in Hamburg längst nicht nur darum, einem Publikum in Deutschland bei Olympischen Heimspielen 2024 die Vielfalt des Sports zu zeigen. Es ging darum, den olympischen Sport überhaupt sichtbar bleiben zu lassen. Einer Monokultur des Fußballs entgegenzuwirken.

Das sollte so funktionieren: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte bewusst Hamburg anstelle von Berlin ins Rennen geschickt, weil er in Hamburg einen größeren Rückhalt bei der Bevölkerung sah. Hamburg hat national bessere Chancen, Berlin international, das war die Logik. Mit Hamburg als Kandidat sollte der olympische Sport lange in der Diskussion bleiben, vor allem in der politischen.

Erfolg im Spitzensport lässt sich schließlich kaufen. Je höher die Sportförderung ausfällt, etwa die durch den Staat, desto mehr Medaillen springen heraus. Der finanzielle Aufwand wächst jedoch, weil immer mehr Nationen um Medaillen konkurrieren und manche dafür immer mehr investieren.

Wenn nun die Hamburger Olympiabewerbung weitergelaufen wäre, erst einmal bis zur internationalen Abstimmung 2017 und bei einer Niederlage bis zum zweiten Anlauf 2021, hätte der DOSB ein starkes Argument gegenüber dem Bundesinnenministerium in der Hand gehabt: Wir bewerben uns doch für Olympia, da brauchen wir mehr Geld für den Sport. Damit hatte der DOSB schon angefangen und vom Ministerium mehr Geld gefordert. Solche Forderungen werden nun weniger Gewicht haben.

Gerade für kleinere Sportarten könnte das Einschnitte in der Förderung bedeuten. Wenn der Bevölkerung Olympische Spiele eben nicht so wichtig sind und der Staat auf der anderen Seite große Aufgaben zu erfüllen hat, ist einfach nicht mehr so viel Geld da. Weniger Geld bedeutet dann weniger Medaillen. Und weniger Medaillen werden weniger öffentliche Aufmerksamkeit für die Sportart nach sich ziehen. Dann werden auch weniger Kinder und Jugendliche auf die Idee kommen, sich für diese oder jene kleinere Sportart zu entscheiden.

Vielleicht muss sich der deutsche Sport auch davon verabschieden, so viele Disziplinen wie bisher fördern zu können. Er könnte stattdessen ein neues Kriterium für die Bewertung von Sportarten heranziehen: gesellschaftliche Relevanz. Turnen, Schwimmen und die Leichtathletik sind nun einmal für das Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen wichtiger als andere. Der Fußball wird noch stärker werden. Jede andere Disziplin muss sich jetzt ihre eigene Strategie erarbeiten, um da nicht erdrückt zu werden.

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