Update

Nach Pause wegen Depressionen : Constantin Braun gibt Comeback bei den Eisbären

Trainiert hat Constantin Braun schon seit einigen Wochen wieder bei den Eisbären. Nun wird der an einer akuten Depression erkrankte Verteidiger bereits am Freitag gegen München sein Comeback in der Deutschen Eishockey-Liga geben.

von
Constantin Braun kann wieder lachen - und wird auch bald wieder Eishockey spielen.
Constantin Braun kann wieder lachen - und wird auch bald wieder Eishockey spielen.Foto: Imago

Das Training der Eisbären war lange vorbei, als am Donnerstag einer ihrer Profis noch in Sportunterwäsche durch den Wellblechpalast schlappte. Constantin Braun schaute beim Training von RB München zu. Der Berliner Gegner vom Freitag trainierte nach den Eisbären im Sportforum. Braun saß neben Trainer Jeff Tomlinson auf der Tribüne, zuvor hatte er noch an der Eisfläche mit einigen Münchner Spielern, ehemaligen Kollegen aus dem Eishockey-Nationalteam, ein Schwätzchen gehalten. Ein Lächeln hier, ein Lächeln da und ein Foto mit Eisbären-Fans dort. Constantin Braun wirkte so, als wolle er allen zeigen, dass er an diesem Tag der glücklichste Mensch von Hohenschönhausen war. Vermutlich war er es auch: Denn am Freitag soll der Verteidiger für die Eisbären sein Comeback geben, beim Spiel gegen München (19.30 Uhr) in der Arena Ostbahnhof. Seit April hat Braun nicht mehr Eishockey gespielt. Nicht wegen einer körperlichen Verletzung, sondern wegen seiner psychischen Erkrankung. Braun ist wegen akuter Depressionen in Behandlung.

Die schnelle Rückkehr in den Spielbetrieb überraschte Braun nach Angaben des Klubmanagers selbst. „Constantin hat mich zwar zwei Wochen lang genervt“, sagt Peter John Lee. „Aber als ich ihm nun gesagt habe, dass er spielt, da war er sprachlos.“ Es ging ja alles auch sehr schnell: Am 2. August hatte der 25 Jahre alte Nationalspieler seine Erkrankung öffentlich gemacht, hatte erklärt, dass er eine akute Depression hat und sich zur Therapie verabschiedet. Ende Oktober hatte er erstmals wieder mit den Eisbären trainiert. Nach einem weiteren Klinikaufenthalt in Baden-Württemberg hat er seit zwei Wochen wieder trainiert. Nun hat sich Lee mit Brauns Ärzten und Psychologen beraten. Alle würden das Comeback befürworten: „Als Teil der Therapie.“

Sportlich gesehen, sagt Trainer Tomlinson, sei die Rückkehr von Braun in den Kader richtig. Aber was heißt das schon? Niemand kann wohl so recht einschätzen, wie sehr Braun seine Qualitäten auf dem Eis einsetzen kann. Noch wirkt er so, als brauche er Zeit, um vollständig im Eisbären-Kosmos anzukommen. Lange Interviews will er noch nicht geben. Die Eisbären-Verantwortlichen sind sehr bemüht, ihren Spieler vor der Öffentlichkeit zu schützen. Was dann aber spätestens am Freitag vor 13 000 Zuschauern in der Arena wohl schwieriger wird.

Constantin Braun sagte am Donnerstag selbst nur ein paar nette Sätze. „Ich freue mich riesig darauf, mit den Jungs wieder aufs Eis gehen zu können und Spaß zu haben.“ Natürlich hoffe er, dass seine Mannschaft gegen München gewinne. „Hauptsächlich geht es mir aber darum, wieder reinzukommen und mit ganz viel Spaß alles zu genießen.“ Und ein bisschen spielte er auch schon wieder den alten, selbstbewussten Constantin Braun. Er soll im Spiel gegen München mit Alex Trivellato das dritte Verteidigerpaar bilden. „Ein guter junger Spieler“, sagte Braun über Trivellato. „Ich habe ihm schon mal erklärt, wie ich’s dann im Spiel gerne hätte.“

Für die Eisbären war der großgewachsene und gute Schlittschuhläufer Braun mit seiner Spielweise immer wichtig. In den vergangenen Play-offs war er ihr stärkster Verteidiger – auch rhetorisch, wenn es um markige Worte auf und abseits der Eisfläche ging. Diesen Braun aber, den gibt es so nicht mehr. Er ist als Mensch greifbarer geworden. Und für den Menschen Braun kann die Rückkehr in seinen Beruf therapeutisch positiv wirken. Obwohl es da im Profisport genug gegenteilige Beispiele gibt .

So hat dann die Geschichte Constantin Braun mit dem Comeback auf dem Eis wohl noch kein Happy End. Eine Depression ist therapierbar, aber Menschen atmen sie nicht so weg wie eine Erkältung. Womöglich aber ist Constantin Braun auf dem Wege zu seinem Happy End.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben