Nach langer Verletzung : Handballer Paul Drux trainiert endlich wieder mit Ball

Die Schulter macht Fortschritte bei Paul Drux, dem wohl vielversprechendsten deutschen Handball-Talent. Die EM in Polen wird der 20-Jährige trotzdem verpassen - sicher ist sicher.

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In Bestform kaum zu bändigen. Paul Drux hat seine schwere Schulterverletzung weitgehend überstanden. Nach sechs Monaten Pause will er wieder angreifen.
In Bestform kaum zu bändigen. Paul Drux hat seine schwere Schulterverletzung weitgehend überstanden. Nach sechs Monaten Pause will...Foto: picture alliance / dpa

Auf den Fotos für die sozialen Kanäle lächelt er ganz freundlich, auf einem kneift er sogar ein Auge zu. Zwinker, zwinker. Als würden Einheiten auf dem Ergometer und Kraftübungen tatsächlich Spaß machen! Dabei haben sich die sportlichen Aktivitäten von Paul Drux in den letzten Monaten fast ausschließlich auf die Disziplinen Laufen und Gewichtestemmen beschränkt. „Ich habe ein paar Mal mit dem Ball gegen die Wand geworfen, das war’s dann aber auch“, sagt der Handballer. Verfluchte Schulterverletzung.

Einem der Kernelemente seines Sports, dem Torwurf, konnte Drux deshalb gar nicht nachkommen bis zu diesem Montagabend, an dem sein Klub mit dem Training für die Bundesliga-Rückrunde beginnt. Erlingur Richardsson, Coach der Füchse Berlin, zählt bei der ersten Einheit zwar nur neun Spieler, alle anderen aus dem Kader sind kurz vor dem Start der Europameisterschaft mit ihren Nationalteams unterwegs. Aber es scheint so, als hätte allein die Anwesenheit des Paul Drux gesteigerten Einfluss auf die ohnehin gute Laune des Isländers. Weil sie im Verein natürlich um die Klasse und die Perspektiven des 20-Jährigen wissen, der auch in der Nationalmannschaft als Hoffnungsträger für die EM in Polen galt und das Turnier nun doch verpasst.

"Ich musste mich dazu zwingen, mich durchzukämpfen", sagt Drux

Hinter Drux, dem vielversprechendsten deutschen Handball-Talent seit langem, liegt ein schweres, ja, bisweilen belastendes Jahr. „Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken, manchmal war ich unmotiviert und musste mich dazu zwingen, mich durchzukämpfen“, sagt er über die im Sommer diagnostizierte Verletzung, einen Riss der Knorpellippe am rechten Schulterblatt, am Wurfarm also. Für Drux war es die erste große Verletzung seiner so jungen und hoffnungsvollen Karriere.

Operation, Ruhephase, tägliche physiotherapeutische Behandlung – all das hat der Rückraumspieler mittlerweile hinter sich gebracht. „Am schlimmsten war die Erfahrung, vor dem Fernseher oder hinter der Bank zu sitzen und nicht eingreifen zu können“, sagt Drux – und man glaubt ihm das sofort, weil seine Karriere bis zum vergangenen Sommer ja nur eine Richtung gekannt hatte: steil nach oben. Herausragender Jugendspieler, Profi-Vertrag, Stammspieler im Verein, kurz darauf auch im Nationalteam – all das hat der gebürtige Gummersbacher innerhalb kürzester Zeit geschafft. Entsprechend groß war die emotionale Fallhöhe durch die Verletzung.

Die Trainer behandelten Drux in der Reha mit aller gebotenen Vorsicht

Immerhin, sagt Drux, wisse er heute die Erkenntnisse seiner Rekonvaleszenz zu schätzen, „ich habe auch in dieser Phase etwas gelernt“. Wie wichtig es etwa ist, nach schweren Verletzungen, zumal am Wurfarm, Geduld zu bewahren und nicht zu früh zu belasten. „Ich weiß, dass es gerade als junger Spieler elementar ist, auf seinen Körper zu achten“, sagt Drux, „sonst kann das mit der Karriere auch ganz schnell vorbei sein.“ Ein abschreckendes Beispiel dafür kennen sie bei den Füchsen ja bereits: Beim langjährigen Spielmacher der Berliner, dem Polen Bartlomiej Jaszka, entwickelte sich eine vermeintlich normale Schulterverletzung derart negativ, dass sich die Berufsgenossenschaft mittlerweile des Falls angenommen hat. „Deshalb bin ich froh, dass die Trainer vorsichtig mit mir umgegangen sind, dass sie mir Zeit gegeben haben“, sagt Drux, „das ist nicht in jedem Verein so.“

Im Gegenzug können sie sich bei den Füchsen auf Paul Drux verlassen, sportlich ohnehin, aber auch als Identifikationsfigur des Vereins. In dieser Funktion wird der 20-Jährige am Montag einen Termin wahrnehmen, der ihm nicht ganz so leicht fallen dürfte: Beim Public Viewing des EM-Spiels Deutschland gegen Schweden am Monbijouplatz, zu dem ein Ausrüster eingeladen hat.

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