Nach der Aussprache : Löw: Ballack bleibt mein Kapitän

Bundestrainer und Kapitän haben sich zusammengerauft. Nach langem Streit und persönlicher Aussprache sagte Joachim Löw am Freitag, dass er an Michael Ballack als Spielführer der Nationalelf festhalten werde.

Sven Goldmann
Ballack und Löw
Komm in meine Arme. Bundestrainer Joachim Löw, Kapitän Michael Ballack.Foto: dpa

Es war kurz nach halb fünf, als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Zeit um zehn Tage zurückstellte. Auf die Zeit vor dem 21. Oktober, als die „FAZ“ erste Passagen jenes Interview veröffentlicht hatte, nach dem im deutschen Fußball nichts mehr so war wie vorher. Zehn Tage lang stritt das ganze Land um Michael Ballack und seinen Umgang mit Bundestrainer Joachim Löw, und für ein paar Tage sah es so aus, als sollte der beste Fußballspieler seiner Generation vielleicht gar nicht mehr zurückkehren in den Kreis der Nationalmannschaft. Doch am Freitagnachmittag erklärte der DFB auf 29 Zeilen, dass eigentlich gar nichts war. Michael Ballack bleibt der Nationalmannschaft nicht nur erhalten, er wird sie auch weiterhin als Kapitän führen und glaubt fest daran, „dass wir in einer guten Atmosphäre unsere gemeinsamen Ziele realisieren können“.

Das mit der guten Atmosphäre ist eine interessante Formulierung. Eine, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zum Ausdruck bringt, denn allzu angenehm dürfte das vorangegangene Gespräch zwischen Ballack und Löw nicht verlaufen sein. Löw hatte angesichts von Diskussionen um den neuen Konkurrenzkampf im Kader zunächst etwas ungeschickt erklärt, er erwarte Unterwerfung von seinen Spielern. Auch daran störte sich der Kapitän offensichtlich, doch Löw rückte von diesem Prinzip nach Ballacks heftiger öffentlicher Schelte erst recht nicht ab. Über seinen Anwalt ließ der Bundestrainer verbreiten, es handele sich bei der Unterredung mit Ballack weniger um ein Gespräch denn eine Anhörung.

Kotau des Kapitäns

Löw verlangte den Kotau, und offensichtlich bekam er ihn auch. Der DFB zitiert Ballack wie folgt: „Ich habe eingesehen, dass es nicht in Ordnung war, an die Öffentlichkeit zu gehen, und bedauere auch, dass der Eindruck entstanden ist, ich wolle Joachim Löw in seiner Position als Bundestrainer kritisieren. Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt. Er ist der Bundestrainer, er trifft die Entscheidungen und diese haben wir alle zu akzeptieren.“ Mehr Unterwerfung geht nur in Nordkorea.

Michael Ballack war am Donnerstag mit einem Privatflugzeug nach Frankfurt geflogen und gleich nach dem Gespräch zurück nach London gekehrt. Das ist ein eher aufwändiges Procedere für einen Sportler, der gerade an beiden Füßen operiert wurde. Löw hatte darauf bestanden und eine Reise nach London strikt abgelehnt. Wenn schon Unterwerfung, dann auch richtig.

Wahrscheinlich wird Ballack zur Wahrung seines Gesichts versucht haben, aus der Anhörung doch eine Diskussion zu machen. Eine Diskussion über die inhaltlichen Aspekte seiner Kritik, denn den Umgang mit Spielern wie Torsten Frings, Miroslav Klose oder ihm selbst, den findet Ballack nach wie vor offenbar nicht richtig.

"Auch als Kapitän muss er sich an unsere Regeln halten“

In den 29 Zeilen vom DFB war davon jedoch nichts zu lesen. „Michael Ballack bleibt mein Kapitän. Aber auch als Kapitän muss er sich an unsere Regeln halten“, ließ Löw verbreiten. „Er weiß, dass er jederzeit alle Dinge intern ansprechen kann. Alle sportlichen und personellen Entscheidungen werden aber letztlich von unserem Trainerteam getroffen – und dies habe ich Michael unmissverständlich deutlich gemacht.“

Um diese staatstragende Formulierungen hatten beide Seiten offensichtlich lange gerungen. Erst knapp 24 Stunden nach dem Rencontre in der Frankfurter DFB-Zentrale veröffentlichte der Verband die Erklärung auf seiner Internetseite. DFB-Sprecher Harald Stenger versuchte die späte Veröffentlichtung des Kommuniqués mit terminlichen Schwierigkeiten zu begründen. Ballack habe in London auf dem Klubgelände des FC Chelsea telefoniert und sei deswegen telefonisch nicht zu erreichen gewesen. Auch Theo Zwanziger wollte vor der Veröffentlichung einen Blick auf die Erklärung werfen, hieß es intern, aber der DFB-Präsident debattierte am Freitag mit der Deutschen Fußball-Liga um die Fernsehpläne der kommenden Saison. Am Ende des Konfliktes sagte Zwanziger, er sei „froh und glücklich“. Wenigstens einer.

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