• Nach Sevilla statt zur Sitzung Selbst die Politik fiebert beim Uefa-Cup-Finale mit dem FC Porto

Sport : Nach Sevilla statt zur Sitzung Selbst die Politik fiebert beim Uefa-Cup-Finale mit dem FC Porto

Tilo Wagner

Lissabon. Wenn ein portugiesischer Fußballverein im Uefa-Cup-Endspiel steht, bewegt sich in Portugal nichts mehr. Selbst das Parlament in Lissabon bangt darum, die 46 Abgeordneten zusammenzukriegen, die es für eine beschlussfähige Sitzung benötigt. Denn die große Mehrheit der Parlamentarier spielt mit dem Gedanken, am Mittwoch noch kurzfristig in den nicht allzu weit entfernten Endspielort Sevilla zu fahren, um den FC Porto im Finale gegen Celtic Glasgow anzufeuern (20.30 Uhr, live im ZDF). Schließlich ist es das erste Mal seit 16 Jahren, dass ein portugiesischer Klub wieder in einem europäischen Endspiel steht. Damals gewann der FC Porto das Finale im Europapokal der Landesmeister gegen Bayern München.

Dass viele Portugiesen mit dem FC Porto mitfiebern, liegt nicht nur an einem ausgeprägten Hang zum Patriotismus, sondern auch am Verlauf der diesjährigen Meisterschaft in Portugal. Mit Abschluss der Hinrunde hatte der FC Porto bereits 14 Punkte Vorsprung auf Meister Sporting Lissabon. Da die spielerische Überlegenheit der Drachen, wie die Spieler vom FC Porto genannt werden, auch vom Stadtrivalen und Zweitplatzierten Benfica frühzeitig anerkannt worden war, blieben diesmal die verbalen Scharmützel aus, die sonst das Klima zwischen den großen Vereinen Portugals gegen Ende der Saison spürbar vergiften.

Ein bisschen Wehmut wird in den Augen der Benfica-Anhänger trotzdem zurückbleiben, verschmähte der Verein doch zwei der wichtigsten Spieler des FC Porto: Maniche und Deco. Beide Spieler trugen für kurze Zeit das Trikot des Traditionsvereins aus Lissabon, ohne dass sie ihre wahren Spielmacherqualitäten entwickeln konnten. Doch unter Portos Trainer José Mourinho avancierten Deco, Maniche und der hoch gelobte Rechtsaußen Paulo Ferreira zu Nationalspielern und sind nun echte Konkurrenten für die portugiesischen Superstars Figo und Rui Costa. Dass Mourinho auch autoritäre Führungsqualitäten besitzt, musste vor allem Torhüter Vitor Baia lernen. Als Baia im Herbst lautstark Kritik am Trainer übte, warf ihn Mourinho kurzerhand aus dem Kader und nahm den Torhüter erst wieder auf, nachdem dieser öffentlich um Vergebung gebeten hatte. Baia gab sich fortan ungewohnt bescheiden und spielte eine derart gute Saison, dass ihn wohl selbst seine Kritiker wieder ins Nationalteam stellen würden.

Team und Trainer arbeiten beim FC Porto auch deshalb so gut, weil im Umfeld des Vereins Ruhe herrscht. Im Vergleich zu den Skandalen des ewigen Rivalen Benfica Lissabon, dessen ehemalige Präsidenten schon mal wegen Korruption im Gefängnis landen, ist beim FC Porto der Hauptschauplatz das Stadion. Verantwortlich hierfür ist vor allem Pinto da Costa, der seit über einem Vierteljahrhundert beim FC Porto das Sagen hat. Den Meistertitel hat der FC Porto schon, Uefa-Pokalsieger kann er beim Endspiel in Sevilla werden, und Anfang Juni will der Klub im Pokalendspiel gegen Außenseiter União de Leiria dann den dritten Titel holen.

Einen tragischen Unfall hat es einen Tag vor dem Finale gegeben. Ein Fan des FC Porto ist in einem Fluß in Sevilla ertrunken.

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