• Nach dem Spiel gegen RB Leipzig: Wenn nur schon alles vorbei wäre für Hertha BSC

Nach dem Spiel gegen RB Leipzig : Wenn nur schon alles vorbei wäre für Hertha BSC

Hertha BSC kann noch aus eigener Kraft in den Europapokal kommen, aber die derzeitige Leistung des Teams spricht dagegen.

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Nichts zu holen für Hertha BSC gegen Leipzig.
Nichts zu holen für Hertha BSC gegen Leipzig.Foto: AFP

Per Skjelbred kam auf Strümpfen daher und humpelte die Treppe zu den Stadionkabinen herunter. Sein linker Oberschenkel war dick verbunden, vermutlich ein Muskelfaserriss. Das wird eine MRT-Untersuchung am Montag ergeben. Spielen aber wird der stets aufopferungsvoll kämpfende Norweger nicht mehr können in dieser Spielzeit. „Ich befürchte, für ihn ist die Saison beendet“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai am Sonntag, als er seine von RB Leipzig deklassierte Mannschaft zum regenerativen Auslaufen bat. Ach wenn die Spielzeit nur schon für alle beendet wäre. Das sprach nach der 1:4-Heimniederlage zwar keiner der Berliner so offen aus, doch wird es der eine oder andere gedacht haben.

Viel scheint ja nicht mehr zu gehen bei Hertha. Dabei sind noch zwei Spiele zu absolvieren, am Samstag in Darmstadt, und eine Woche darauf daheim gegen Leverkusen. Doch in dieser Zeit kann endgültig alles verspielt werden. So hörte sich Sebastian Langkamp an, der nach dem Leipzig-Spiel sagte: „Der Trend spricht ein bisschen gegen uns.“ Wäre die Saison jetzt beendet, wäre Hertha sicher für den Europapokal qualifiziert. Daran werden die Berliner gemessen, die im Sommer noch 45 Punkte als Ziel ausgaben, nach einer tollen Hinrunde mit 30 Punkten aber mehr wollten. Als neues Ziel wurde das Erreichen der Europa League ausgerufen. Doch je länger die Spielzeit andauert, desto weiter scheint Hertha sich von diesem Ziel zu entfernen.

Die Frage wird sein, inwiefern sich die Mannschaft noch einmal aufraffen kann. Oder wie Langkamp es sagte: „Wir müssen positiv bleiben, wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind, und Platz fünf oder sechs verteidigen.“ Es mag sich surreal anhören, aber tatsächlich haben es die Berliner immer noch in der eigenen Hand. Eigentlich haben sie das schon seit Beginn der Rückrunde. Doch immer mehr zieht der Verdacht auf, dass sie diese Angelegenheit zu lange in den eigenen Händen haben. Sagen wir es mal so: Ohne die tatkräftige Mithilfe der Konkurrenz stünde Hertha nicht mehr da, wo der Klub steht, nämlich immer noch direkt an der Schwelle zum Europapokal. Das ist der eigentliche Wahnsinn in dieser Spielzeit, dass scheinbar niemand in der Europa League starten möchte. Wenn die Berliner beispielsweise in Auswärtsspielen patzen – was sie zur Genüge tun – dann hatte das für sie keine tabellarischen Konsequenzen, weil die Konkurrenz es ihnen gleich tat.

Die Qualität der Liga

Bisher war darauf stets Verlass. Ein Dutzend Teams stolpert durch die Rückrunde wie die Berliner. Dabei ist es lange nicht so einfach gewesen, einen Platz hinter dem enteilten Quartett aus München, Leipzig, Dortmund und Hoffenheim zu ergattern. Das sagt einiges über die gegenwärtige Qualität der Liga aus, insbesondere ihres Mittelstandes. Kein Wunder, dass in dieser Spielzeit kein deutsches Team mehr in den Halbfinals der europäischen Wettbewerbe vertreten ist. Die Berliner sind dafür nicht zuständig. Sie haben ihre eigenen Probleme. Die Rückrunde fühlt sich für sie wie ein Abstieg an. 16 Punkte von möglichen 45 in der Rückrunde sind, nun ja, einer mehr als der Absteiger Darmstadt und damit nur bedingt bundesligatauglich. Nur das ordentliche Polster aus der Hinrunde rettet sie, genau wie etwa Frankfurt (29), Leverkusen (24). In der Rückrundentabelle zieren die Teams neben Mainz und Darmstadt das Ende.

Das Spiel gegen Leipzig wollte Hertha ganz schnell vergessen. „Wir waren an jedem Gegentor irgendwie beteiligt“, sagte Langkamp. Am einzigen Tor für Hertha BSC war das Team dagegen am wenigsten selbst beteiligt. Vom Kopf des eingewechselten Rani Khedira segelte der Ball ins Tor der Leipziger. Das zwischenzeitliche 1:2 hatte die Berliner noch einmal mutig werden lassen, mit dem Ergebnis, dass sich sich in den Schlussminuten zwei Kontertore fingen, was „ganz schlecht aussah“, wie es Verteidiger Peter Pekarik hinterher sagte. Pal Dardai wollte über das Spiel dann „gar nicht mehr reden, wir müssen nach vorn schauen“.

Zunächst muss er im vereinseigenen Nachwuchs ein paar Spieler für die Abwehr zusammensuchen. John Anthony Brooks und Langkamp sind nach ihrer jeweils fünften Gelben Karten für das Spiel in Darmstadt gesperrt. Florian Baak (18) und Nico Beyer (20) werden in der Woche bei den Profis trainieren. Das Spiel gegen den Absteiger werde schwierig, sagte Dardai, denn Charakter hätten die Darmstädter zuletzt bewiesen. „Ein Punkt wäre dort gut, drei Punkte ein Traum“, sagt Herthas Trainer. Am Ende machte Pal Dardai eine Rechnung auf, wonach vier Punkte für die Europa League reichen könnten, so, wie es in der Liga läuft. „Wenn wir gar keinen mehr holen, dann schaffen wir das nicht“, sagte Dardai, „dann sind wir eben noch nicht so weit.“

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