Nach Rassismusvorfall : Berlusconi gratuliert Boateng

Nach den rassistischen Schmähungen gegen dunkelhäutige Profis des AC Mailand bei einem Testspiel in Italien hat der frühere Ministerpräsident und Klubboss Silvio Berlusconi den Mut seiner Spieler gelobt.

Silvio Berlusconi ist mit Kevin-Prince Boateng einer Meinung.
Silvio Berlusconi ist mit Kevin-Prince Boateng einer Meinung.Foto: p-a/dpa

Silvio Berlusconi, ehemaliger italienischer Ministerpräsident und Besitzer des Fußballklubs AC Mailand, hat das Verhalten der Spieler seines Vereins nach den rassistischen Schmähungen bei einem Testspiel gelobt. "Ich gratuliere meinen Spielern für ihren Mut", sagte Berlusconi am Montag dem Sender Tgcom24. Berlusconi betonte, dass er nicht mit Fifa-Präsident Joseph Blatter übereinstimme: "Ich habe eine andere Meinung."

Beim Testspiel des AC Mailand beim italienischen Viertligisten Pro Patria hatte Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng nach 26 Minuten den Platz verlassen, weil gegnerische Fans ihn und die übrigen dunkelhäutigen Milan-Spieler fortwährend verhöhnten. Das Spiel wurde abgebrochen.

Blatter hatte den eigenmächtigen Abgang Boatengs kritisiert. Es sei auf lange Sicht keine Lösung, dass ein Spieler einfach vom Feld gehe. Am Montag in Zürich räumte er aber ein: "Wenn ein Spieler vom Feld geht, weil er rassistisch beschimpft wurde, so wie es Kevin-Prince Boateng getan hat, ist es ein starkes und mutiges Signal. Es ist eine Art zu sagen: 'Bis hierhin und nicht weiter.' Das ist lobenswert."

Unterdessen sind die ersten Fans, die an der Aktion beteiligt waren, zu einem Stadionverbot von fünf Jahren verurteilt worden. Unter den sechs Männern befindet sich auch ein Lokalpolitiker der norditalienischen Regionalpartei Lega Nord. Der Jugend- und Sportassessor der Gemeinde Corbetta bestritt einen rassistischen Hintergrund, wie die "Gazzetta dello Sport" am Dienstag berichtete. Er habe vor allem Milans Kapitän Massimo Ambrosini und
weniger den farbigen Kevin-Prince Boateng ausgebuht, behauptete der 21-Jährige, der sein politisches Amt am Montag an den Bürgermeister des Ortes übergab.

Der Präsident des italienischen Fußballverbands Giancarlo Abete begrüßte die schnelle Verurteilung der auf Video-Aufzeichnungen identifizierten Störenfriede am Montagabend. "Ich hoffe, dass noch tausende Stadionverbote auch von fünf Jahren kommen", sagt Abete. "Lasst uns sie aus den Stadien werfen", forderte der Verbandschef. (dpa)

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