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Nach dem Spiel Hertha - Bayern : DFB ermittelt gegen Carlo Ancelotti und Hertha BSC

Bayerns Trainer muss sich wegen seines Stinkefingers verantworten. Der DFB ermittelt aber auch gegen Hertha BSC - wegen Spuckens und Beleidigungen gegen den Schiedsrichter.

Nach dem Schlusspfiff gab es Tumulte auf dem Feld.
Nach dem Schlusspfiff gab es Tumulte auf dem Feld.Foto: REUTERS

Für die meisten Kollegen ist die Angelegenheit klar. Wenn man so provoziert wird wie Bayerns Trainer Carlo Ancelotti nach dem dramatischen Bundesliga-Spiel bei Hertha BSC am Samstag, dann kann man das gute Benehmen schon mal kurz vergessen. Der Italiener hatte beim Gang in den Stadion-Innenraum den Mittelfinger in Richtung Zuschauer gezeigt. „Wenn du bespuckt wirst, ist es sehr schwer, dich unter Kontrolle zu haben“, sagte Augsburgs Geschäftsführer Stefan Reuter bei Sky – und äußerte sich damit ähnlich wie etwa RB Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl oder Gladbachs Trainer Dieter Hecking. Ancelotti wüsste selbst, dass sich das nicht gehört. „Aber wir sollten das wieder vergessen“, sagte Reuter weiter.

Doch vergessen wird die Szene aus dem Berliner Olympiastadion, in dem die Bayern den Ausgleich erst in der 96. Minute erzielten, so schnell nicht sein. Denn der Kontrollausschuss des Deutsche Fußball-Bundes (DFB) hat Ermittlungen gegen Ancelotti aufgenommen und diesen zu einer Stellungnahme aufgefordert. „Der Cheftrainer des FC Bayern wird dieser Aufforderung selbstverständlich nachkommen“, teilte der Tabellenführer am Montag mit.

Aber nicht nur gegen Ancelotti wird ermittelt. Auch der Berliner Bundesligist muss sich sich rechtfertigen „Der DFB- Kontrollausschuss hat ein Ermittlungsverfahren gegen Hertha BSC eingeleitet wegen des Spuckens in Richtung des Schiedsrichters und des Spuckens in Richtung des Bayern-Trainers aus dem Zuschauerbereich sowie gegen einen Hertha-Offiziellen wegen unsportlicher Äußerung gegenüber dem Schiedsrichter- Gespann“, sagte der Verband dem Tagesspiegel. Anders als zunächst gedacht, muss sich Herthas Torwart Rune Jarstein allerdings nicht verantworten.

Der Schiedsrichter wurde bespuckt

Er hatte den Ball nach dem 1:1 Bayerns Xabi Alonso gegen den Rücken geschossen und so Tumulte auf dem Feld ausgelöst. Schiedsrichter Patrick Ittrich hatte dem Torwart im Anschluss die Gelbe Karte gezeigt. Damit liegt eine Tatsachenentscheidung vor, die vom Sportgericht nicht erneut sanktioniert werden kann. Ittrich, der wie Ancelotti offenbar angespuckt wurde, hat einen Sonderbericht zum Spiel angefertigt.
Hertha muss nun wie Ancelotti Stellung nehmen. Manager Michael Preetz sagte, dass der Klub dies selbstverständlich bis zum Ablauf der Frist am kommenden Montag tun werde. Sollten sich die Vorgänge in der beschriebenen Form bestätigen, deckt sich das in keiner Weise mit den Werten von Hertha BSC und ist nicht zu tolerieren“, sagte Preetz. Welche Strafe die Berliner erwartet, ist noch unklar.

Bei Bayerns Coach ist die Sache vermutlich klarer. Er ist nicht der Erste, der sich zum ausgestreckten Mittelfinger hinreißen ließ. Hinlänglich bekannt ist der Stinkefinger von Stefan Effenberg bei der WM 1994, wegen dem er das Turnier in den USA verlassen musste. Uwe Rapolder wurde beim Karlsruher SC einst sogar als Trainer entlassen, weil er die eigenen Fans mit der Geste bedachte. Nicht ganz so schlimm traf es Ottmar Hitzfeld als Schweizer Nationaltrainer. Er wurde vom Weltverband Fifa für zwei Spiele gesperrt, nachdem er dem Schiedsrichter den Mittelfinger gezeigt hatte. Hinzu kam eine Geldstrafe.

Mindestens mit dieser muss auch Ancelotti wohl rechnen – jedenfalls, wenn man ähnliche Vorfälle aus der Vergangenheit zugrunde legt. Leverkusens Emir Spahic etwa wurde vor drei Jahren zu einer Strafe von 15 000 Euro verdonnert, weil er gegnerischen Spielern den Mittelfinger zeigte. Dass Carlo Ancelotti vor seiner Aktion bespuckt wurde, könnte sich strafmildernd auswirken. Dass er aber ganz ohne Strafe davonkommt, ist unwahrscheinlich.

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