• Nach Platzverweis: Entscheidung über Löw auf Mittwoch vertagt - zunächst automatische Sperre für ein Spiel

Nach Platzverweis : Entscheidung über Löw auf Mittwoch vertagt - zunächst automatische Sperre für ein Spiel

Erst am morgigen Mittwoch entscheidet die Europäische Fußball-Union über Sanktionen gegen Bundestrainer Joachim Löw. Dies gab die Uefa am Dienstag in Wien bekannt. Bis zu einer endgültigen Entscheidung ist Löw nach den Regeln der Uefa automatisch für das nächste Spiel gesperrt. Die Uefa kann diese Sperre aber am Mittwoch aufheben.

Entgegen einer ersten Uefa-Mitteilung ist Löw nach den Regeln der Europäischen Fußball-Union für das nächste EM-Spiel gesperrt. Artikel 9 Absatz 1 der Uefa-Regularien sieht vor, dass ein Coach nach einer Hinausstellung durch den Referee eine Partie pausieren muss. Dieses Urteil gilt bis zu einer anderen Entscheidung der Uefa-Disziplinarkommission. Dieses Gremium wird an diesem Mittwoch beraten und festlegen, ob Löw im EM-Viertelfinale am Donnerstag gegen Portugal tatsächlich gesperrt sein wird. Der Bundestrainer war am Montagabend beim 1:0-Erfolg wie sein österreichischer Kollege Josef Hickersberger vom Platz verwiesen worden.

Löw und Hickersberger waren beim 1:0-Vorrundensieg Deutschlands kurz vor der Pause von Schiedsrichter Mejuto Gonzales (Spanien) nach einem Streit mit dem vierten Schiedsrichter auf die Tribüne verbannt worden. Bei dem Streit ging es darum, ob die beiden Trainer ihre Coachingzonen verlassen hätten oder nicht.

Die Uefa will erst noch den Bericht des Unparteiischen sowie der beiden nationalen Verbände abwarten. Nach dem Reglement der Uefa ist Löw automatisch für ein Spiel gesperrt, kommt nach einer entsprechenden Entscheidung der Uefa aber möglicherweise ohne Strafe davon.

Artikel 9 Absatz 1 der UEFA-Regularien erläutert die Strafregelung bei Platzverweisen und liest sich wie folgt:

Artikel 9 Ausschluss und mehrfache Verwarnungen

1 Bis zu einer anderen Entscheidung durch die Disziplinarkommission ist ein des Feldes verwiesener Spieler oder ein aus der technischen Zone verwiesener Offizieller automatisch für das nächste Spiel des Wettbewerbs gesperrt, in dem der Ausschluss erfolgte.

Was aber ist die Ausgabe des so genannten vierten Schiedsrichters? Seit 1991 werden die Schiedsrichter im Profi-Fußball
nicht nur durch ihre beiden Assistenten an der Seitenlinie, sondern noch durch einen weiteren Offiziellen unterstützt. Dieser ist in
der Regel auch ein ausgebildeter Schiedsrichter und hat durch das International Football Association Board klar umrissene Aufgaben. So muss er

- die Auswechselvorgänge während des Spieles vornehmen und die Ausrüstung der Ersatzspieler kontrollieren;
- den Einsatz der Ersatzbälle überwachen;
- dem Schiedsrichter mitteilen, wenn aufgrund einer Verwechslung der falsche Spieler verwarnt wird oder ein Spieler nicht
des Feldes verwiesen wird, obwohl er eine zweite Verwarnung erhalten hat, oder wenn außerhalb des Blickfelds des Schiedsrichters
und der Schiedsrichter-Assistenten gewaltsam gespielt wird. Die Entscheidung verbleibt jedoch beim Schiedsrichter;
- dem Schiedsrichter mitteilen, falls sich eine oder mehrere Personen in der technischen Zone ungebührlich benehmen;
- die vorgeschlagene Nachspielzeit anzeigen.

Der vorletzte genannte Punkt führte am Montagabend zur Hinausstellung von Bundestrainer Joachim Löw und Österreichs Coach
Josef Hickersberger auf Intervention durch den vierten Offiziellen Damir Skomina aus Slowenien.
 
Die bislang bekannteste Einflussnahme eines vierten Offiziellen geschah jedoch beim WM-Finale 2006 zwischen Italien und Frankreich, als der Spanier Luiz Medina Cantalejo Schiedsrichter Horacio Elizondo (Argentinien) auf den Kopfstoß von Zinedine Zidane gegen Marco Materazzi aufmerksam gemacht hatte. Erst daraufhin wurde der Franzose des Feldes verwiesen.

Bei der EM in Österreich und der Schweiz kommen acht vierte Offizielle aus acht verschiedenen Ländern ausschließlich in dieser Funktion zum Einsatz. Sollte ein Schiedsrichter verletzt ausfallen, würde der jeweilige vierte Offizielle als Ersatzmann einspringen. Dessen Position würde dann der sogenannte fünfte Offizielle übernehmen, der gleichzeitig Ersatzmann bei einem Ausfall eines Schiedsrichter-Assistenten wäre. (dpa)

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