Sport : Nach dem Urteil noch viel zu tun

Markus Hesselmann

Das ging jetzt schnell, überraschend schnell: Geldstrafe und ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Diese Strafe hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes über Hansa Rostocks zweite Mannschaft für die rassistischen Schmähungen gegen Gerald Asamoah im Pokalspiel gegen Schalke 04 verhängt. Der Betrag von 20 000 Euro und ein leeres Stadion gegen den BFC Preussen, nicht gerade ein Publikumsmagnet, sind nicht allzu schmerzhaft für Hansa. Aber hier wurde ein Präzedenzfall geschaffen. Eine klare Botschaft geht damit von der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main aus: Wir beobachten euch, Rassismus im Stadion haben wir lange genug toleriert. Bei Wiederholungsfällen hätte Hansa II nach neuem Statut des Weltverbandes Fifa mit härteren Strafen bis hin zum Zwangsabstieg zu rechnen.

Das schnelle Durchgreifen in diesem Fall liegt sicher auch daran, dass hier ein deutscher Nationalspieler in einem öffentlichkeitswirksamen Pokalspiel betroffen war. Nun muss der DFB seine Regionalverbände, deren Strukturen oft wenig professionell sind, genauso zum Durchgreifen drängen. Von selbst geschieht dort nur wenig. Beispiel Nordostdeutscher Fußball-Verband. Adewale Ogungbure ist kein deutscher Nationalspieler. Der Nigerianer kickt in der Oberliga für Sachsen Leipzig und wurde im Frühjahr in Halle rassistisch beleidigt und sogar tätlich angegriffen. Die rassistischen Schmähungen setzten sich bei einem Spiel gegen Energie Cottbus II fort. Wo bleiben die Sanktionen? Neulich hat Siegfried Kirschen vom Brandenburger Verband im Tagesspiegel-Interview freimütig zu den Vorfällen von Halle gesagt, man habe auf der letzten NOFV-Sitzung „über diesen Fall kein Wort verloren“. Der Cottbuser Vorfall war ihm gar nicht bekannt. In den unteren Klassen, abseits großer Öffentlichkeit, wird das einfach ausgesessen. Viel zu tun für den DFB. Und bitte schnell.

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