Nach Kartellamstbeschluss : Die Suche nach Plan C

Wenn die Vertreter der Deutschen Fußball-Liga über die Zukunft des deutschen Fußball sprechen, dann schwingt ein Hauch von Apokalypse mit. Nach dem Kartellamtsbeschluss zur TV-Übertragung der Bundeliga rufen sie nun nach der Politik - und sprechen von teuren Tickets.

Lars Spannagel
Rauball
Der Präsident muss umdenken. Das Bundeskartellamt hat die Pläne von DFL-Chef Reinhard Rauball umgeworfen. -Foto: dpa

BerlinDer Schock sitzt tief. Bis vorgestern durfte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) auf das einträglichste Fernsehgeschäft ihrer Geschichte hoffen. Wenn die Verantwortlichen jetzt über die Zukunft des deutschen Fußballs sprechen, schwingt ein Hauch von Apokalypse mit. „Die Lage für den Profi-Fußball ist ernst“, sagte der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Freitag auf einer Pressekonferenz. Die Liga sieht sich durch das Urteil des Bundeskartellamts gegängelt, als mögliche Konsequenzen drohen laut Seifert die Auflösung des Vertrages mit dem Vermarkter Sirius, der Wegfall eines lukrativen Pay-TV-Angebotes und das Ende des Wettbewerbes zwischen Pay-TV und Free-TV. Das alles könne zu großen Problemen führen. „Fakt ist, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesligavereine gefährdet ist“, erklärte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) zeigte sich solidarisch. „Die Sportschau-Zuschauer mögen jubeln“, sagte Zwanziger bei einer Podiumsdiskussion in Berlin. „Aber die Leute in den Stadien – das sind die richtigen Fans für mich.“ Zwanziger zufolge können die Eintrittspreise steigen, wenn die Klubs weniger Fernseheinnahmen haben. Zwanziger sieht auch die Nachwuchsförderung der Klubs in Gefahr, an der künftig gespart werden könne. „Dann gucken wir in die Röhre. Und Werder Bremen wird sich auch keinen Diego mehr leisten können.“ Reinhard Rauball fordert nun sogar die Hilfe der Politik, schließlich würden die Vereine auch sozialpolitische Aufgaben erfüllen: „Wenn Grundpfeiler unserer Finanzierung angegriffen werden, muss die Politik im Sinne des Fußballs handeln.“

Die DFL will nun das Urteil des Kartellamts rechtlich überprüfen lassen. Zudem soll ein Alternativplan für die Ausschreibung der Fernsehrechte entwickelt werden. „Eine schnelle Entscheidung ist wünschenswert, aber wir verfallen nicht in Panik“, sagte Seifert. „Es wäre unseriös und unglaubwürdig, jetzt schon einen Plan C zu haben.“ Wie man aus DFL-Kreisen hört, wird nicht damit gerechnet, dass ein Bundesligaklub aus der Zentralvermarktung ausschert.

Völlig abwegig scheint dieses Szenario aber nicht. „Die Entscheidung des Kartellamts führt dazu, dass Herrn Seifert bei den kommenden Verhandlungen Handschellen angelegt sind“, sagt Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen und ehemaliger DFL-Präsident. Am Ende könne das dazu führen, dass die Vereine nicht mit mehr Geld, sondern sogar mit weniger dastünden. „In diesem Fall könnte eine Einzelvermarktung mit einem Solidarpool für die kleineren Klubs mehr bringen als eine Zentralvermarktung mit Handschellen“, sagt Holzhäuser, „das sollte man ernsthaft prüfen." Bei Hertha BSC ist man da vorsichtiger. „Gerade jetzt müssen und werden die Vereine zusammenstehen“, sagt Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller. „Wenn wir jetzt alleine losmarschieren, werden wir nichts erreichen.“

Dirk Huefnagels, Vorstand der Vereinigung s20, in der die wichtigsten Bundesliga-Sponsoren vertreten sind, sieht sich darin bestätigt „dass der Massensport Fußball möglichst frei zugänglich konsumiert werden kann“. Andererseits sei den Sponsoren natürlich daran gelegen, dass die Liga international so attraktiv wie möglich bleibt. Mathias Radowski, Sprecher des „Bündnis Aktiver Fußballfans“ (Baff) wertet die Entscheidung des Kartellamts als „Schuss vor den Bug“ für die DFL: „Auch die Cash-Cow Profifußball ist einmal ausgemolken.“ Radowski hofft, dass nun auch die Aufsplittung des Spieltags auf mehrere Anstoßzeiten hinfällig wird.

DFB-Präsident Theo Zwanziger setzt weiter auf die Zentralvermarktung und malt ein Szenario aus, dass einigen deutschen Fans wirklich Angst einjagen könnte: „Wollen wir denn eine Sportschau ohne den FC Bayern?“

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