Nach McLaren-Report : Keine Bob- und Skeleton-WM in Russland

Nach den jüngsten Doping-Enthüllungen im McLaren-Report gibt es die ersten Konsequenzen: So wird die Bob- und Skeleton-WM im Februar nicht wie ursprünglich geplant in Sotschi stattfinden.

Keine WM-Rennen und auch keine Dopingkontrollen: Bob und Skeletonfahrer werden ihre WM nicht in Sotschi austragen.
Keine WM-Rennen und auch keine Dopingkontrollen: Bob und Skeletonfahrer werden ihre WM nicht in Sotschi austragen.Foto: dpa

Erst massive Dopingvorwürfe gegen Russland nach dem McLaren-Report, dann zahlreiche Boykottdrohungen von Weltklasse-Nationen - nun musste der Internationale Bob- und Skeleton-Verband die Weltmeisterschaften Mitte Februar 2017 in Sotschi absagen. Das teilte die IBSF am Dienstagabend in Lausanne mit. Die Reaktionen bei Sportlern und Fans der Kufensportler waren im weltweiten Netz einstimmig: Endlich mal ein Verband, der Größe zeigt, hieß es unisono. Der WM-Vierte im Skeleton, Axel Jungk, postete wie viele seiner Kollegen per Facebook aus Lake Placid: „???? ???!“ (Nicht Sotschi!)

Die teilnehmenden Athleten und Trainer aus allen Nationen sollen sich auf eine WM konzentrieren können, heißt es in der Begründung, „die auf den Sport fokussiert ist und nicht vielmehr auf Anklagen und Diskussionen - ob gerechtfertigt oder nicht“. Der russische Bobverband habe große Anstrengungen bei der WM-Vorbereitung unternommen, bestätigte die IBSF. Doch „das gegenwärtige Klima macht es nahezu unmöglich, die Anstrengungen des Organisationskomitees zu schätzen“, so eine große Veranstaltung auszurichten.

Nach Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur sollen mehr als 1000 russische Sportler zwischen 2011 und 2015 Teil einer groß angelegten staatlichen Dopingpolitik gewesen sein. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge befand sich darunter auch Skeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow. Russland hat diese Vorwürfe, die sich auch gegen Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow (Zweier- und Viererbob) - heute Präsident des Russischen Bob- und Skeleton-Verbandes richten - vehement zurückgewiesen.

Rückt Deutschland als Ausrichter nach?

„Aus rein sportlicher Sicht ist es schade, denn wir hatten vor, uns in Sotschi für die Olympia-Pleite 2014 zu rehabilitieren. Doch im Sinne eines fairen Sports, dafür steht ja der Weltverband IBSF, und aufgrund der drohenden Boykotte, ist es eine logische Entscheidung“, sagte Bob-Cheftrainer René Spies am Abend der Deutschen Presse-Agentur.

Eigentlich wollten sich die Chefs der wichtigsten Bob- und Skeleton-Nationen am Donnerstag vor dem Start des zweiten Weltcups in Lake Placid zu einem Gipfeltreffen zusammenfinden. „Doch es gab erhebliche Meldungen, dass viele Weltklasse-Nationen Sotschi boykottiert hätten“, betonte Präsident Andreas Trautvetter vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD). Der zugleich im Weltverband als Finanzchef tätige Trautvetter sieht aufgrund der Absage und des gültigen Veranstalter-Vertrages mit Sotschi Mehrkosten auf den Weltverband zukommen - auch wegen der rechtlichen Lage. Denn im McLaren-Report stehe viel Pauschales, meinte Trautvetter, aber keine Namen und auch keine Beweise.

Laut IBSF-Mitteilung werde „in den kommenden Tagen“ über den neuen Austragungsort entschieden. Erfahrungsgemäß springen bei solchen Absagen oft die deutschen Veranstalter mit einer der drei Bahnen ein. „Ich habe BSD-Generalsekretär Thomas Schwab gebeten, einen Plan B zu erstellen. Die Ausrichter in Königssee haben schon mehrmals gezeigt, dass sie solche Events auch kurzfristig umsetzen können“, sagte Trautvetter. Möglich wäre auch eine Teilung. Nach dem letzten Weltcup in Europa in Innbruck/Igls könnten die Skeletonis auf der WM-Bahn von 2016 ihre Weltmeister ermitteln - und in Königssee fahren die Bobs. (dpa)

3 Kommentare

Neuester Kommentar