Nach "Scheiß-Land"-Aussage : Résistance gegen Zlatan Ibrahimovic

Zlatan Ibrahimovic von Paris St. Germain hat einen Schiedsrichter so kritisiert, dass sich gleich ganz Frankreich angegriffen fühlte. Manche fordern nun, den Schweden zu sperren, andere sogar, ihn auszuweisen. Unter dem Strich bleibt jedoch ein historisches Verdienst. Ein Kommentar

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Großer Mann - was nun? Zlatan Ibrahimovic muss vom Platz.
Großer Mann - was nun? Zlatan Ibrahimovic muss vom Platz.Foto: AFP

Zlatan Ibrahimovic hat am Sonntagabend beim Verlassen des Fußballplatzes eigentlich nur das getan, was so ziemlich alle Spieler, Trainer, Manager auf der ganzen Welt tun, nämlich über den Schiedsrichter geschimpft. Die Kritik an einer Fehlentscheidung nach der Niederlage seines Klubs Paris St. Germain in Bordeaux an sich war in der Sache zutreffend.

Aber er hat sie eben formuliert, wie Zlatan Ibrahimovic auch sonst durch Leben wandelt, auf und neben dem Fußballplatz. Die entscheidende Passage ging so: „Ich spiele schon 15 Jahre Fußball und habe nie einen solchen Schiedsrichter gesehen wie in diesem Scheiß-Land.“

So ungefähr äußert sich in Deutschland jeder Rapper, der ein bisschen was auf sich hält. Aber erstens ist Fußball nicht Rap und zweitens Frankreich nun mal eine Grande Nation, die sich nicht so leicht beleidigen lässt von einem dahergelaufenen Weltstar. Ein Land fordert Satisfaktion, ein paar Spiele Sperre müssen es schon sein, und warum nicht gleich abschieben? „Frankreich ist ein Land, das du liebst oder verlässt“, sagt Marine Le Pen.

Würden die Franzosen ihr Land noch lieben, wenn Le Pen an die Macht käme?

Es sei mal dahingestellt, ob so viele Franzosen ihr Land noch lieben würden, sollte die Vorsitzende des rechtsgerichteten Front National einmal an die Macht kommen. Das wäre jetzt eine schöne Pointe, wenn denn das offizielle Frankreich einmütig hergefallen wäre über Madame Le Pen und ihr gar nicht so heimlich vorgetragenes Ausweisungsbegehren gegen einen schwedischen Gastarbeiter mit kroatisch-bosnischem Migrationshintergrund. Doch dem war nicht so.

„Die Enttäuschung von Ibrahimovic rechtfertigt nicht die beleidigenden Äußerungen gegenüber dem Schiedsrichter und dem Land, das ihn aufnimmt“, giftete etwa der sozialistische Minister Patrick Kanner. Sein Parteifreund Jérôme Guedj ließ Ibrahimovic wissen, er solle „Fußball spielen und die Klappe halten“. Unter dem Strich bleibt ein historisches Verdienst. Mit einem Sätzchen hat Ibrahimovic das angeblich so zerrissene Frankreich geeint, wie es zuletzt Charles de Gaulle in den Zeiten der Résistance gelungen ist.

Gut, dass er nicht die Klappe gehalten und nur Fußball gespielt hat.

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