Nach den Paralympics in Rio : Aus dem Schatten Olympias treten

Bei den Paralympics stand endlich der Sport im Vordergrund. Jetzt sollte die Chance genutzt werden, es besser zu machen als Olympia - und sauberer. Ein Kommentar.

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Medaillenträume bei den Paralympics - ganz sauber war aber wohl nicht alles.
Medaillenträume bei den Paralympics - ganz sauber war aber wohl nicht alles.Foto: AFP/Justin Tallis

Die Paralympics müssen sich immer wieder mit den Fragen herumschlagen: Stehen sie im Schatten Olympias? Sind sie weniger wichtig? Die Antwort ist und war für die meisten ein klares Nein. Doch lange lag das nicht daran, dass sie als das sportlich wichtigere Ereignis empfunden wurden, sondern dass sie als Politikum die Inklusion als große gesellschaftliche Aufgabe transportieren. Die Paralympics hatten damit schon immer eine politische Dimension. Bei diesen Spielen aber war es deutlich zu spüren: Die Menschen auf den Rängen wollten einfach guten Sport sehen. Und viele Athleten erzählten, wie angenehm es ist, nicht mehr zuerst nach ihrer Leidensgeschichte gefragt zu werden, sondern über Zeiten, Training, Ziele zu sprechen. Sportler wollen nach ihrer Leistung bewertet werden - natürlich. Die Welt will sie bestaunen. Und wie viele Top-Leistungen gab es bei diesen Wettkämpfen! Zu viele? Über 150 Weltrekorde wurden geknackt. Da kommt plötzlich altbekanntes Misstrauen auf - altbekannt von den Olympischen Spielen.

Auch Paralympioniken wurden in Rio positiv auf verbotene Substanzen getestet. Wo Geld, Erfolg und Ansehen winken, erscheint Betrug als der leichteste Weg. Aber warum sollte das bei den Paralympics anders sein? Menschen mit Behinderung sind nicht die besseren Menschen. Doch die großen Organisationen, die schon so lange für eine Gleichberechtigung kämpfen, müssen es besser wissen. Olympia könnte im Schatten der Paralympics stehen, wenn es um sauberen Sport geht. Eine Chance, die es zu nutzen gilt.

Ronja Ringelstein begleitete die deutschen und brasilianischen Schülerreporter der "Paralympics Zeitung Rio 2016" nach Brasilien.
Ronja Ringelstein begleitete die deutschen und brasilianischen Schülerreporter der "Paralympics Zeitung Rio 2016" nach Brasilien.Foto: Thilo Rückeis

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