Sport : Nach drei Nullnummern wächst der Druck

HARTMUT MOHEIT

Heinz-Harald Frentzen: "Es liegt an mir zu zeigen, daß ich kein Verlierertyp bin"VON HARTMUT MOHEIT IMOLA. Nichts ist so alt wie der Weltmeistertitel von gestern.Auf die Formel 1 trifft dies wohl zu hundert Prozent zu.Wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hätte, dann reichte bereits ein Blick in das Fahrerlager beim Großen Preis von San Marino.Auf welche Fahrer stürzt sich die Medien-Meute, als hätte jemand ein Stück Fleisch in ein Piranha-Becken geworfen? Nicht etwa auf den in die Zweitklassigkeit abgerutschten aktuellen Champion Damon Hill.Der kleine Brite - bei 70 Grand Prix immerhin 21 Siege - kann nahezu unbeachtet zur Arrows-Box gehen.Die ganze Aufmerksamkeit ziehen Ferrari-Idol Michael Schumacher und der kanadische WM-Spitzenreiter Jacques Villeneuve auf sich.Vielleicht hätte auch ein dritter Fahrer allen Grund dazu, nach dem Schumacher-Muster den Mantel des Unnahbaren zu tragen, aber dazu fehlt ihm etwas ganz Entscheidendes: Erfolg.Heinz-Harald Frentzen, als neuer Mann im Williams-Renault sofort in die Favoritenrolle gedrängt, hat nach den Rennen in Australien, Brasilien und Argentinien drei Nullnummern auf seinem Konto.Verlierer stehen in der Formel 1 nicht im Rampenlicht.Der ohnehin zurückhaltend auftretende Mönchengladbacher ist es auch leid, ständig erklären zu müssen, warum er noch nicht einmal in die Punkteränge kam."Es liegt an mir zu zeigen, daß ich kein Verlierertyp bin", sagt der 29jährige in aller Bescheidenheit. Vorsorglich - niemand weiß genau von welcher Seite - werden bereits Gerüchte verbreitet, daß Frentzen in dem erfolgsverwöhnten Team unter dem besessenen Chef Frank Williams auf der "Abschußliste" stehen soll.Die Briten dementieren das natürlich lautstark, dennoch wächst der Druck auf den Deutschen mit jeder neuen Negativmeldung."Ich äußere mich dazu nicht", kommentiert er selbst, "da ist auch einiges unter der Gürtellinie gelaufen.Mein Selbstvertrauen ist völlig in Ordnung." Den Beweis dafür möchte er endlich auch auf der Rennstrecke antreten, in Imola, bei seinem 52.Rennen in der "Königsklasse". Nachdem der als Frohnatur geltende Frentzen nun auch noch seine Grippe überwunden hat, sieht er keine Hindernisse mehr auf dem Weg zum ersten Erfolg."Die Tests in Barcelona waren sehr wichtig für mich.Nicht nur mit der Technik ging es aufwärts, ebenso mit dem Kontakt zum gesamten Team", gibt er sich verhalten zuversichtlich.Gerade der letzte Punkt ist für ihn enorm wichtig.Jacques Villeneuve, das ist für jedermann im Williams-Umfeld sichtbar, genießt nach zwei Siegen und drei Pole positions den Nummer-eins-Status.Zum selben Zeitpunkt im vorigen Jahr hatte der junge Kanadier als Neueinsteiger zwei zweite Plätze erreicht, während Frentzen-Vorgänger Hill mit drei Erfolgen auf dem Weg zum WM-Titel glänzte.Das zumindest hat man im Kreise der Williams-Ingenieure nicht vergessen."Als Neuling muß man sich erst einmal in die Köpfe dieser Leute versetzen und mit ihnen auf eine Wellenlänge kommen", sagt Frentzen zwar, aber unter dem Eindruck des Villeneuve-Beispiels strahlt er damit nicht gerade Souveränität aus.Woher soll sein Selbstbewußtsein in dieser Frage auch kommen? Sein Vorgänger Damon Hill verfolgt die Diskussionen nicht ganz uneigennützig.Zwar dementierte er ihm in den Mund gelegte Äußerungen, daß eine weiterhin anhaltende Null-Serie von Frentzen noch in der laufenden Saison die Rückkehr zu Williams bedeuten könnte, dennoch äußert er sich vielsagend: "Jeder muß sich seine Stellung in diesem Team schwer erarbeiten.Mir ging es schließlich nicht anders." Die Antwort darauf muß der Deutsche bereits in Imola selbst geben.Ein Erfolg auf dem Ferrari-Motodrom, oder zumindest WM-Punkte nach einem großen Rennen, dann würden viele Kritiker sehr schnell verstummen.Und Frentzen bliebe bereits beim nächsten Grand Prix in Monte Carlo nicht mehr so unbeachtet.Dieser Erfolg "von gestern" würde große Wirkung erzielen.

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