Nach dem Spiel in Lautern : Gefährliche Genügsamkeit

Hertha BSC wartet nach dem 1:1-Unentschieden in Kaiserslautern seit vier Spielen auf einen Sieg. Trainer Markus Babbel spricht von Müdigkeit in den Köpfen.

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Berlin - Nach einer Viertelstunde war für Hertha BSC alles gelaufen. Raffael hatte den Ausgleich erzielt. Ein 1:1 beim 1. FC Kaiserslautern, der seit Saisonbeginn in der Fußball-Bundesliga im Dunstkreis der Abstiegszone herumdümpelt, das reichte. So dachten und spielten die Berliner am Sonnabend im Kollektiv, sie stellten ihre Offensivbemühungen irgendwann ein und freuten sich nach überstandener zweiter Halbzeit über einen Punkt – zum siebten Mal in dieser Saison. Ihr Trainer Markus Babbel sagte nach dem trüben Treiben in Kaiserslautern: „Wir wollten mit Mann und Maus den Punkt gewinnen.“

Gewinnen – das ist ein Wort, das selten in Zusammenhang mit dem Bundesliga-Aufsteiger fällt. Die Bilanz von Hertha ist nach 15 Spieltagen ordentlich, mit vier Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen sogar ausgeglichen. Allerdings ist die Situation in der Tabelle nicht beruhigend, nur fünf Punkte trennen die Berliner von Platz 16. Seit vier Spielen hat Hertha nicht mehr gewonnen, dafür nun dreimal Remis gespielt: Die Berliner sind in dieser Saison unbestrittene Meister des Unentschiedens, und wie sich in Kaiserslautern zeigte, auch Meister der Unentschlossenheit. Genügsam gaben sich die Berliner mit dem Punkt zufrieden. Besser „Meister der Unentschieden, als Meister der Niederlagen zu sein“, sagt Christian Lell. „Wenn man nicht gewinnen kann, dann darf man eben nicht verlieren.“ Herthas Verteidiger glaubt, dass „ein Quantum an Motivation“ zu mehr fehlt.

Für Markus Babbel sind Diskussionen über die Resultate müßig. „Das wird alles zu negativ dargestellt in der Öffentlichkeit“, sagt Herthas Trainer. Und wie steht es mit dem Eindruck, dass seine Mannschaft in Kaiserslautern in der zweiten Halbzeit bei allem Glück auch hilflos wirkte? Die Profis seien im Kopf müde, stellt Babbel fest. „Wir haben ein Jahr in der Zweiten Liga gespielt, da waren andere Qualitäten gefragt. Bei vielen Spielern merkst du, dass sie am Limit sind.“

Hertha taumelt gegen Ende der Hinrunde der Erholung versprechenden Winterpause entgegen, will sich wie ein erschöpfter Boxer über die letzten Runden retten. Die Berliner sind qualitativ nicht so breit besetzt, dass sie auch mal großflächig erholte Kräfte einsetzen könnten. Es fehlen Erfolg versprechende Alternativen auf allen Positionen, das zeigt sich immer wieder. Einen weiteren Versuch in dieser Hinsicht gab es in Kaiserslautern. Babbel beorderte Maik Franz anstelle von Andre Mijatovic in die Innenverteidigung. Bei Mijatovic habe er das Gefühl gehabt, dass er ihm eine Pause gönnen müsse, sagt Babbel. So lange dauerte die Pause für den Mannschaftskapitän nicht. Franz verletzte sich nach gut einer halben Stunde folgenschwer (siehe Kasten), Mijatovic durfte an seinem 32. Geburtstag doch noch aufs Feld.

Andre Mijatovic war über die Maßnahme ein wenig irritiert, schließlich habe er zuvor alle 14 Punktspiele von Beginn an bestritten. Er sagte zurückhaltend: „Offensiv waren wir in Kaiserslautern nicht in der Lage, unser Spiel zu führen.“ Da liegt das Problem von Hertha: Der Aufsteiger hat in der Hinrunde selten agiert, sondern vornehmlich auf die Gegner reagiert, diese Spielweise kostet Substanz. Mijatovic sagt: „Die Saison ist anstrengend, körperlich und mental.“ 19 Punkte nach 15 Spielen, das sei für einen Aufsteiger zwar gut. Aber das Gefühl bleibe, dass da mehr drin gewesen sei.

Am Sonntag setzte Babbel auf Erholung, nach einer halben Stunde Auslaufen schickte er seine Spieler nach Hause. Wie will der Trainer seine müden Akteure vor den letzten beiden Spielen der Hinrunde aufrichten? Die Gegner heißen Schalke 04 und Hoffenheim. „Wir werden am Freitag gegen Schalke Gas geben und drei Punkte holen“, sagt der Trainer. Wie das funktionieren soll, sagt Markus Babbel nicht.

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