• Nach Niederlage der Deutschen: Kaum Schadenfreude: England erwähnt den Krieg nicht

Nach Niederlage der Deutschen : Kaum Schadenfreude: England erwähnt den Krieg nicht

Von wegen Schadenfreude – den früheren Erzfeind Deutschland haben die Engländer inzwischen zu schätzen gelernt. Das liegt vor allem an den guten Erfahrungen mit deutscher Gastfreundschaft bei der WM 2006. Die deutsche Niederlage gegen Kroatien gab deshalb keinen Anlass zu Schadenfreude - mit einer Ausnahme.

Hannes Heine[London]

Als die Kroaten am Donnerstagabend das deutsche Team besiegten, war zumindest in Chelsea, dem Londoner Viertel der Besserverdienenden, die Stimmung eher gedrückt. „Lieber für die Deutschen, die spielen immerhin sauber“, erklärte ein Kroatienkritiker ungefragt in einem vollen Pub bei Spielende. In noblen Hauptstadtbezirk ist man inzwischen an Deutsche gewöhnt, schließlich kickt Michael Ballack seit 2006 für den FC Chelsea. Und das Boulevardblatt „Sun“ – die auflagenstärkste Zeitung des Landes ist sonst um Krawallnationalismus mit möglichst vielen Anspielungen auf den Zweiten Weltkrig nicht verlegen – urteilt am nächsten Tag sachlich und nach dem Grundsatz "Don't mention the war": „Die Deutschen haben gegen Spielende ihre Disziplin verloren.“ Ansonsten wird das Spiel in den Zeitungen eher als Anlass zur Warnung an den eigenen Trainer Fabio Capello genutzt: Hier hat ein Team den Favoriten Deutschland geschlagen, das in der WM-Qualifikation demnächst wieder gegen England antritt. Also Achtung!

Von Jens Lehmann, der beim FC Arsenal unter Vertrag steht, hätte man vielleicht ein bisschen mehr erwartet, obwohl er in seinem Club zuletzt nur die Nummer zwei war. Die Kroaten hätten einfach besser gespielt, heißt es außerdem in vielen Blättern. Doch kaum jemand scheint ihnen den Sieg wirklich zu gönnen: Die Engländer haben offenbar nicht vergessen, dass Kroatien ihr Land bei der EM-Qualifikation besiegt hat, wodurch sich England nicht für die EM qualifizierte.

Schadenfroh ist nur das Flaggschiff antideutscher Stimmungsmache - der linkspopulistische „Daily Mirror“: „Wenn es Genugtuung für deprimierte Englandfans gibt, dann doch wohl die erniedrigten Deutschen.“ Die deutsche Elf habe wie ein Alt-Herren-Verein gewirkt.

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