Nach drittem Kreuzbandriss : Turntalent Kim Janas hört auf

Noch nicht mal 17 Jahre alt, aber schon drei Kreuzbandrisse: Turnerin Kim Janas muss ihre hoffnungsvolle Karriere frühzeitig beenden.

Kim Janas turnt nicht mehr, auch wenn es ihr schwer fällt.
Kim Janas turnt nicht mehr, auch wenn es ihr schwer fällt.Foto: dpa

Als die bittere Diagnose feststand, war Kim Janas ganz tapfer. Der dritte Kreuzbandriss beendet jäh eine hoffnungsvolle Turn-Karriere. Eine Teilruptur des vorderen Kreuzbandes am rechten Knie macht die Fortsetzung der Laufbahn unmöglich. „Es wird nicht leicht für mich, das Turnen zurückzulassen, aber für mich und meinen Körper ist es einfach besser so“, erklärte die 16-Jährige. Ihre Knie halten den Anforderungen des Hochleistungssports nicht mehr stand.

„Ich bin zu dem Entschluss gekommen, meiner Gesundheit jetzt den Vorrang zu lassen und dem Turnen und mir eine Auszeit zu geben“, teilte Janas vier Tage vor ihrem 17. Geburtstag auf Facebook mit. „Ich habe sehr lange darüber nachgedacht und auch viele Gespräche geführt und mir ist diese Entscheidung gewiss nicht leicht gefallen. ... Es wird nicht gerade eine einfache Zeit.“

Vor gut einer Woche war sie mit dick bandagiertem Knie durch die Lausitz-Arena von Cottbus gehumpelt, der Schmerz stand ihr ins Gesicht geschrieben. Eine Stauchung des Knies bei der Landung nach perfekter Übung am Stufenbarren war beim Weltcup die letzte Turnübung in der Karriere des größten deutschen Talents seit Fabian Hambüchen.

Was folgte, waren MRT-Untersuchungen in der Berliner Charité und nach Abschwellen des dicken Knies auch genauere Untersuchungen am Olympiastützpunkt in Stuttgart. Doch schon vor der Diagnose Kreuzbandriss habe die Entscheidung der Turnerin festgestanden, verriet Cheftrainerin Ulla Koch. „Ich habe höchsten Respekt vor Kim, dass sie in ihrem Alter eine solche Entscheidung trifft. Man hätte das jetzt alles noch hinauszögern können, aber es hätte nichts gebracht“, sagte die „Chefin“ und würdigte, dass Janas diese Entscheidung nicht anderen überlassen hatte.

Der Rücktritt ist ein herber Verlust für das deutsche Turnen

Natürlich bedauert Koch das frühe Karriere-Aus. „Das ist unglaublich bitter. Aber ihr Körper hält diesen Belastungen nicht stand.“ Der Rücktritt sei ein herber Verlust für das deutsche Turnen. „Aber es ist im Sinne ihrer Gesundheit. Wir stehen hinter der Entscheidung von Kim und akzeptieren diese voll und ganz, denn die Gesundheit hat immer Vorrang“, sagte Koch.

Schon im Schüleralter hatte Janas Meistertitel in Serie eingefahren, 13 von möglichen 15 deutschen Meistertiteln zwischen 2011 und 2013 gewonnen. Sie turnte schwieriger und sauberer als viele Seniorinnen. Doch dann begannen die Probleme: 2013 erlitt sie den ersten Kreuzbandriss im rechten Knie, kaum zwei Jahre später lag sie 2015 bei der EM in Montpellier mit schmerzverzerrtem Gesicht neben dem Schwebebalken. Einige Wochen später wurde ein erneuter Kreuzbandriss - diesmal im linken Knie - festgestellt. Im Februar verletzte sich Janas am linken Ellenbogen. Und erst vor acht Wochen beklagte die Hoffnungsträgerin einen Kapselriss im rechten Knie.

Der bis zum Montag stets geäußerte Traum vom Olympiasieg ist für Kim Janas nun ausgeträumt. Nach dem Ende der zehnten Klasse wird sie wieder in ihre Heimatstadt Halle/Saale wechseln und dort zunächst das Abitur ablegen. „Turnen ist und wird auch immer mein Leben und Teil meines Leben bleiben. Ich werde es NIE ganz aufgeben können und wollen, dafür habe ich diesen Sport zu sehr gelebt und geliebt“, sagte Janas. Sie werde auf jeden Fall dem Turnen treu bleiben. „Vielleicht beginne ich eine Trainerkarriere oder mache vielleicht auch den Kampfrichterschein“, kündigte sie an. (dpa)

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