• Nach seinem katastrophalen Fehler droht Torwart Jens Lehmann sogar das Aus im Nationalteam

Sport : Nach seinem katastrophalen Fehler droht Torwart Jens Lehmann sogar das Aus im Nationalteam

Zehn Minuten vor Mitternacht packte der Anti-Held des Abends Ballnetz, Sporttasche und den ganzen Frust in sein Auto und düste einsam zurück nach Dortmund. "Wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, dann kommt es immer noch schlimmer", sagte Jens Lehmann und verabschiedete sich aus Kaiserslautern. Auf der Autobahn wird dem Torhüter noch mehrmals diese Szene in der 33. Minute durch den Kopf gegangen sein: Hakan Yakin trat den Ball aus 25 Metern als "Schüsschen" in Richtung deutsches Gehäuse - und er rutschte über Lehmanns Hand und Körper hinweg ins Netz.

"Habe ich etwas verbrochen? Habe ich jemandem persönlich wehgetan?", dachte der Nationaltorwart Nummer zwei in diesem Augenblick. Für vier, fünf Sekunden schloss Lehmann einfach die Augen, in der Hoffnung, ihn könne so niemand sehen. Doch als er die Augen öffnete, lag der Ball immer noch im Netz. "Bislang sind mir die Bälle, soweit ich mich erinnern kann, immer in die Hände geflattert", sagte Lehmann, "ich weiß nicht, woran es liegt."

Fünf dicke Fehler in Dortmund, nun der Fehlgriff im DFB-Tor. "Es gibt so Phasen im Leben, da hat man Pech. Ich kann nur hoffen, dass diese Phase möglichst schnell vorbei ist", sagte Lehmannn. Eigentlich wollte er den jüngsten Fehlgriff aus dem Bayern-Spiel vergessen machen. Doch der Therapie-Versuch von Erich Ribbeck, Lehmann aufzubieten und Oliver Kahn zu schonen, ging völlig daneben.

Der Beistand aus dem Kollegenkreis hielt sich in Grenzen. Nach seinem Lapsus erhielt Lehmann einzig von Markus Babbel einen aufmunternden Klaps. Und der krisenerprobte Lothar Matthäus hatte als Rezept nur parat: "Da muss er durch."

Ribbeck sieht sich nun mit einem neuen Problem konfrontiert: Kann man Lehmann in diesem Zustand überhaupt mit zur EM nehmen? Der Teamchef sagte: "Ich kann mich nur bedingt hinter einen Spieler stellen, um ihm das Gefühl zu geben, dass ich ihm glaube. Da wäre die Hilfe von allen Deutschen nötig." In Kaiserslautern erntete er nur noch Hohn und Spott. Die Fans riefen sogar nach Kaiserslauterns Keeper Andreas Reinke. Lehmann wollte das nicht bemerkt haben und sagte: "Die Zuschauer waren sehr nett zu mir, was nicht immer der Fall ist, wenn man so einen Fehler macht." Er meinte das ausdrücklich nicht ironisch.

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