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Nach Entlassung von van Marwijk : Mirko Slomka wird neuer HSV-Trainer

Nach der Entlassung von Bert van Marwijk als HSV-Trainer soll nun Mirko Slomka den Traditionsklub vor dem Abstieg bewahren. Auch der Aufsichtsrat hat der Personalie mittlerweile zugestimmt.

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Hallo, ich bin der Mirko. Slomka soll den HSV retten.
Hallo, ich bin der Mirko. Slomka soll den HSV retten.Foto: dpa

Mirko Slomka ist ein alter Bekannter in Hamburg. Nicht, dass er den HSV schon einmal trainiert hätte. Aber eigentlich immer, wenn am Volkspark zuletzt ein neuer Coach gesucht wurde, war sein Name zu hören. Das war im Mai 2008 so, als Hamburg einen Nachfolger für Huub Stevens brauchte. Damals konnte sich der Vorstand nicht auf den gerade bei Schalke entlassenen Slomka einigen. Drei Jahre später unternahm Bernd Hoffmann den zweiten Vorstoß – damals war der Job von Armin Veh gefährdet. Aber Hannovers Präsident Martin Kind ließ Slomka nicht gehen. 2011 hatte Slomka ordentlich mit dem Hamburger Interesse um einen Vertrag gepokert.
Nach der 2:4-Niederlage in Braunschweig und der folgenden Freistellung des Niederländers Bert van Marwijk nun ist es wohl soweit. Diesmal muss niemand bei anderen Klubs gefragt werden, und auch innerhalb des Vorstands gab es große Einigkeit, den 46 Jahre alten Fußball-Lehrer Slomka einzustellen. Inzwischen hat auch der HSV-Aufsichtsrat grünes Licht für die Verpflichtung Slomkas gegeben - die letzte Formalität. Slomka galt nahezu allen im Klub als Wunschkandidat.

Für die Kontrolleure beim hoch verschuldeten HSV ging es vor allem um die finanziellen Begleitumstände des zweiten Trainerwechsels der Saison. Denn für den ursprünglich bis 2015 gebundenen Bert van Marwijk wird eine Abfindung von drei Millionen Euro fällig. Marwijk hatte von einem Rücktritt wegen anhaltender Erfolglosigkeit nach acht Niederlagen in Folge nichts wissen wollen. Mirko Slomka war durch seine Entlassung nach drei weitgehend erfolgreichen Jahren bei Hannover 96 im Dezember frei geworden. Er soll am Montag vorgestellt werden.

Der zweite Trainerwechsel der Saison ist so etwas wie der letzte und verzweifelte Versuch des HSV, eine tote Mannschaft mit einem Impuls von außen noch einmal zum Leben zu erwecken. In Hannover hat Slomka 2010 seine Eignung für den Abstiegskampf schon bewiesen, allerdings war er dort insgesamt eher als Offensiv-Trainer aufgefallen. In Hamburg wird er unter Beweis stellen müssen, dass er eine verunsicherte Mannschaft defensiv zu stützen weiß. Beim 2:4 in Braunschweig wiesen die Hamburger erneut alle Symptome eines sicheren Absteigers auf. Die Defensive ist wackelig, das Offensivspiel harmlos, und dann torpedieren die Spieler ihre verzweifelten Bemühungen auch noch jede Woche aufs Neue durch individuelle Fehler. Zudem liefen die HSV-Spieler (110,3 Kilometer) wieder deutlich weniger als ihr Gegner (116,9). Und nun fällt auch noch Kapitän Rafael van der Vaart wegen einer Sprunggelenksverletzung drei Wochen aus.

Als dritter HSV-Coach der Saison und insgesamt achter seit 2008 – Interimslösungen nicht eingerechnet – wird es für Slomka angesichts dieser Problemfülle in der ersten Partie am Samstag gegen Dortmund wohl nur um Schadenbegrenzung gehen. Danach folgen Partien gegen andere Abstiegskandidaten: in Bremen, gegen Frankfurt und Nürnberg, in Stuttgart und gegen Freiburg.

Im Hintergrund des HSV bleibt es indes unruhig. Vier von elf Aufsichtsräten kündigten am Sonntag ihren Rücktritt an, bei drei weiteren galt er als wahrscheinlich. Um handlungsfähig zu bleiben, braucht der HSV laut Satzung vier Aufsichtsräte. Es sah am Sonntagabend danach aus, als würde diese Mindestanzahl erreicht. Im Frühsommer geht es bei der Mitgliederversammlung um die Ausgliederung der Fußball-Profi-Abteilung und Öffnung für Investoren. Mirko Slomka wird für seinen dritten Bundesliga-Job nach Schalke und Hannover gute Nerven brauchen.

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