Nach dem Pokalsieg : Albas Basketballer wähnen sich am Beginn einer neuen Ära

Mit dem Pokalsieg zeigen Albas Basketballer, dass sie wieder gewinnen können. Doch schon beim Feiern schwören sie sich auf ein noch größeres Ziel ein: die Meisterschaft.

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Berlin - Am Ende ist auch Sasa Obradovic schwach geworden. Der Trainer war zu Alba geholt worden, um die Basketballer von den Verlockungen des Berliner Nachtlebens fern- und zu mehr Disziplin im Training anzuhalten. Doch nach dem Pokalsieg am Sonntagabend nahm auch er sich ein Bier aus dem Kasten in der Kabine und gönnte sich einen Schluck. Nicht ganz ernst gemeint war der Hinweis, dass um zwölf Uhr Zapfenstreich für die Spieler sei, aber auch um eine Stunde verlängert werden könne, wenn der Kapitän an ihn herantrete. Es wurde noch ein langer Abend in einer angemieteten Bar in der Friedrichstraße.

So gelöst Obradovic auch wirkte, blickte er doch gleich wieder nach vorne. „Ich hoffe, das ist der Beginn einer neuen Ära“, sagte der Serbe, der als Spielmacher einst dabei war, als Albas Titelserie um die Jahrtausendwende begann. Der Pokal soll nur ein Anfang sein. Die Meisterschaft, das betonten fast alle selbst im Freudentaumel, sei das eigentliche Ziel.

Zum Titelgewinnen musste Alba einigen Ballast abwerfen. Das zeigte die Erleichterung, mit der alle Beteiligten auf die erste Trophäe seit vier Jahren reagierten. „Endlich ist der Bann gebrochen“, sagte Geschäftsführer Marco Baldi nach dem ersten Titel seit dem Umzug in die Arena am Ostbahnhof 2008. Die Halle stand fast symbolisch für die Erfolglosigkeit der letzten Jahre, der Pokal 2009 wurde in Hamburg geholt, zu Hause brachen die Berliner im entscheidenden Moment meist ein. „Die Magenschmerzen sind vorbei“, sagte Präsident Dieter Hauert.

Den Druck, endlich etwas gewinnen zu müssen, hatten auch die Spieler gespürt. „Erleichtert“ fühle er sich, sagte Spielmacher Heiko Schaffartzik. Dazu hatten sich 26 Niederlagen in 48 Spielen in Bundesliga und Euroleague bemerkbar gemacht. Die Stimmung sei schlecht gewesen, verriet Schaffartzik, das Team habe sich ausgesprochen, seitdem laufe es besser.

Drei Siege gegen die deutsche Basketballelite aus Bamberg, München und Ulm lassen nun alles in einem anderen Licht erscheinen. Auf einmal gilt Alba als heißer Anwärter auf die Meisterschaft. Weil die Mannschaft wieder Typen hat. So wie Zach Morley. Der unscheinbare Arbeiter wurde mit 24 Finalpunkten zum Pokalhelden. „Er hat Erfahrung darin, große Spiele zu gewinnen“, verriet Obradovic, warum er ausgerechnet auf Morley setzte. Der Trainer erinnerte sich an seine Zeit in Donezk, als der wertvollste Spieler der ukrainischen Liga ihn im Finale 2011 schlug. Oder den nachverpflichteten Ali Traoré, der in der zweiten Finalhälfte gegen Ulm „physisch hervorragend dagegengehalten hat, obwohl er noch nicht in Topform ist“. Der Center kann das fehlende Puzzleteil sein, das Alba zu einer Meisterschaftmannschaft gefehlt hat. Aber macht das alles, der gebrochene Bann und das Wissen, in entscheidenden Momenten nicht mehr einzuknicken, Alba automatisch zum Meisterschaftsfavoriten? „Ich hoffe, wir haben unsere Lektion gelernt“, sagte Obradovic. Schaffartzik sagte trocken, das Team werde gewinnen, „wenn jeder tut, was für den Erfolg nötig ist“. Es klingt, als würde der Zapfenstreich bei Alba bald wieder strenger gehandhabt. Damit sie auch kommt, die neue Ära. Dominik Bardow

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