Nach Platz vier in Barcelona : Michael Schumacher: Der Groove ist zurück

Mit dem vierten Platz in Spanien hat sich Michael Schumacher wieder ein bisschen Respekt verschafft – was auch an seinem Überholmanöver gegen Jenson Button in der Boxen-Gasse lag.

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Nachdenklich. Trotz des vierten Platzes ist Michael Schumacher nicht zufrieden. Foto: dpa
Nachdenklich. Trotz des vierten Platzes ist Michael Schumacher nicht zufrieden. Foto: dpaFoto: dpa

So langsam groovt sich Michael Schumacher wieder ein. Beim Großen Preis von Spanien errang der Mercedes-Pilot als Vierter nicht nur das beste Ergebnis seit seiner Rückkehr – der Rekordweltmeister durfte außerdem die erste Kontroverse in seiner noch jungen zweiten Karriere feiern. Mit altbekannter Kompromisslosigkeit hatte Schumacher den verpatzten Stopp von Jenson Button ausgenutzt und den McLaren-Piloten am Ausgang der Boxengasse überrumpelt. Der aktuelle Weltmeister zeigte sich davon anschließend gar nicht angetan. „Er ist nach innen gezogen, und wenn ich nicht zurückgesteckt hätte, hätte es gekracht“, erklärte Button sauer. „Er hat mir nicht viel Raum gelassen. Man sollte meinen, dass er es mit seiner Erfahrung besser wissen müsste – das war nicht das richtige Manöver.“

Für Schumacher war es das schon. Nach Wochen voller Kritik, Zweifel an seiner Entschlossenheit und bisweilen sogar Mitleidsbekundungen verschafft sich der Altmeister der Grand-Prix-Szene langsam wieder den Respekt, der einem siebenmaligen Champion gebühren sollte. „Es gibt mit 41 Jahren wahrscheinlich nicht viele, die überhaupt noch in der Lage sind, mit den Jungs mitzufahren und wettbewerbsfähig zu sein“, erklärte er, „ich glaube, dass ich dies nach wie vor von mir sagen kann.“

Leider konnte man das von Schumachers Wagen nicht behaupten. Der umgebaute Mercedes schlingerte dem Rennsieger Mark Webber im Red Bull meilenweit hinterher, und es war nur der zum Überholen ungeeigneten Strecke und seinen Fahrkünsten zu verdanken, dass er Button bis zum Rennende hinter sich halten konnte. „Insgesamt gibt es keine Diskussion: Wir waren zu langsam“, gab Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu. „Aber das, was Michael daraus gemacht hat, war große Klasse.“

Mit dem angepeilten Titel dürfte es so aber schwierig werden, zumal der zweite Mercedes mit Nico Rosberg am Steuer als 13. eine ganze Klasse hinter Schumacher durch die Gegend gurkte. Rosberg rutschte dadurch in der WM-Wertung vom zweiten auf den fünften Rang ab, und seine kryptischen Aussagen („Irgendwas ist nicht ganz richtig an meinem Auto“) befeuerten die Vermutungen der Verschwörungstheoretiker, wonach der Mercedes vor allem auf Schumachers Fahrstil getrimmt wurde. Dem trat der Rennstall jedoch entgegen – von einer Vorzugsbehandlung wollte Schumachers alter Wegbegleiter Ross Brawn nichts wissen. „Wir richten uns bestimmt nicht nur auf die Bedürfnisse eines unserer Piloten aus“, sagte er, „beide Fahrer können sich bei Änderungen am Auto einbringen.“ Den Rückstand des bislang überlegenen Rosberg auf Schumacher erklärte Haug mit dessen Startkollision mit Robert Kubicas Renault.

Schumacher scheint nach einer Eingewöhnungsphase und vier Niederlagen in Folge zu seinem Teamkollegen aufgeschlossen zu haben. Rosberg hatte schon vor dem Rennen davor gewarnt, seinen 17 Jahre älteren Stallrivalen zu früh abzuschreiben. „Nico und Michael werden bis zum Ende des Jahres mehr oder weniger gleichauf gegeneinander kämpfen“, glaubt Brawn, „mal wird der eine vorn sein, mal der andere.“

Das könnte auch bei Red Bull der Fall sein – zum Leidwesen von Sebastian Vettel. Mal wieder hatte er den Vorteil des schnellsten Autos nicht zum Triumph nutzen können. Zwar raste sein Teamkollege Mark Webber so ungefährdet zum Sieg, dass die Konkurrenz um Ferrari, McLaren und Mercedes eine seltene Formel-1-Koalition bildete und nun in einer Task-Force das Geheimnis des RB6 ergründen will.

Vettel dagegen sah sich mit einem längst bezwungen geglaubten Gegner konfrontiert: dem Schlendrian bei Red Bull. Ein unerklärlicher Leistungsabfall seines Wagens, ein schlampig getimter Boxenstopp, ein Bremsdefekt und die voreilige Anweisung seines Teams, deswegen besser aufzugeben – der nur schwer zu übersehende Frust des 22-Jährigen war verständlich. Trotz allen Ungemachs entschied sich Vettel zum Kämpfen, schleppte sich trotz explodierter linker Vorderbremse ins Ziel und wurde belohnt. „Ich habe es geschafft, ohne Bremsen Dritter zu werden“, sagte er nicht ohne Stolz. Doch die Bemühungen, seinem Team und Auto im Kampf um die WM das Laissez-faire auszutreiben, das ihn im vergangenen Jahr den Titel kostete, scheinen nicht von außerordentlichem Erfolg gekrönt zu sein. Fast zynisch klang es, dass er inzwischen eine „50:50-Chance“ ausgemacht haben wollte, den Red Bull heil ins Ziel zu bringen, „und diesmal hat es eben Mark geschafft“. Wenn das stimmt, müsste sich Vettel nicht allzu lange grämen: Gemäß dieser Arithmetik wäre Vettel schon am Sonntag mit einem Sieg in Monaco dran.

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