Nach Sieg in Kiel : Klopp wütend über die Bodenverhältnisse

Das Spiel der Dortmunder bei Holstein Kiel war nicht besonders aufregend, dafür sorgte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach Abpfiff für Spannungen.

Erik Eggers
Jubel auf Eis. Erleichtert feierten die Dortmunder Spieler den Einzug ins Halbfinale. Foto: dapd
Jubel auf Eis. Erleichtert feierten die Dortmunder Spieler den Einzug ins Halbfinale.Foto: dapd

Der Trainer hatte wieder die Säge gezeigt, jene seltsame Form des Jubels, die einst Stefan Kuntz nach Toren in der Bundesliga kultiviert hatte. Mit diesen ekstatischen Ausbrüchen an der Seitenlinie demonstrierte Jürgen Klopp, dass Trainer und Spieler Borussia Dortmunds das DFB-Pokal-Viertelfinale beim Viertligisten Holstein Kiel überaus ernst genommen hatten. „Ich war aufgrund der ganzen Konstellation so heiß und so unter Strom, dass ich den Jungs den Eindruck vermitteln konnte, hier geht es um die Weltmeisterschaft“, sagte Klopp später. Als der souveräne 4:0-Sieg des Deutschen Meisters in der norddeutschen Fußballprovinz besiegelt war, schlug dieser Jubel um in Wut. Nicht der eisige Ostwind, der durch das Holstein-Stadion wehte, hatte ihnen dabei die Röte ins Gesicht getrieben. Sondern der Zorn ob der üblen Bodenverhältnisse.

Die Kieler hatten sich größte Mühe gegeben, den Rasen in einen bespielbaren Zustand zu bringen, ein neuer Rollrasen war im Januar verlegt worden, und als der Frost über Deutschland hereinbrach, schützten eine Zeltkonstruktion und ständige Warmluft das Grün. Erst drei Stunden vor Anpfiff hatten die Gastgeber die riesige Plane entfernen lassen, aber all die Bemühungen erlaubten nach Ansicht der Dortmunder Verantwortlichen kein seriöses Fußballspiel. „Man spielt ja auch kein Eishockey auf Rasen“, zeterte Klopp. Als besonders tückisch empfand er die unterschiedlichen Verhältnisse auf dem Rechteck. „In der Mitte des Feldes brauchte man Noppen, und auf den Außenbahnen eigentlich Stollen“, berichtete Klopp und wurde sarkastisch: „Nur ist es ja leider noch nicht möglich, dass man während eines Sprints die Schuhe wechselt.“

Die Verletzungsgefahr sei einfach zu groß gewesen, kritisierte der 44-Jährige, als konkretesten Beleg für seine These verwies er auf den Kieler Innenverteidiger Aaron Berzel, der mit dem Hinterkopf auf den harten Boden gestürzt war. Als sich ein Reporter die Frage erlaubte, was denn konkret das Problem gewesen sei, reagierte Klopp mit einer giftigen Gegenfrage: „Sagen Sie, haben Sie jemals selbst Fußball gespielt?“

Damit hatte Klopp den nächsten Takt in einer Grundsatzdebatte geschlagen, die so alt ist wie der Sport der Moderne. Er diskutierte die Neuauflage der Frage, welchen Einfluss das Fernsehen auf ein Fußballspiel haben darf. Denn vor allem den Sender machte Klopp dafür verantwortlich, dass diese Partie angepfiffen worden war. „Da muss man drüber nachdenken, wenn das Fernsehen so einen großen Einfluss hat“, wütete Klopp. „Wenn das Fernsehen so einen großen Druck ausübt, wird es schwierig.“

Für ihn ist klar, dass der Einfluss nicht so groß sein darf, dass eine TV-Übertragung auch dann durchgeführt wird, wenn gesundheitliche Gefahren der Sportler dem eigentlich entgegenstehen. „Ich kann mir keine Verhältnisse vorstellen, unter denen dieses Spiel abgesagt worden wäre“ – mit diesem feinsinnigen Satz beschrieb Klopp in Kiel diese Zwänge des Profisports. „Überall waren die Kameras aufgebaut.“ Verteidiger Mats Hummels hatte es so beschrieben. „Die wollten das Spiel unbedingt durchbringen.“

ARD-Reporter Gerhard Delling widersprach sofort dem Vorwurf, das Fernsehen habe einer Spielabsage entgegengewirkt. Und auch die Kieler Verantwortlichen, die doch alles Mögliche getan hatten, reagierten ein wenig gereizt auf die Grundsatzkritik. „Menschenskinners“, sagte Holstein-Präsident Roland Reime, dies seien zwar schwierige Platzverhältnisse gewesen. „Aber das sind doch alles erwachsene Männer, die nur ein Fußballspiel zu spielen haben.“

Klopp kennt diese Argumente. „Natürlich wird es wieder heißen. Die verdienen doch eine Riesenkohle“, sagte der Trainer. Und dass sie gefälligst kicken sollten. „Aber wenn eine Heimmannschaft keinen vernünftigen Untergrund stellen kann, weil er keine Rasenheizung hat, dann muss der DFB für diesen Fall eine Regeländerung durchführen“, forderte er. „Dann muss so ein Spiel eben in ein anderes Stadion verlegt werden.“

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