Nach dem Spitzenspiel : Uli Hoeneß ruft den Titel-Fünfkampf aus

Der FC Bayern versäumt es, sich an der Spitze abzusetzen und lädt die Konkurrenz ein, weiter am Titelrennen teilzunehmen. Franck Ribéry ist gegen Werder nicht zu ersetzen und sein Vertreter geht beim Rekordmeister schweren Zeiten entgegen.

Klaus Bergmann,Christian Kunz[dpa]
Uli Hoeneß Foto: dpa
Bayern-Manager Uli Hoeneß (l.) und Co-Trainer Michael Henke. -Foto: dpa

MünchenFünfkampf statt Langeweile - das Spitzenspiel zwischen Bayern und Bremen fand keinen Sieger, der große Gewinner war die Liga. "Wenn wir heute gewonnen hätten, hätten alle vom langweiligen Alleingang des FC Bayern geschrieben", meinte Bayern- Manager Uli Hoeneß nach der 1:1 (1:1)-Punkteteilung und fügte als übergeordnetes Fazit des "Super-Sonntags" gequält hinzu: "Für den Spaß der Bundesliga ist es doch schön, dass es so geblieben ist."

90 intensive Minuten

Ein verschossener Elfmeter, zwei brasilianische Tor-Streiche von Werder-Regisseur Diego (6. Minute) und Bayern-Künstler Zé Roberto (32.), neun Gelbe Karten und allgemeiner Ärger über Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) - die intensiven 90 Minuten lieferten jede Menge Gesprächsbedarf.

Die ersatzgeschwächten Bremer durften sich zurecht als Punktsieger fühlen. "Wir haben alle Titelchancen gewahrt", frohlockte Manager Klaus Allofs, der sich mit seinem Kollegen und Rivalen Hoeneß einig war: "Das wird noch spannend." Am heftigsten durfte allerdings beim FC Schalke 04 gejubelt werden, dem das Münchner Remis am meisten in die Karten spielte. Hoeneß ging noch weiter: "Wir hätten für klare Verhältnisse sorgen können. Jetzt ist es weder ein Zwei- noch ein Dreikampf. Es können meiner Ansicht nach fünf Mannschaften deutscher Meister werden, auch Leverkusen und Hamburg, wenn sie eine Serie hinlegen."

FC Bayern macht Verfolgern Mut

Die für 80 Millionen Euro aufgerüsteten Bayern haben ihren Jägern unfreiwillig Mut gemacht, da sie den möglichen Sechs-Punkte-Vorsprung trotz ihrer Überlegenheit nach dem frühen Rückstand nicht mit aller Macht erzwangen. "Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass das 1:1 sehr schmeichelhaft für Werder Bremen ist", befand Bayern-Kapitän Oliver Kahn. 20:8 Torschüsse und 18:7 Flanken gaben ihm Recht.

Franz Beckenbauer erregte sich als "Premiere"-Experte vor allem über den schwach getretenen Elfmeter von Luca Toni, weil es doch Gesetz sei, dass der Gefoulte nicht schießt. "Ich habe mich richtig gut gefühlt, es tut mir leid", entschuldigte sich Toni, während Beckenbauer für die Zukunft ein Einschreiten des Trainers verlangte: "Das kann sich Ottmar Hitzfeld nicht gefallen lassen."

Ribéry ist nicht zu ersetzen

Das Problem wäre wohl gar nicht entstanden, wenn Franck Ribéry nicht verletzt wäre, Bayerns Elfmeterschütze Nummer 1. Überhaupt beschlich die 69.000 Zuschauer einmal mehr der Eindruck, dass der Tabellenführer ohne den Franzosen kein Ausnahme-Team ist. "Das merkt man vor allem, wenn es um einen kurzen, genialen Moment geht", bemerkte Kahn. Die Erkenntnis war jedoch nicht neu, und für Hoeneß ist sie nur logisch: "Einen Franck Ribéry kann man nicht ersetzen. Wenn dem so wäre, hätten wir zu viel Geld für ihn ausgegeben."

25 Millionen Euro hat der 24-Jährige gekostet, einen weiteren rasanten Kursverfall verbuchte dagegen Bastian Schweinsteiger, der ihn links im Mittelfeld nicht ersetzen konnte. Hitzfeld mochte den Stab über dem Nationalspieler, den er nach 67 Minuten durch den 18- jährigen Toni Kroos ersetzte, (noch) nicht brechen: "Er hat auch gute Seiten gehabt, nicht nur Fehlpässe gespielt."

Schweinsteiger in Not

Aber Schweinsteiger gerät in München immer tiefer in die Sackgasse. "Er steht vollkommen unter Druck", sagte Hoeneß mitfühlend: "Er kriegt wenig Chancen, weil der Platz links für Franck Ribéry reserviert ist. Wenn er spielt, muss er gleich hundert Prozent bringen. Das ist nicht einfach."

Die meiste Kritik entzündete sich aber an Schiedsrichter Kinhöfer. Eine Woche nach der krassen Benachteiligung beim 1:2 gegen Bochum erzürnte die Bremer insbesondere ein Foul von Mark van Bommel vor dem Münchner Ausgleichstor. "Es ist auffällig, dass wieder wir in einer solchen Situation sind", klagte Werder-Coach Thomas Schaaf. Umgekehrt monierten die Bayern mehrere falsche Abseitspfiffe, für Hoeneß auch nichts Neues und reiner Selbstschutz der Unparteiischen: "Die sind im Zweifelsfall immer daran interessiert, Bayern München keinen Vorteil zu verschaffen, weil sie dann in der nächsten Woche Telefonterror haben und nicht zur Arbeit gehen können."

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