Nach der Niederlage : HSV: Das große Zittern

Die Niederlage in Wien verunsichert den HSV. Nach der peinlichen Pleite des Hamburger SV bei Rapid Wien bemühte sich Trainer Bruno Labbadia demonstrativ um Schadensbegrenzung.

WienWien - Nach der peinlichen Pleite des Hamburger SV bei Rapid Wien bemühte sich Trainer Bruno Labbadia demonstrativ um Schadensbegrenzung. „Wir sind bei Siegen ruhig, wir bleiben das auch bei Niederlagen“, sagte der 43-Jährige.

Wie es in seinem Innersten nach dem 0:3 zum Auftakt der Gruppenphase in der Fußball-Europa-League aussah, sollte niemand erfahren. „Wir werden nicht den Fehler machen, alles zu verteufeln. Wir werden wieder aufstehen.“ Das muss sein Team bereits am Sonntag in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt. Die Angst geht um, dass dem Debakel im Ernst-Happel-Stadion ein Rückschlag in der Meisterschaft folgt. Sämtliche Qualitäten, die den Bundesliga-Spitzenreiter in der laufenden Saison ausgezeichnet hatten, waren in dem mit knapp 50 000 Zuschauern ausverkauften Happel-Stadion wie weggeblasen: die Abwehr kopflos, das Mittelfeld ohne Kreativität, der Sturm nur ein Lüftchen. „Das Spiel muss man erstmal verdauen“, sagte auch Aufsichtsratschef Horst Becker erschüttert.

Den erschreckenden Auftritt ihrer Mannschaft konnten die meisten der rund 2800 angereisten Hamburger Fans nicht bis zum bitteren Ende ertragen – sie verließen vorzeitig das Stadion. Vor allem die fehlende Leidenschaft der Hamburger sorgte für Unverständnis. Die Wiener spielten schneller, aggressiver, motivierter. „Die Stärke von Rapid hat uns nicht überrascht“, meinte Labbadia, gab dann jedoch zu: „Die Gruppe ist schwerer als vorher angenommen.“ Vorerst ist der HSV in Gruppe C Letzter. Am 1. Oktober vor heimischer Kulisse gegen Hapoel Tel Aviv, das überraschend Celtic Glasgow mit 2:1 bezwang, bekommt der HSV eine erneute Bewährungschance. „Wir müssen Tel Aviv schlagen, ohne Wenn und Aber“, forderte Kapitän David Jarolim.

Rapid-Trainer Peter Pacult freute sich diebisch über die Lektion für die Hamburger. „Einige haben gemeint, in Österreich kann man besser Ski fahren als Fußball spielen“, sagte er. Der 49-Jährige hatte den HSV in Video-Analysen akribisch untersucht und war zu der Erkenntnis gekommen: „Die Hamburger Abwehr bekommt immer Probleme, wenn es schnell geht.“ Weiterhin war ihm aufgefallen: „Aogo auf der linken Seite ist die Schwachstelle.“ Labbadia hörte dem Kollegen wie versteinert zu. Doch auch er hatte gesehen, wie Dennis Aogo an diesem Abend schwindelig gespielt wurde. Auf der anderen Abwehrseite war es Jerome Boateng nicht besser ergangen, als er beim ersten Gegentor mit dem Schopf nachhalf und beim zweiten Treffer mit einer tragikomischen Pirouette den Ball verfehlte. „Solche Spiele kommen vor. Wir müssen das abhaken“, meinte Nationalmannschafts-Anwärter Boateng.

Die Blamage von Wien befeuerte erneut die Diskussion um eine mögliche Verstärkung im Hamburger Sturm. „Auf Dauer wird es mit zwei Stürmern zu eng“, warnte Mladen Petric, zumal sein Pendant Marcus Berg als Vertreter des Langzeitverletzten Paolo Guerrero noch nicht in die Spur gefunden hat. Die HSV-Führung soll bereits Videos von vertragslosen Kandidaten gesichtet haben.

Ob der Ex-Dortmunder Ebi Smolarek gute Karten hat, wollten die HSV-Verantwortlichen nicht bestätigen. In Smolareks polnischer Heimat wird dagegen von einem baldigen Vertragsabschluss berichtet. „Er weiß, wo das Tor steht“, sagte Petric über den 28-Jährigen. Für die Europa League sind die Personal-Spekulationen jedoch ohne Reiz: Ein Neuer wäre hier nicht spielberechtigt. dpa

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