Sport : Nach Hause gesegelt

Team Neuseeland erreicht Finale im America’s Cup

Ingo Petz[Valencia]

Steuermann Dean Barker stemmte den Louis Vuitton Cup in die Höhe. Sein Team jubelte und Tausende Spanier und Neuseeländer, die in den Hafen von Valencia gekommen waren, schrien und sangen. Soeben war das neuseeländische Team um Dean Baker war den Italienern von Luna Rossa zum fünften Mal im fünften Rennen davongesegelt.

Barker wirkte gelöst, befreit, glücklich. Der 34-Jährige lächelte sogar und das hatte in den vergangenen Wochen wahrlich Seltenheitswert. Denn im Verlauf der Herausforderer-Runde um den America’s Cup hatte er häufig so unglücklich geschaut. Aber nun im Augenblick des Triumphes, da war alles vergessen. Fast. Denn Teamchef Grant Dalton bedankte sich in seiner Rede brav, vergaß aber nicht zu erwähnen: „Dass es jetzt um America’s Cup geht.“ Nur darum geht für die Neuseeländer nun. „Der Louis Vuitton Cup ist nur der nächste Schritt zum nächsten Ziel“, hatte Terry Hutchinson, der Taktiker beim Team New Zealand, stets betont. Am 23. Juni treten sie gegen Alinghi im Kampf um die Silberkanne an. Damit kommt es zur Wiederauflage des Finales von 2003, in dem die Neuseeländer 0:5 gegen die Schweizer verloren hatten.

Sehr viel Applaus bekam gestern in Valencia auch der Verlierer, das Team von Luna Rossa. Der Steuermann der Italiener, James Spithill, sagte: „Wir haben alles gegeben, aber gegen die Neuseeländer hatten wir kein Mittel. Die haben sich sehr solide präsentiert.“ Vor allem war die italienische Yacht zu langsam. Das bestätigte gestern Alinghis Chef-Designer Rolf Vrolijk: „Bei seichten Winden haben die ein Defizit.“ Aber auch die Neuseeländer, sagte der Bremerhavener, hätten im Vergleich zu den Vorrunden keine schnellere Yacht. „Sie segeln sie nur besser.“ Die Italiener hatten für das letzte Rennen noch einmal ihr Boot modifiziert. Wahrscheinlich wurde die Kielbombe oder das Ruder ausgetauscht, um der Yacht den nötigen Schub zu geben. Die tägliche Luna-Rossa-Zeitung hatte ihre Segler vor dem nahenden Untergang nochmals versucht, mit einer Schlagzeile zu motivieren: „Let’s Fight“. Die Italiener kämpften tatsächlich, um jeden Meter. Aber es half nichts mehr. Auch das letzte Rennen ging bei seichten Winden um die acht Knoten verloren. Am Ende brachten 22 Sekunden Vorsprung den entscheidenden Sieg für die Neuseeländer. Damit blieb dem italienischen Team bei der dritten Teilnahme seit 2000 der zweite Einzug in den America’s Cup verwehrt.

Die Neuseeländer dagegen gewannen zum zweiten Mal nach 1995 den Louis Vuitton Cup und sind nach 1988, 1995, 2000 und 2003 zum fünften Mal im Kampf um den America’s Cup dabei. Die Segler aus Neuseeland zeigten auch im letzten Rennen eine souveräne und fast beängstigend überlegene Leistung. Grant Simmer, Alinghis australischer Design-Koordinator, zollte dem künftigen Gegner Respekt: „Das Boot-Handling ist sehr konzentriert. Gerade bei den Wenden arbeiten die Neuseeländer sehr diszipliniert.“ Alinghi-Gründer Ernesto Bertarelli hatte die Neuseeländer mal als „Brasilianer des Segelns“ bezeichnet, was eine gewisse Kunstfertigkeit voraussetzt. Aber so wie die Neuseeländer im Moment segeln – ohne Magie, kraftvoll und fehlerlos – gleicht ihr Stil eher dem einer kühlen Maschine. Das Selbstvertrauen in das eigene Leistungsvermögen scheint bei dem Team sehr ausgeprägt zu sein.

Auf der anderen Seite der Erde, im Südpazifik, ist mittlerweile die Begeisterung für den Cup groß. Viele Neuseeländer standen mitten in der Nacht auf, um live vor dem Fernsehen mit ihrem Team zu fiebern. In der größten Zeitung des Landes, dem New Zealand Herald, trafen aus der ganzen Welt Botschaften für das Team ein. Eine neuseeländische Yacht war sogar 4000 Kilometer weit gesegelt, um das Emirates Team New Zealand in Valencia unterstützen zu können. Der Hafen von Valencia war in den vergangenen Tagen in neuseeländischer Hand. Überall waren T-Shirts zu sehen mit den Aufschriften „ValeNZia“ oder „Let’s bring it home“ – dem Kampfspruch des Teams.

Eine der ersten Gratulantinnen war gestern die neuseeländische Premierministerin Helen Clark, deren Regierung das Team mit 18,4 Millionen Euro unterstützt hatte. Sie sagte: „Das ist ein tolles Ergebnis und ich bin sehr, sehr stolz auf das Team.“

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