Sport : Nach der Euphorie

Energie Cottbus nähert sich den Abstiegsplätzen

Karsten Doneck

Cottbus – Beim Fernsehinterview kurz nach dem Abpfiff gab sich Petrik Sander noch missmutig. Der sonst so eloquente Trainer des FC Energie Cottbus beantwortete Fragen einsilbig und mufflig. Eine Viertelstunde später hatte sich Sander gefangen. Sein Ärger über vermeidbare Gegentore bei der vorangegangenen 2:3 (1:1)-Niederlage gegen Borussia Dortmund war halbwegs verraucht und der Trainer erlaubte sich sogar schon wieder kleine Späßchen. „Als Nächstes müssen wir nun zu Alemannia Aachen, und wenn ich die Tabelle richtig deute, sind die ja schon ein Meisterschaftsanwärter“, sagte Sander.

Dabei dürfte das Saisonziel der Aachener als Mitaufsteiger nicht anders sein als das der Cottbuser: Obenan steht der Klassenerhalt. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Cottbuser schon jetzt im unteren Drittel der Tabelle angekommen sind, ein bisschen früh vielleicht, wenn man bedenkt, dass Aufsteiger häufig am Anfang einer Saison noch von der Euphorie zu manch ungewöhnlichem Resultat getrieben werden.

In Cottbus gab nicht die Niederlage gegen Dortmund als solches Anlass zur Sorge, sondern mehr ihr Zustandekommen. „Wir waren unkonzentriert in der Abwehr“, schimpfte Sander. Besonders den Vorstößen des 1,96 Meter großen Dortmunder Abwehrspielers Markus Brzenska begegnete der FC Energie zaghaft und allzu sorglos. „Gegen so einen wuchtigen Spieler wollen meine Leute Zauberkünstler spielen, das geht einfach nicht“, klagte Sander. Folge: Dem U-21-Nationalspieler Brzenska gelangen zwei nahezu identische Kopfballtore, beide Male nach Freistößen von Lars Ricken, darunter die letztlich bahnbrechende 2:1-Führung für Dortmund nach einer knappen Stunde.

Dass die Cottbuser im Spiel unter Kreativitätsdefiziten leiden, ist keine neue Erkenntnis. Aber die Mannschaft führte gegen Dortmund auch vor, wie man in zäher Kleinarbeit und mit engagierter Zweikampfführung die Spielentwicklung eines technisch reiferen Gegners nachhaltig stören kann. Diese Stärke bildet für den FC Energie die Basis, um sich länger als nur eine Saison lang in der Bundesliga zu halten. Erschwerend wirkt dabei, dass Verteidiger Vragel da Silva mit einem Muskelfasserriss im Oberschenkel vorzeitig ausschied und nun drei Wochen fehlt. Steffen Baumgart zog sich gegen Dortmund einen Riss des Trommelfells zu und muss operiert werden.

Sander ist dennoch guten Mutes: „Meine Mannschaft ist in der Bundesliga inzwischen akzeptiert worden.“ Und das war kein Scherz.

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