Sport : Nach dem Wetterumschwung

Wie Hertha BSC beim VfB Stuttgart auf die Schwächen aus dem Auftaktspiel reagieren muss

André Görke

Berlin. In den Tagen der Dauerhitze hat es am vergangenen Wochenende zumindest in Berlin einen echten Wetterumschwung gegeben. „Wir haben uns den Rückenwind genommen“, sagte Dieter Hoeneß, der Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, nach der 0:3-Heimniederlage zum Auftakt der Saison gegen Werder Bremen. Einen derart schwachen Fußball hatte es im Olympiastadion schon lange nicht mehr gegeben. „Wir müssen uns alles neu erarbeiten“, sagte Hoeneß. Am besten schon heute: Um 17.30 Uhr spielt Hertha beim VfB Stuttgart. Eine Woche lang hat Trainer Huub Stevens mit den Spielern gearbeitet. Er hofft, dass die größten Schwächen behoben sind.

Der Torhüter: Gabor Kiraly ist schon mit jungen Jahren Stammtorhüter bei Hertha geworden. Man hat ihm damals eine große Zukunft prophezeit. Doch jetzt, mit 27, wird der Ungar in der Branche immer häufiger kritisiert. Kiraly ist ein guter Torhüter, aber er ist zu unbeständig, um ein guter Torwart auf hohem Niveau zu sein. Bei Ailtons Treffer zum 0:1, dem ein Eckball vorausgegangen war, sah der Ungar nicht gut aus. Schon zuvor hatte er eine Ecke unterlaufen, obwohl solche Aktionen eigentlich seine Stärke sind. „Es ist mir egal, was die Kritiker sagen“, sagt Kiraly. „Ich werde von Hertha bezahlt.“

Die Abwehr: Eigentlich gilt die Berliner Defensive als eine der stärksten der Liga: Arne Friedrich und Josip Simunic sind Nationalspieler, hinzu kommt Dick van Burik, der in der vorigen Saison eine überzeugende Rückrunde gespielt hat, und die linke Position nimmt Michael Hartmann ein, der im Frühjahr ebenfalls in die deutsche Nationalmannschaft aufgerückt ist. Beim 0:3 gegen Werder Bremen aber waren Hartmann und Andreas Schmidt, der in der ersten Halbzeit für den verletzten Friedrich spielte, die Schwachstellen in der Verteidigung. Hartmann ist schnell, verliert aber auch schnell die Übersicht und handelt dann überhastet. Das 0:2 leitete er durch einen Fehlpass vor die Füße des Bremers Micoud ein. Schwach spielten auch Simunic und van Burik. Sie konnten die Defensive nicht koordinieren und ließen sich dann vor dem 0:2 auch noch lässig ausspielen. Ob Schmidt in Stuttgart spielt, ist nach der Dreiviertelstunde gegen Bremen fraglich. Zur Halbzeit nahm ihn Stevens vom Platz. Vielleicht wird Friedrich rechtzeitig fit. Angesichts des flexiblen Stuttgarter Angriffs mit Kevin Kuranyi und dem Brasilianer Cacau kann Hertha einen Typ wie ihn gut brauchen. Marko Rehmer wäre zumindest eine Alternative – wenn er konzentriert ist.

Die Koordination: Marcelinho fällt mit einem Fußbruch aus, die Mannschaft wird seinen Ausfall kompensieren müssen. Andreas Neuendorf, der defensiver spielt, aber Übersicht zeigt, könnte in eine ähnliche Rolle schlüpfen. Alexander Ludwig ist zu jung und noch nervös, gegen Stuttgart fehlt er wegen einer Verletzung. Auf den Halbpositionen im Mittelfeld müssen Niko Kovac und Pal Dardai das Spiel antreiben – und nicht nur verbal wie gegen Bremen. Bleibt Thorben Marx. Er sollte auf Fredi Bobic hören. Der sagt: Nicht nur durch die Mitte spielen, sondern viel mehr flanken! Für links gilt das Gleiche. Aber da war Hartmann in der Defensive schon genug gefordert. Stellt Stevens seine Taktik um, könnte Bart Goor ins Team rücken. Er schlug im Spiel gegen die Bremer immerhin die einzige brauchbare Flanke.

Die Neuen: Was sagte Manager Hoeneß vor der Saison? „Wir haben einen 26-Tore- Sturm verpflichtet.“ So viele Tore schossen Artur Wichniarek (Bielefeld) und Fredi Bobic (Hannover) für ihre Arbeitgeber in der vorigen Saison. Gegen Bremen wich Wichniarek oft auf den rechten Flügel aus und ließ sich nach hinten fallen. Bobic spielte zentral, oft und uneffektiv mit der Hacke, und schoss nicht ein einziges Mal aufs Tor. Wird Bobic nicht mit Flanken bedient, sieht es schlecht aus: Er ist kein Dribbler. Ihm dürfte entgegenkommen, dass Stuttgart daheim offensiver spielt als die Bremer in Berlin.

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