Nach dem Play-off-Aus : Eisbären: Ein Meister wird Lehrling

Trainer Jeff Tomlinson will nach der verkorksten Saison seine Strategie bei den Eisbären ändern. Um den Konkurrenzkampf zu entfachen, werden vor allem verdiente Spieler ihre Privilegien verlieren.

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Kein Abgang. Tomlinson (Mitte) muss nicht gehen, der Druck auf ihn wächst allerdings.
Kein Abgang. Tomlinson (Mitte) muss nicht gehen, der Druck auf ihn wächst allerdings.Foto:Imago

In den vergangenen Jahren waren die Sommermonate für die Eisbären eine angenehme Zeit. Da konnten sie den Meistertitel nachfeiern und sich gegenseitig versichern, am Ende doch alles richtig gemacht zu haben. Dass zuvor während der Saison beileibe nicht immer alles rund gelaufen war, spielte keine Rolle: Schließlich hatte man doch am Ende wieder den Pokal in die Höhe gereckt.

Im kommenden Sommer sieht das naturgemäß anders aus: Nach dem Ausscheiden in den Pre-play-offs sind grundsätzliche Korrekturen gefragt. Von einer vielfach geforderten Änderung mag Manager Peter John Lee aber nichts wissen: Trainer Jeff Tomlinson wird seinen Job trotz des enttäuschenden Saisonverlaufs behalten. An ihm liegt es jetzt, in seiner zweiten Saison als Cheftrainer den nötigen Neuaufbau zu starten. Den hatte er im vergangenen Sommer noch verschoben. Da hatte er die von Vorgänger Don Jackson weitgehend unverändert übernommene Mannschaft kaum angetastet. Die Besetzung der vorderen Angriffsreihen änderte er über Monate nur dann, wenn ihn verletzungsbedingte Ausfälle dazu zwangen. Nun, da die alten Erfolgsrezepte versagt haben, muss er einschneidende Änderungen vornehmen.

Eine davon ist, die Vorbereitungszeit ernster zu nehmen. Konnten sich viele Spieler in den Vorjahren auf der Gewissheit ausruhen, aufgrund vergangener Erfolge ihre Position sicher zu haben, sollen solche Privilegien nun keine Rolle mehr spielen. „Wir brauchen jetzt ein Sommertraining mit Wut im Bauch“, sagt Tomlinson. In dem sollen sich die Spieler künftig ihren Status neu erkämpfen. „Wer im Sommer gute Arbeit macht, wird in die ersten drei Reihen kommen“, sagt der Trainer, „das können auch junge Spieler sein.“ Die höhere Intensität im Training soll zudem verhindern, dass die Eisbären erneut den Saisonstart verpatzen. Schließlich waren die in der Anfangsphase verlorenen Punkte für das frühe Aus mitentscheidend. „Jeder muss topfit zurückkommen, damit wir gleich Feuer machen können,“ sagt Kapitän André Rankel.

Beim Neuaufbau des Teams kann Tomlinson anders als im Vorjahr nun auch auf seine persönlichen Erfahrungen mit den Charakteren in der Mannschaft zurückgreifen. „Ich habe in dieser Saison viel über die Spieler gelernt“, sagt er. Namentlich Travis Mulock, Barry Tallackson und Darin Olver hätten ihn beeindruckt. „Ich habe gesehen, wie sie gekämpft haben, als es schlecht lief“, sagt er. Demgegenüber enttäuschten ihn andere. Einige Spieler hätten „viel Eiszeit bekommen, uns aber nicht weitergeholfen“, sagt er, ohne Namen zu nennen. Veränderungen seien daher nötig. Da ist er mit Manager Lee einer Meinung. Der kündigte an, den Kader stärker umzubauen als in den vergangenen Jahren.

Aber nicht nur die Aufstellung soll sich durch eine intensivere Vorbereitung entscheiden. Änderungsbedarf hat Tomlinson auch in der Trainingsmethodik ausgemacht. Nachdem Verletzungen die Mannschaft in der zurückliegenden Saison fast ständig dezimiert hatten, will er nun stärkeren Wert auf Übungsformen legen, mit denen sich das Verletzungsrisiko mindern lässt. „Uns helfen schließlich nur die Spieler, die auf dem Eis stehen“, sagt der Trainer. In die Situation, wie gegen Ingolstadt nur drei Angriffsreihen aufbieten zu können, wenn der Gegner deren vier zur Verfügung und damit große Vorteile hat, sollen die Eisbären möglichst nicht mehr geraten.

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