Sport : Nach Felix gar nicht glücklich Schalke und Wolfsburg einen gleiche Probleme

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Verfluchte Vergangenheit. VfL-Trainer Dieter Hecking will nach vorn schauen. Foto: dpa
Verfluchte Vergangenheit. VfL-Trainer Dieter Hecking will nach vorn schauen. Foto: dpaFoto: REUTERS

Wolfsburg - Die Mischung aus Gelassenheit und Humor, mit der Dieter Hecking den vielen ungeliebten Themen begegnet, ist schon bewundernswert. Abstiegskampf statt Europa, ein viel zu großer Kader, mehr Neider als Freunde: Der Trainer des VfL Wolfsburg versucht beharrlich, bei seinem neuen Arbeitgeber von den Sünden der Vergangenheit abzulenken. „Wir wollen nach vorn schauen“, sagt Hecking, dem mehr Profis zur Verfügung stehen, als ein Trainer sinnvoll bei Laune halten kann. Das Erbe seines Vorgängers Felix Magath wiegt noch immer schwer. Immerhin empfängt der VfL Wolfsburg heute mit Schalke 04 einen Gleichgesinnten. Beide Klubs haben alle Hände voll mit den Aufräumarbeiten in der Zeit nach Magath zu tun.

Was für die aktuelle Tabelle gilt, trifft auch auf die Personalpolitik zu: Der FC Schalke 04, bei dem Magath vom Juli 2009 bis zum März 2011 seine Vorstellungen vom Profigeschäft umsetzen durfte, ist den Wolfsburgern einen Schritt voraus. Die Gelsenkirchener werden derzeit als Krisenklub tituliert, weil sie sich mit einer Trainerdebatte rund um Interimscoach Jens Keller herumschlagen – ein hauseigenes Dilemma, das nicht mehr mit Magath zu tun hat. Manager Horst Heldt, dessen Arbeit auf den Prüfstand geraten ist, muss zu Gute gehalten werden, dass er in den vergangenen zwei Jahren mehr mit den Altlasten seines Vorgängers als mit der Weiterentwicklung von Mannschaft und Verein zu tun hatte.

Die Meinungen darüber, wie gut Magath erst Schalke und dann dem VfL getan hat, könnten nicht weiter auseinander liegen. Die Westdeutschen hätten es ohne ihren diktatorisch veranlagten Trainermanager wohl schwierig gehabt, solch illustre Profis wie den Spanier Raul und den Niederländer Klaas-Jan Huntelaar (zuletzt wegen einer Augenverletzung nur Reservist) zu verpflichten. Magath bleibt bis heute bei seiner Variante, dass er erst auf Schalke und dann in Wolfsburg mit voller Wucht schlafkräftige Teams zusammengestellt hat. Mit den finanziellen und zwischenmenschlichen Auswirkungen seines Handelns dürfen sich seine Nachfolger auseinandersetzen. Die Frequenz, mit der sich der derzeit arbeitslose Magath mit Hilfe von Interviews und Facebook-Postulaten wieder zu Wort meldet, steigt deutlich. Vor dem Duell seiner ehemaligen Klubs vertrat er sogar die Meinung, man habe ihm aus Wolfsburg Dreck nachgeworfen. Mit einer ähnlichen Debatte sahen sich die Verantwortlichen von Schalke 04 nach seiner Entlassung auch konfrontiert und konnten darüber nur bedingt lachen.

Die Aufarbeitung der zweiteiligen Zusammenarbeit mit dem VfL Wolfsburg, dem Magath erst den Meistertitel (2009) und danach viele Probleme beschert hat, liegt in den Händen von Klaus Allofs. Und der von Werder Bremen abgeworbene Geschäftsführer büßt immer dann ein wenig von seinem Charme ein, wenn er auf die vielen Aktenordner mit den vielen gut dotierten Spielerverträgen angesprochen wird. „In der Vergangenheit haben wir im mittleren und unteren Bereich zu viel Geld ausgegeben“, sagt Allofs, der so manche Sünde von Magath und dessen Vorgänger Dieter Hoeneß erklären muss, aber im Gegensatz zu Hecking durchaus kritisch zurückblickt. „Ich wusste, dass ich mich hier nicht an den neuen Schreibtisch setzen und zufrieden zurücklehnen kann“, sagt der 56-Jährige. Er bemüht gerne das Bild vom nicht bestellten Feld, das er vorgefunden habe und auf dem es nur bedingt etwas zu ernten gibt.

Schalke ist bis auf Rang 9 der Liga abgerutscht. Wolfsburg etabliert sich trotz seines sündhaft teuren Teams auf Rang 15. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis in den beiden Klubs wieder etwas nachhaltig aufblüht. Christian Otto

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