Sport : Nach der Riesenfelge

Benedikt Voigt

Obwohl Fabian Hambüchen erst 18 Jahre alt ist, hat er bereits Turngeschichte geschrieben. Allerdings unfreiwillig, denn er konnte wahrlich nichts dafür, dass der Weltturnverband FIG gestern erstmals in seiner Geschichte den Videobeweis bemühen musste, um die Übung seines russischen Konkurrenten Nikolai Krukow korrekt zu bewerten. Erst rund 15 Stunden nach seiner letzten Riesenfelge durfte Fabian Hambüchen endlich in das Reckfinale einziehen. Damit ist er der erste Turner, der von dieser neuen Prüfinstanz profitiert hat. Er wird nicht der letzte bleiben.

Das Wertungssystem im Turnen wird auch in den nächsten Jahren Verwirrung stiften, selbst wenn das neue Notensystem verabschiedet ist. Denn das jüngste Bewertungschaos bei der Turn-WM hat gezeigt, dass es viele Streitgründe gibt. Über den Protestgrund der deutschen Mannschaft, einen Verfahrensfehler des russischen Verbandes, hat der Weltverband gar nicht erst entschieden. Auch ist kurios, dass die Russen sich einfach dem nachträglichen Urteil fügten. Er hat damit dem Weltverband einen großen Gefallen getan. Dieser ist nach dem Wertungsskandal bei den olympischen Spielen in Athen bemüht, sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als reformierte Sportart zu präsentieren. Da kann das Turnen einen neuen Streitfall überhaupt nicht gebrauchen.

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