Nach Sieg über 800 Meter : Weltmeisterin muss zum Geschlechtstest

Die erst 18 Jahre alte Südafrikanerin Caster Semenya ist neue Weltmeisterin über 800 Meter. Allerdings muss Semenya sich auf Veranlassung des Weltverbandes IAAF einem Geschlechts-Test unterziehen.

Frank Bachner
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Zweifelhafte Siegerin? Caster Semenya.Foto: ddp

Rund 250 Meter vor dem Ziel zog Caster Semenya das Tempo an, bei 200 Meter hatte sie schon einen leichten Vorsprung, und bei 150 Meter zog sie unwiderstehlich davon. Als sie durchs Ziel lief, da hatte die Südafrikanerin ihre Gegnerinnen regelrecht gedemütigt. 1:55:45 Minuten benötigte sie für die 800 Meter, es war ein ähnlich überlegener Sieg wie der von Usain Bolt über 100 Meter am Sonntag. Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei Busienei aus Kenia kam mehr als zwei Sekunden später ins Ziel.

Ein grandioser Triumph? Optisch schon. Doch diese Demonstration der Überlegenheit verschärfte nur eine Frage: Ist die 18-Jährige überhaupt eine Frau?

Caster Semenya kam vor der Weltmeisterschaft aus dem Nichts an die Weltspitze. Bei den afrikanischen Juniorenmeisterschaften gewann sie vor drei Wochen in 1:56,72 Minuten. Auf einen Schlag hatte sie sich auf Platz eins der Weltjahres-Bestenliste gesetzt. Eine unbekannte Südafrikanerin. Eine Frau, die noch im Oktober 2008 eine Bestzeit von 2:04,23 Minuten hatte. Bei der WM hat sie sich nun selbst noch einmal um mehr als eine Sekunde gesteigert.

Der Weltverband IAAF reagierte auf die Zweifel. Er besteht darauf, dass sich die 18-Jährige einem Geschlechtstest unterzieht. Diese Leistungssteigerung, diese tiefe Stimme, das Aussehen, alles ist doch einigermaßen dubios. Ein Startverbot war allerdings nie ein Thema. „Wir haben keine Beweise, um ihr einen Start nicht zu erlauben“, sagte IAAF-Sprecher Nick Davies. Zur eigentlich obligatorischen Siegerpressekonferenz hat sie der Verband nicht geschickt. „Um sie in ihrem Alter zu schützen“, sagte IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss. „aber noch gibt es keinen Beweis, dass sie männlich ist.“ Es werden jetzt zwei Tests gemacht, einer in Südafrika und einer in Berlin. Die Auswertung kann Wochen dauern.

Zweifel an Semenyas Geschlecht sind durchaus angebracht. „Es stehen bei Jugend- und Juniorenmeisterschaften Vermutungen im Raum, dass Manipulation in dieser Richtung staatlicherseits unterstützt werden“, sagte Helmut Digel, IAAF-Councilmitglied.

Es gibt in der Geschichte einige Fälle, in denen Männer als Frauen an den Start gingen. Stella Walsh (USA) gewann 1932 Gold über 100 Meter und vier Jahre später, bei den Olympischen Spielen in Berlin, Silber. Dass sie damals in den falschen Wettbewerben erfolgreich war, stellte sich Jahrzehnte später heraus. Erst nachdem sie 1980 bei einem Überfall erschossen worden war, wurde bemerkt, dass die angebliche Stella Walsh ein männliches Geschlechtsorgan hatte. Bei den Asienspielen 2006 in Doha verlor eine indische 800-Meter-Läuferin wieder ihre Silbermedaille, weil der Geschlechtstest ergeben hatte, dass sie von der Chromosonen-Konstellation her männlich ist.

Caster Semenya hat nach ihrem außergewöhnlichen Lauf bei der Juniorenmeisterschaft in einem Interview erklärt, „dass ich doch sehr überrascht bin“. Sie habe mit einer Zeit von 1:58 oder 1:59 Minuten gerechnet. „Doch wenn ich bei der WM wieder 1:56 Minuten laufen sollte, wäre ich überglücklich.“

Jetzt ist sie sogar noch schneller gelaufen. Dass andere damit glücklich sind, darf erstmal bezweifelt werden.

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