Nach Manipulationsvorwürfen : Kieler Handballer fangen neu an

Es ist wieder Ruhe eingekehrt beim THW Kiel. Die Manipulationsvorwürfe gegen den Rekordmeister, die den deutschen Handball in die schwerste Krise seiner Geschichte stürzten, haben Spuren hinterlassen.

Erik Eggers[Kiel]
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Unangenehme Fragen. Uwe Schwenker musste sich bis vor kurzem zu den Ungereimtheiten bei den Kielern äußern. Foto: dpadpa

Es ist wieder Ruhe eingekehrt beim THW Kiel. Die Manipulationsvorwürfe gegen den Rekordmeister, die den deutschen Handball in die schwerste Krise seiner Geschichte stürzten, haben freilich Spuren hinterlassen. Den Zehnkampf-Olympiasieger von 1964, Will Holdorf, der im Sommer als THW-Gesellschafter aufgab, beschäftigte der Skandal noch bei der Saisoneröffnung vergangenen Sonntag, die traditionell an einem Golfplatz an der Ostseeküste stattfand. Früher habe er keine Konsequenzen ziehen wollen: „Dann hätte das doch wie ein Schuldeingeständnis ausgesehen!“ Nicht anwesend war übrigens Uwe Schwenker, dessen Tätigkeit als THW-Geschäftsführer am 30. Juni geendet hatte. Doch sein Name ist präsent. Am Vorabend war der 50-Jährige nach einer launigen Rede von den „Zebrasprotten“, dem ältesten THW-Fanklub, lautstark gefeiert worden: Die Fans sehen in ihm den Mann, der den THW zum erfolgreichsten deutschen Handballverein formte.

„Auch hier kann der Name Schwenker ruhig genannt werden“, hieß es dann bei der Siegerehrung des Golfturniers. Obwohl mit Uli Derad ein neuer Geschäftsführer gefunden ist, wird Schwenker den Klub wie ein Phantom begleiten – zumindest bis die Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft gegen ihn beendet sind. Die Behörden werfen ihm Untreue vor. Es geht um 152 000 Euro, die für Schiedsrichterbestechung geflossen sein sollen. Wie lange das Verfahren läuft, ist unklar. Es habe sich am Stand der Ermittlungen nichts geändert, lässt die Staatsanwaltschaft wissen.

Ein Sportgerichtsverfahren, das auch den THW Kiel berührt, hat die Europäische Handball-Föderation inzwischen abgeschlossen: Der ukrainische Schiedsrichter Valentyn Vakula wurde für vier Jahre gesperrt, weil er die deutschen Schiedsrichter Marcus Helbig und Lars Geipel vor einem Champions League-Spiel bestechen wollte. Er hatte auch das Halbfinalhinspiel 2008 des THW gegen den FC Barcelona (41:31) mitgepfiffen, das ebenfalls unter Manipulationsverdacht steht.

Auch die Mannschaft steht vor einem Neuanfang. Der langjährige schwedische Kapitän Stefan Lövgren beendete seine Karriere, und das Duo Nikola Karabatic/Vid Kavticnik wechselte nach Montpellier, weil Welthandballer Karabatic sich in Kiel nicht genügend respektiert fühlte. Und doch: Der Optimismus der Mannschaft ist unerschütterlich. „Die Ziele werden sich nicht ändern“, sagt Filip Jicha. Will heißen: Der tschechische Rückraumstar strebt das Triple aus Deutscher Meisterschaft, Pokal und Champions League an. Marcus Ahlm, der neue Mannschaftskapitän, drückt es etwas zurückhaltender aus: „Wir haben tolle Neuzugänge und werden wieder ganz vorne mitspielen.“

Die 1,5 Millionen Euro aus dem Doppeltransfer Karabatic/Kavticnik investierte der Klub sofort wieder: Der serbische Halblinke Momir Ilic (VfL Gummersbach) war bester Feldtorschütze der vergangenen Bundesliga-Saison, Christian Sprenger und Tobias Reichmann (beide vom SC Magdeburg) sollen Kavticnik auf Rechtsaußen ersetzen, und den 19-Jährigen Isländer Aron Palmarsson, der zurzeit bei der Jugend-WM in Tunesien spielt, sieht Coach Alfred Gislason schon auf den Spuren des genialen Handballers Olafur Stefansson. Und dann ist da noch Daniel Narcisse (Chambery), den der THW am liebsten sofort an die Ostsee holen will. Den französischen Olympiasieger, einer der individuell stärksten Handballer der Welt, soll es wieder in die Bundesliga ziehen, und der THW hat das vielleicht beste Argument: Coach Gislason trainierte Narcisse einst beim VfL Gummersbach. Die beiden verstehen sich blendend.

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