Nach Sturz in Schladming : Steht Lindsey Vonn vor dem Karriere-Aus?

Skirennfahrerin Lindsey Vonn war mit großen Hoffnungen nach Schladming gekommen. Doch nach ihrer schweren Knieverletzung im Super-G am Dienstag ist ungewiss, ob ihre Karriere überhaupt weitergeht.

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Alles andere als rosige Aussichten: Lindsey Vonns Karriere steht auf der Kippe.
Alles andere als rosige Aussichten: Lindsey Vonns Karriere steht auf der Kippe.Foto: AFP

Die WM ist für Lindsey Vonn vorbei. Die Saison ist ebenfalls vorzeitig zu Ende, möglicherweise sogar die ganze Karriere. Bei ihrem Sturz im Super G hat sich Vonn sowohl das Kreuzband wie das Innenband im rechten Knie gerissen. Doch das sind, so dramatisch es sich anhört, Standardverletzungen im Skirennsport. Der Bruch des Schienbeinkopfes jedoch kann das Karriereende bedeuten. So wie es bei den Deutschen Katja Seizinger und Florian Eckert gewesen ist.

Tina Maze, die Gold im Super G gewonnen hat, riss im Ziel den Mund vor Schreck weit auf. Auf der Videowand hatte die Slowenin die Fahrt ihrer schärfsten Konkurrentin Vonn verfolgt. Nach einem Sprung hatte deren rechter Ski bei der Landung verschnitten, sodass die Abfahrts-Olympiasiegerin gestürzt war. „Ich habe Lindsey stürzen sehen. Das sah nicht gut aus“, sagte US-Speedtrainer Chip White.

Maria Höfl-Riesch stand oben im Starthaus, weil sie als nächste Läuferin dran war, als sie einen Aufschrei hörte. „Da haben alle geschrien. Sicher lässt einen das nicht kalt“, sagte die deutsche Doppel-Olympiasiegerin über das Unglück ihrer Ski-Freundin. Nach ihrem eigenen Ausscheiden hatte Höfl-Riesch beim Abrutschen beobachtet, dass die Piste teilweise gebrochen war, auch an der Stelle, an der Vonn gestürzt war. „Es ist ein Schock, ihr Sprung geriet viel zu hoch“, sagte Siegerin Maze.

Noch am Abend nach dem Sturz konnte die 28-Jährige das Schladminger Krankenhaus wieder verlassen. Im Quartier des US-Teams wolle sie „das Erlebte verarbeiten“, wie es Oberarzt Christian Kaulfersch ausdrückte. Die US-Teamleitung versucht optimistisch zu bleiben und erwartet die 59-fache Weltcupsiegerin in der kommenden Saison wieder zurück. „Der Arzt sagte, das wird neun Monate dauern. Lindsey meinte, das geht nicht, sie will in Lake Louise wieder gewinnen. An ein Karriereende hat niemand gedacht“, sagte ihr Betreuer Robert Trenkwalder am Mittwoch. Vonn selbst erklärte die Winterspiele 2014 zu ihrem nächsten Ziel: „Ich kann euch versichern, dass ich so hart arbeiten werde, wie es menschlich möglich ist, um mein Land nächstes Jahr in Sotschi zu repräsentieren.“ Die nächsten Schritte nannte der amerikanische Teamarzt William Sterett: „Lindsey wird nach Vail fliegen und Anfang kommender Woche am Knie operiert werden.“

Die viermalige Gewinnerin des Gesamt-Weltcups hatte sich für die Weltmeisterschaft in Schladming besonders viel vorgenommen. Im Dezember hatte sie ihre jahrelangen Depressionen öffentlich gemacht und sich eine vierwöchige Auszeit genommen. In dieser Phase enteilte ihr Tina Maze im Gesamt-Weltcup. Also konzentrierte sich Vonn ganz auf die WM. In Schladming wollte sie „stärker als jemals zuvor bei einem Großereignis“ sein.

Denn die US-Amerikanerin hat zu den Welttitelkämpfen ein gespaltenes Verhältnis. Bei der WM 2007 in Are hatte sie sich bereits beim Slalomtraining das Kreuzband angerissen. 2009 in Val d’Isère gewann sie zweimal Gold, in der Abfahrt und im Super G. Bei den Feierlichkeiten nach dem Abfahrtserfolg durchtrennte sie sich mit einer zersplitterten Champagnerflasche die Beugesehne des Daumens. Und vor der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen stürzte sie im Abfahrtstraining – Gehirnerschütterung.

Kritik an der Rennleitung, die den Start des Rennens 13 Mal im Viertelstundentakt verschoben hat, gab es laut Trenkwalder aber nicht: „Lindsey will da auch keine Schuld zuschieben.“ Im Gegensatz dazu äußerte sich der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier. Durch den Regen habe die Piste gelitten, letztlich sei gegen die Sportler und für den Kommerz das Rennen durchgeprügelt worden. Atle Skardal, der Renndirektor des internationalen Skiverbandes, fand die Verhältnisse nicht irregulär. Trotzdem hat die WM gleich im ersten Wettbewerb einen der größten Stars verloren. Und vielleicht kehrt Lindsey Vonn sogar nie wieder auf die Piste zurück.

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