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Nach Nazi-Parolen im Stadion : Mehr Kontrolle bei Ticketvergabe - Polizei sucht Schuldige

DFB-Chef Grindel fordert eine europaweite Kontrolle der Ticketverkäufe. Die sächsische Polizei hat erste Fans identifiziert - zwei von ihnen hatten Gefährderanschreiben bekommen.

Seit rund einem Jahr ist Reinhard Grindel DFB-Präsident.
Seit rund einem Jahr ist Reinhard Grindel DFB-Präsident.Foto: Martin Schutt/dpa

Nach dem Fan-Eklat beim Spiel der deutschen Nationalelf in Prag will DFB-Präsident Reinhard Grindel schärfere Zugangsbestimmungen in europäischen Fußball-Stadien erwirken. „Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes dem „Kicker“ (Montag). Grindel will bei der Exekutivsitzung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am 20. September einen entsprechenden Vorstoß unternehmen.

Rund 200 Pöbel-Fans hatten am Freitag mit Nazi-Parolen und verbalen Entgleisungen gegen den DFB und einige Nationalspieler wie Torschütze Timo Werner gehetzt. Die sächsische Polizei identifizierte bei der Sichtung des Bildmaterials von der Partie bislang mindestens 13 Angehörige der Dresdner Fanszene. Zwei von ihnen hätten zuvor Gefährderanschreiben erhalten, teilte Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar am Montag mit.

„Da Gefährderanschreiben allein offensichtlich nicht in jedem Fall von einer Anreise abhalten, werden wir zukünftig auch Meldeauflagen als weiteren präventiven Baustein prüfen“, sagte Kretzschmar. Den identifizierten Dresdnern werden von den tschechischen Behörden offenbar derzeit keine Straftaten vorgeworfen. Nach Angaben der Prager Polizei gab es bis zum Montag keine Ermittlungen in der Sache.

Tickets wurden nicht über den offiziellen Weg bezogen

Die Bundespolizei hatte im Vorfeld des Spiels sieben mutmaßlichen Hooligans bei Kontrollen am Grenzübergang der Autobahn A17 südlich von Dresden die Ausreise verweigert. Es habe sich um Präventivmaßnahmen gehandelt, weil es Anzeichen gegeben habe, „dass diese Personen zu diesem Anlass nach Tschechien einreisen wollten“. Bei ihnen seien auch Vermummungsgegenstände und Pyrotechnik gefunden worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Pirna.

Die Hooligans in der Prager Eden-Arena hatten ihre Eintrittskarten nach Angaben von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nicht über den offiziellen Verkaufsweg des DFB bezogen. „Wir haben bei uns eine nachvollziehbare Abgabe unserer Kontingente über den Fanclub Nationalmannschaft. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in Ländern wie San Marino oder Tschechien keine absolute Sicherheit gibt, weil dort zum Beispiel von Einheimischen unkontrolliert Tickets weitergegeben werden und in den freien Verkauf gelangen“, sagte DFB-Chef Grindel.

Offen war zunächst noch, ob die zuständigen Verbände Ermittlungen wegen der Vorfälle in Prag einleiten. Der Weltverband FIFA wollte zunächst den offiziellen Spielbericht prüfen, wie es auf Anfrage am Montag hieß. Erst dann könne über mögliche Sanktionen entschieden werden.

Die DFB-Verantwortlichen forderten nach den Szenen von Prag einhellig, die Problemfans auszugrenzen. „Diese Leute, die Neonazi-Sprüche machen, die andere zum Teil menschenverachtend beleidigen - gehört das zur Fankultur oder nicht? Ich bin der Auffassung, es gehört nicht zur Fankultur“, sagte Grindel am Sonntagabend im SWR-Fernsehen. Alle friedlichen Fans sollten den Krawallmachern „die Rote Karte zeigen“, meinte Grindel. Bundestrainer Joachim Löw hatte zuvor gesagt: „„Diese Chaoten wollen wir nicht, das sind nicht unsere Fans. Ihr Verhalten ist zutiefst verachtenswert.“ (dpa)

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